HOME

Brandherd Feuerwehr: Mit Migranten und Frauen gegen den Mitgliederschwund

Mit Slogans wie "Frauen an den Brandherd" wirbt die Niedersächsische Feuerwehr derzeit um neue Mitglieder. Für Niedersachsens Innenminister reichen derartige Plakataktionen nicht mehr aus. Er fordert gezielte Werbeaktionen unter Frauen und Ausländern.

Die Feuerwehren in Niedersachsen sollen vermehrt unter Mädchen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund um Nachwuchs werben. Die Bevölkerungsrückgang gefährde langfristig die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren, sagte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann am Montag in Hannover. "Gemeinsame Ziel ist es, den Anteil der Frauen an den Feuerwehrleuten kontinuierlich zu erhöhen", erklärte er. Auch unter jungen Migranten müsse man möglichst viel Nachwuchs gewinnen.

Bis 2050 werde in Niedersachsen die Zahl der Menschen im erwerbstätigen Alter um 30 Prozent und die Zahl der unter 20-Jährigen sogar um fast 40 Prozent abnehmen. "Das führt selbst bei gleichbleibendem Engagement auch bei den Freiwilligen Feuerwehren zu einem ernormen Rückgang", betonte Schünemann. "Aufgrund dieser Zahlen muss langfristig damit gerechnet werden, dass die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren durchaus gefährdet ist."

Die Zahl der von Menschen verursachten Brände nimmt nach Einschätzung des Ministers keineswegs entsprechend dem Bevölkerungsrückgang ab. Denn der Anteil der älteren Menschen werde wachsen. Und sehr viele Brände würden von vereinzelten, vereinsamten oder hilflosen Menschen verursacht, sagte der CDU-Politiker.

Zahl der Feuerwehrfrauen wächst bereits

Nach Angaben des Innenministers haben derzeit in Niedersachsen 17 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. In der Altersgruppe von 6 bis 18 Jahren sind es bereits 23 Prozent. Bei den Feuerwehren liegt der Anteil der Mitglieder mit Migrationshintergrund aber nur bei zwei bis drei Prozent.

Die Wehren müssten daher gezielt unter Migranten neue Mitglieder werben. "Plakataktionen reichen da nicht aus, sie müssen direkt das Gespräch mit den Migrantenorganisationen suchen und in die Wohnquartiere gehen", verlangte der Innenminister.

Der Frauenanteil bei der niedersächsischen Feuerwehren hat sich Schünemann zufolge zwischen den Jahren 2002 und 2009 bereits von 6,8 auf 9,5 Prozent erhöht. Absolut sei die Zahl der Feuerwehrfrauen zugleich knapp 9.000 auf gut 12.000 angestiegen. Einige Feuerwehrfrauen seien auch in Führungspositionen aufgerückt. Eine Frauenquote wollte der CDU-Politiker den Feuerwehren aber nicht vorgeben. Wie bei den Migranten gelte hier der Grundsatz: "Je mehr, desto toller und besser ist das", sagte er.

Die Feuerwehren des Bundeslandes werben bereits mit Plakaten gezielt um Frauen. Ein Werbeslogan laute "Frauen an den Brandherd", ein anderer "Frauen sind Katastrophen-Schützer", sagte Landesbranddirektor Jörg Schallhorn.

APN / APN