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Bloggerin verärgert US-Außenministerium: Immer Ärger mit den Nippeln

Das amerikanische Außenministerium löschte die Verlinkung zu Jennifer Dinoias Blog, weil sie bei der Beschreibung ihrer Brustkrebserkrankung das Wort "Nippel" benutzte.

Von Rayka Burghold, New York

Jennifer Dinoia ist mit einem Mann verheiratet, der für das Außenministerium der USA arbeitet. Seit 2005 schreibt sie in ihrem Blog "The Dinoia Family" über die Erfahrungen und Erlebnisse als Ehefrau und das Leben als Familie, wenn der Vater und Ehemann über Monate im Ausland arbeitet. Das Außenministerium unterstützte die Bloggerin seit zwei Jahren, indem es den Link zu Jennifers Blog auf der eigenen Website empfahl. So sollten interessierte Bewerber einen Einblick in die Arbeit und das Leben als Mitarbeiter im Ausland bekommen. Das war die Idee der Beamten - bis zu jenem Tag, als sie ein Wort mit N nicht mehr ruhig schlafen ließ.

Jennifer schrieb in ihrem Blog über ihre verschiedenen Erlebnisse als Gattin eines Dauerreisenden. Von Kalifornien ging es über Island nach Venezuela, die drei Kinder, heute vier, zehn und 13 Jahre alt, waren immer dabei. Der Blog half Jennifer vor allem, die schweren Zeiten zu bewältigen, etwa als ihr Mann in den Irak versetzt wurde und die Familie nicht mitkommen konnte.

Doch dann kam der Brustkrebs

Mit 39 Jahren bekam Jennifer dann die Diagnose Brustkrebs: Seitdem berichtete sie in ihrem Blog nicht nur über ihren Mann, die Arbeit, das Leben im Ausland und die ständigen Umzüge in andere Städte. Sie schrieb nun auch über ihre Krankheit und die Operationen, genauso lebhaft und detailliert wie gewohnt. Jeden Schritt der chirurgischen Eingriffe schilderte sie, ihre Gefühle, auch alltägliche Banalitäten. Bis eines Tages das böse Wort fiel: Nippel. Kurze Zeit später verschwand der Link zu Jennifers Blog von der offiziellen Website des Ministeriums, ohne weitere Erklärung. Jennifer hatte in dem Eintrag nur die Arbeit ihres Chirurgen beschrieben, wie er auf kunstvolle Art und Weise ihre Brustwarze rekonstruierte. Aus Infektionsgründen musste sie einen Schutz tragen, für den eine ihrer Freundinnen bald den passenden Namen fand: "Nipple Cosy", der Brustwarzenwärmer. Das bloggte Jennifer und fügte zusätzlich farbenfrohe Fotobeispiele von echten Teewärmern hinzu, die dem Nipple Cosy ähnlich sahen. Ihre Leser fanden das toll.

Gelöscht wegen "Nippel"

Die Reaktion des Ministeriums aber war eine andere: es löschte kurzerhand den Link zum Blog. Erst als eine Mitarbeiterin des Ministeriums auf der Homepage den Verweis zu Jennifers Blog vermisste und diese darauf hinwies, wurde Jennifer auf die Linkentfernung aufmerksam. Sie war irritiert: Waren es doch die Beamten des Ministeriums selbst, die vor zwei Jahren Jennifers Blog so toll gefunden hatten und ihn weiterempfehlen wollten. Also fragte sie nach. Was folgte war eine E-Mail des Marketingberaters des Ministeriums. Er schrieb Jennifer, sie verstehe hoffentlich, dass einige der Themen im Blog sehr persönlich seien, und nannte als Beispiel den Brustwarzenwärmer. Die Leser wollten doch mehr über den Außendienst an sich erfahren, über das Leben und die Arbeit im Ausland. Die Schilderung der Krankheit stoße wohl weniger auf Resonanz.

Proteste, die fruchten

Daraufhin stellte Jennifer die Mail des Marketingberaters auf ihren Blog und hatte am Abend über 700 Aufrufe, so viel wie noch nie. "Wir lieben deinen Blog", schrieben die Leser, Jennifer berichte "vom wahren Leben". Genau das war ja auch Jennifers Intention: "Ist es nicht genau das, was potenzielle Mitarbeiter wissen wollen? Das wirkliche Leben als Ehefrau und das der Familie mit all den Problemen und Hindernissen, die im Leben auf dich zukommen", fragte sie sich. Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche erschien der Link zu Jennifers Blog plötzlich wieder auf der Homepage des Ministerium. Die Proteste hatten gefruchtet. Eine offizielle Entschuldigung ist nun ebenfalls auf der Website veröffentlicht: "Wir versuchen in Zukunft, überlegter mit Link-Platzierungen umzugehen und entschuldigen uns für die daraus entstandene Verärgerung."

Auf Nachfrage der Washington Post fügte der Pressesprecher des Ministeriums hinzu, dass der Link lediglich aufgrund der regelmäßigen Homepagewartung von der Seite genommen wurde. Bei der Durchsicht und der Link-Aktualisierungen sei der Verweis zu Jennifers Blog nur vorübergehend entfernt worden. Für Jennifer Denoia ist das nur eine müde Ausrede. "Wenn die Begründung so einfach ist, wieso haben sie mir das nicht gleich gesagt?"

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