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Bischofskonferenz: Zollitsch folgt auf Lehmann

Der Freiburger Erzbischof Roland Zollitsch ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die Frühjahrsvollversammlung wählte ihn in Würzburg zum Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann. Damit haben sich die katholischen Oberhirten für einen Bischof entschieden, der stets den Konsens sucht.

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Die Frühjahrsvollversammlung wählte den 69-Jährigen am Dienstag in Würzburg zum Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann, der sein Amt nach mehr als 20 Jahren aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zur Verfügung stellte.

Zollitsch ist für sechs Jahre gewählt. Wahlberechtigt waren die derzeit 69 Mitglieder der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Der Freiburger Erzbischof war neben dem neuen Erzbischof von München, Reinhard Marx, als Favorit gehandelt worden.

Bischof ohne Starallüren

Mit Robert Zollitsch fiel die Wahl auf einen Bischof mit Bodenhaftung. Starallüren und ein übertriebenes Sendungsbewusstsein sind dem 69-Jährigen fremd.

Der Geistliche wird innerhalb der katholischen Kirche als effizienter, engagierter und zuverlässiger Arbeiter mit großem Organisationstalent geschätzt. Seit Juli 2003 ist Zollitsch Erzbischof in Freiburg und damit Oberhirte von mehr als zwei Millionen Katholiken. Mit Freiburg leitet er die zweitgrößte der insgesamt 27 Diözesen in Deutschland.

Um Konsens bemüht

Den Tag beginnt Zollitsch sportlich. Er startet jeden Morgen mit einer Trainingseinheit auf dem heimischen Laufrad. In seinem Amt agiert Zollitsch geräuschlos. Er vertritt zwar klar seine Standpunkte, doch der Freiburger Erzbischof ist kein Freund von ideologisch überhöhten Debatten. Zollitsch sucht Konsens statt Konfrontation. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Verbandes der Diözesen Deutschlands genießt Zollitsch einen exzellenten Ruf.

"Ich sehe mich als Brückenbauer", sagte Zollitsch im Sommer 2003, als er zum Erzbischof ernannt wurde. "Ich will ein Bischof zum Anfassen sein." Das persönliche Gespräch ist seine Stärke, Zollitsch ist offen, er kann zuhören und Meinungen zusammenführen. Dabei bleibt er stets verbindlich. Mit diesen Eigenschaften steht das Freiburger Kirchenoberhaupt in der Tradition von Kardinal Karl Lehmann. Beide sind seit Jahren befreundet.

Für ein freiwilliges Zölibat

Ein Meister der Massen ist Zollitsch nicht. Zu volkstümlich will sich der Geistliche nicht geben. In Predigten nimmt er auffallend oft gesellschaftspolitisch Stellung, mit seinen Themen ist er auf der Höhe der Zeit. Auch Kirchenkritikern öffnet er sich. "Probleme dürfen nicht verschwiegen, sondern müssen angepackt werden", sagt er.

Zollitsch gilt als liberal. Die von Rom vorgeschriebene Ehelosigkeit der Pfarrer würde er lieber als freiwillige Lebensregel sehen. Das Zölibat, sagt er, sei für die Priestertätigkeit zwar positiv, theologisch aber nicht zwingend. Auch für eine Reform der von manchen als undemokratisch kritisierten Bischofswahl wäre er offen.

Bergsteiger mit fester Basis

Geboren wurde Zollitsch am 9. August 1938 in Filipovo/Jugoslawien. Am Ende des Zweiten Weltkriegs floh seine Familie nach Deutschland. Zollitsch wuchs in Mannheim und im badischen Tauberbischofsheim auf. 1965 wurde er im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Vor seiner Ernennung zum Erzbischof war er in der Freiburger Diözese Personalreferent. Innerhalb der Diözese hat sich Zollitsch über die Jahre ein gut funktionierendes Netzwerk geschaffen. Die Stärkung der Ökumene und die Förderung des Priesternachwuchses sind ihm ein Herzensanliegen.

Privat liebt Zollitsch das Bergsteigen. "Wenn ich Bewegung an der frischen Luft habe, dann ist das für mich die beste Erholung", sagt er. Im Urlaub fährt Zollitsch deshalb immer in die Berge.

DPA/AP/Reuters/sh/msg / AP / DPA / Reuters