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Bremen: Hindus planen Tempel - Kuh prüft Baugrundstück

Es klingt etwas skurril, doch den Gläubigen ist es ernst: Eine Hindu-Gemeinde in Bremen plant den Bau eines neuen Tempels. Doch bevor das Bauvorhaben startet, muss eine Kuh sich auf dem Gelände wohlfühlen.

Ein Hindu-Priester mit nacktem Oberkörper fasst eine geschmückte schwarz-bunte Kuh auf den Rücken

Bevor Kuh "Madel" das Baungrundstück inspizierte, sprach Hindu-Priester Prasad Agilandam noch ein Gebet

"Alles ist gut", redet Bauer Frank Imhoff seiner Kuh "Madel" zu und streichelt ihr sanft über den Hals. Sie trägt eine Blumengirlande um den Kopf, auf ihrem Rücken liegen ein Tuch, Blüten und buntes Pulver. Der Duft von Räucherstäbchen zieht über die vom Schneeregen matschige Wiese, während der Hindu-Priester aus Indien mit nacktem Oberkörper in der heiligen Sprache Sanskrit betet und singt. Und dann pinkelt "Madel" auf die Wiese, zur Freude von Gemeindesprecher Pathmakaran Pathmanathan: "Das ist ein gutes Zeichen", sagt er.

Für die Hindu-Gemeinde in Bremen ist dieser Mittwoch ein besonderer Tag: "Madel" entscheidet über den Bauplatz für einen neuen Tempel. "In Indien und Sri Lanka sind Kühe heilig", erklärt Pathmanathan, der 1989 aus Sri Lanka nach Deutschland kam und in Bremen einen Verein für gläubige Hindus gründete. "Alle Götter sind in der heiligen Kuh vereint." Ihm zufolge ist es für Hindus wichtig, bei Bauvorhaben eine Kuh zu fragen. Der Tradition zufolge sollen sie eine Zeit auf dem Grundstück verbringen. "Wenn die Kuh versucht, wegzulaufen, ist der Platz nicht geeignet", so der 45-Jährige, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Bremen lebt.

Die Kuh gibt grünes Licht

Die Bremer Hindu-Gemeinde blickt daher gespannt auf das Verhalten von "Madel", die sich begleitet von zahlreichen Fernsehkameras geduldig auf die Wiese führen lässt. "'Madel' war schon mal auf einer Tierschau und ist daher auch sehr ruhig", sagt Bauer Imhoff. "Ich denke, dass sie sich sehr wohl fühlt." Nach einem Rundgang über das 1350 Quadratmeter große Grundstück ist der aus Indien stammende Priester sicher: "Ja, alles ist in Ordnung", sagt der 36-Jährige. "Wir bauen den Tempel hier", freut sich Gemeindesprecher Pathmanathan.

Wie die anderen anwesenden Gläubigen trägt auch er einen Punkt aus weißem, roten und orangefarbenem Pulver auf der Stirn. Auch darin zeigt sich die Verehrung der Kuh, denn das weiße Pulver ist ihm zufolge unter anderem aus verbranntem Kuhfladen und Heu entstanden.

Hindu-Gemeinde gehören rund 300 Familien an

Der neue Tempel soll auf einem Grundstück der Bremer Heimstiftung gebaut werden. Einen Plan, wie das Gebäude aussehen soll, gibt es bereits. Die Besitzer des Grundstücks freuen sich über das Interesse der Hindus. "Sie passen wunderbar in diese lebendige, bunte Modellsiedlung", sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Alexander Künzel. Der Hindu-Tempel werde einer von vielen Farbtupfern auf dem insgesamt etwa 100.000 Quadratmeter großen Gebiet, auf dem eine sozial-ökologische Siedlung entstehen soll. "Das Spannendste ist der Turm. Er darf zwölf Meter hoch sein", sagt Künzel über den geplanten Tempel.

Die Hindu-Gemeinde, zu der Pathmanathan zufolge rund 300 gläubige Familien gehören, die aus Sri Lanka oder Indien stammen, will nun bald mit dem konkreten Bauvorhaben beginnen. Die geschätzten Kosten von bis zu 500 000 Euro sollen über die Gläubigen und Spenden finanziert werden. Wenn alles gut laufe, könne im Sommer mit dem Bau begonnen werden. Nach der Fertigstellung wird Madel vielleicht erneut einen großen Auftritt haben. "Das ist ein Ritual", sagt Pathmanathan. "Wenn man einen Tempel einweiht, muss eine Kuh dabei sein." 

Diese Kuh heißt "Lady Gaga"
tkr / DPA
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