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BKA-Panne: Kinderschänder war bereits verurteilt

Diese Panne peinlich zu nennen, ist reichlich untertrieben: Der vom BKA per Internetfahndung gesuchte und gefasste Kinderschänder war bereits verurteilt worden. Das belastende Video-Material ist 20 Jahre alt, der Mann wieder auf freiem Fuß.

Mehr als peinlicher Irrtum für das Bundeskriminalamt (BKA): Ein am Dienstag in Rostock als Kinderschänder identifizierter 66-jähriger Mann, nach dem per Internetfahndung gesucht worden war, wurde bereits 1994 für das 1993 gedrehte Kinderporno-Video verurteilt und daraufhin in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Das teilte ein Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit und bestätigte damit einen Bericht von "Bild.de". Nach einer kurzen Vernehmung bei der Polizei ist der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Er hat noch nicht einmal einen Computer

Das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Gießen hatten zuvor mitgeteilt, der Tatverdächtige sei festgenommen worden. Zu der Frage, weshalb öffentlich nach einem bereits Verurteilten gesucht wurde, wollte sich das BKA zunächst nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft, die den Fall am Nachmittag übernahm, erklärte, man könne sicher sagen, dass das am Dienstag in Ausschnitten online gestellte Video vor der Verurteilung des Mannes 1994 produziert worden sei. Es sei auszuschließen, dass es sich um eine neue Straftat handele, erklärte der Sprecher. Seit seiner Entlassung aus der Psychiatrie lebe der Mann in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. In der Nacht zum Mittwoch hätten Polizei und Staatsanwaltschaft dort seine Räume durchsucht, aber kein neues Beweismaterial entdeckt. Der Mann besitze auch keinen Computer. Wie das alte Video trotzdem ins Internet kam, sei unbekannt.

Am Dienstag hatte das Bundeskriminalamt auf seiner Internetseite Ausschnitte aus einem Video sowie Stimmaufnahmen des Täters veröffentlicht. Die Aufnahmen wurden daraufhin von zahlreichen Medien aufgegriffen. Die Ermittler warfen dem Mann schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, die Herstellung kinderpornografischer Schriften sowie deren Besitz und Verbreitung vor.

AP / AP
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