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Bevölkerungsentwicklung Geburtenzahl in Deutschland sinkt auf Rekordtief


Noch nie kamen in Deutschland so wenige Babys zur Welt. Soll die Bevölkerungszahl stabil bleiben, müssten jährlich 300.000 Menschen einwandern, sagen Statistiker. Gleichzeitig warnen Mediziner: Die Zahl der Frühgeburten steigt immer weiter an.

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist auf ein Rekordtief gesunken. Im vergangenen Jahr kamen rund 665.000 Kinder zur Welt, etwa 17.000 weniger als im Vorjahr und nicht einmal halb so viele wie 1964, berichtet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.

Die Statistiker sehen zwei Ursachen: Erstes bekommen Frauen heute weniger Babys als in früheren Jahrzehnten. Zweitens ist die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter deutlich gesunken. Dies sind laut Statistik Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahre. Nach der neuen Statistik bringen Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens im Schnitt 1,36 Kinder zur Welt. 2008 waren es 1,38, ein Jahr zuvor 1,37.

Im alten Bundesgebiet sank die durchschnittliche Geburtenzahl pro Frau von 1,37 im Jahr 2008 auf 1,35 im vergangenen Jahr. Im Osten lag die durchschnittliche Geburtenzahl 2009 wie im Vorjahr bei 1,4 - das ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung. Nach der Einheit war die sogenannte Geburtenziffer in den neuen Ländern zunächst erheblich gesunken und erreichte dort 1993 und 1994 mit 0,8 einen Tiefpunkt.

Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass Frauen in der Bundesrepublik im Lauf ihres Lebens durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen müssten, um die Bevölkerungszahl auf dem heutigen Stand zu halten. Legt man die aktuelle Geburtenziffer zugrunde, bräuchte Deutschland eine jährliche Zuwanderung von ungefähr 300.000 Personen, damit die Einwohnerzahl nicht sinkt.

Fast jedes zehnte Kind ein "Frühchen"

Von einer anderen Besorgnis erregenden Entwicklung berichten Mediziner: In Deutschland kämen immer mehr "Frühchen" zur Welt, sagt der Mediziner Professor Andreas Schulze, Leiter der Abteilung für Neonatologie und Neugeborenen-Intensivtherapie am Klinikum München-Großhadern. Dies hänge mit dem steigenden Alter der Schwangeren zusammen, aber auch Mehrlingsschwangerschaften nach künstlichen Befruchtungen würden eine Rolle spielen.

Bundesweit werden laut Schulze jährlich 60.000 bis 63.000 "Frühchen" geboren. Die "Frühchen"-Rate bei Neugeborenen in Deutschland habe sich von sieben Prozent 1997 auf rund neun Prozent im vergangenen Jahr erhöht, bestätigt Geschäftsführerin Silke Mader von der Stiftung "European Foundation for the Care of Newborn Infants"(EFCNI). Diese Stiftung setzt sich für eine bessere medizinische Versorgung der Neugeborenen ein.

Problem Hochrisiko-Frühgeburten

Die große Mehrzahl der Frühgeborenen werde medizinisch hervorragend betreut und sei klinisch nicht krank, betonte Schulze. Problematisch seien jedoch die Hochrisiko-Frühgeburten, die ein Prozent aller Geburten ausmachten. Darunter versteht man Babys, die mit einem Gewicht von weniger als 1250 Gramm und mehr als zehn Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin auf die Welt kommen. Normalerweise beträgt das Geburtsgewicht 3200 bis 3500 Gramm.

be/DPA DPA

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