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Million-Dollar-Foto: Wie ein Foto eine Million für arme Schüler einbrachte

Ein Achtklässer nannte seine Direktorin die wichtigste Person in seinem Leben. Ein Blogger wollte daraufhin der armen Schule helfen. Mit einem Fotoaufruf sammelte er eine Million Dollar Spenden ein.

Von Carolyn Moyé

Dank Brandon Stanton, Vidal Chastanet und Nadia Lopez kann den Schülern der Mott Hall Bridges Academy in Zukunft viel ermöglicht werden

Dank Brandon Stanton, Vidal Chastanet und Nadia Lopez kann den Schülern der Mott Hall Bridges Academy in Zukunft viel ermöglicht werden

Brandon Stanton, ein New Yorker Fotoblogger, Vidal Chastanet, ein Achtklässer der Mott Hall Bridges Academy in Brownsville, Brooklyn und Nadia Lopez, Direktorin derselben Schule, sind die Protagonisten einer Geschichte darüber, wie man mit Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft Dinge in Bewegung bringen kann. Sie schafften es mit einem Foto und einer rührenden Antwort über eine Million Dollar für Schulprojekte zu sammeln.

Alles begann mit Brandon Stantonts Blog "Humans of New York", für den er seit 2010 Menschen in New York auf der Straße fotografiert und ihnen Fragen stellt. Am 20. Januar trifft er auf der Suche nach neuen Menschen und Motiven auf den dreizehnjährigen Vidal Chastanet. Vidal lebt in Brooklyn, dem New Yorker Stadtteil mit der höchsten Kriminalitätsrate. Er schoss ein Foto von ihm und fragte ihn, wer ihn in seinem Leben am meisten beeinflusst habe. Vidal antwortete: "Meine Direktorin, Miss Lopez." Neugierig geworden hakte Stanton nach, wie sie das gemacht habe. Chastanet erklärt: "Wenn wir Ärger machen, schließt sie uns nicht vom Unterricht aus, sondern ruft uns in ihr Büro und erklärt uns, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Sie erklärt uns, wenn einer von uns in der Schule versagt, jedes Mal eine neue Gefängniszelle gebaut wird."

Überwältigende Reaktion auf Facebook

Stanton postet das Bild mit Chastanets Antwort darunter auf seinem Blog und auf Facebook. Binnen kurzer Zeit wurde der Eintrag mehr als 20.000 Mal kommentiert und fast 150.000 Mal geteilt. Viele waren gerührt und lobten Lopez für ihren Einsatz: "Eine weise Frau", "Wunderbare Frau! Darum geht es bei Bildung! Danke Miss Lopez" und "Gäbe es nur mehr Pädagogen wie sie" waren nur einige der Kommentare, die die gerührten User hinterließen.

Stanton beschließt auf diese überwältigende Aufmerksamkeit hin, die Mott Hall Bridges Academy zu besuchen, und diese Pädagogin kennenzulernen. Nadia Lopez, die Direktorin von Mott Hall Bridges Academy, ist eine Frau, die ihre Kids nicht aufgibt. Statt "Dienst nach Vorschrift" abzuleisten, lässt sie zum Beispiel jeden Schüler einzeln aufstehen und sagt ihm: "You matter!" – "Du bist von Bedeutung!"

Im Gespräch mit Stanton spricht sie von den "begrenzten Möglichkeiten", der benachteiligten Jugendlichen aus Brownsville. Viele würden nicht daran glauben, dass aus ihnen etwas werden kann. Stanton wollte jetzt nur noch eins: Helfen. Mit Lopez zusammen entwickelte er die Idee für eine Spendenaktion, um den Kids einen Trip an die Harvard University zu ermöglichen. Dadurch kämen sie mal raus aus dem Viertel und würden einen Eindruck von einer renommierten Universität bekommen. Und nicht zuletzt erfahren, dass auch sie das Potential haben irgendwann dort zu studieren.

1,1 Millionen Dollar in einer Woche

Gesagt, getan. Unter dem Titel "Let’s send kids to Harvard" startete Stanton am 22. Januar ein Crowdfunding-Projekt auf indiegogo.de. Als Spendenziel wurden 100.000 Dollar angegeben, um drei Jahrgänge Sechstklässler zu Beginn des Schuljahrs auf einen Ausflug nach Harvard zu schicken. Es dauerte keine 24 Stunden, bis das Spendenziel erreicht war. Bis heute haben 38.403 Unterstützer die unglaubliche Summe von mehr als 1.1 Millionen Dollar gespendet. Das gesammelte Geld wird nicht nur reichen, um den Trip nach Harvard zu einem festen Bestandteil des Lehrplans werden zu lassen, sondern auch um Sommerferienprogramme anzubieten und ein Stipendienprogramm zu starten.

Lopez ist überwältigt und kann ihre Dankbarkeit nicht in Worte fassen. Bevor all das passierte fühlte sie sich ein wenig kaputt, weil sie viele schlimme Dinge erleben musste. Aber jetzt hat sie die Möglichkeit einiges zu "reparieren". Das schönste Geschenk aber ist, das Chastanet so nett von ihr gesprochen habe. Denn einen jungen Menschen so positiv zu beeinflussen, ist unbezahlbar!

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