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Britische Clubs: Keine Rauchzeichen mehr

Ab dem 1. Juli gilt in England das neue Rauchverbot: In keinem öffentlichen Gebäude darf mehr geraucht werden. Das betrifft auch die Zigarren-Zimmer der Privatclubs. Die Gentlemen verabschieden sich mit Stil von alten Gewohnheiten.

Von Cornelia Fuchs, London

Der Smoking ist erwünscht, aber kein Zwang an diesem Abend im Restaurant "Wiltons". "Up in Smoke" heißt das Motto - und wer hier 240 Euro ausgegeben hat, bekommt drei Havanna-Zigarren und feinen Fisch, perfekt abgestimmt auf die Auswahl feiner englischer Käse und Whisky am Ende des Vier-Gänge-Menüs.

Stiller Protest

Es ist ein stiller, sehr feiner Protest gegen die gesetzliche Gängelei, der diese Woche in London gefeiert wird. Damen und Herren treffen sich in den Bars ihrer Privatclubs, in den Räumen der Viel-Sterne-Restaurants, um sich von ihren Zigarren und Pfeifen zu verabschieden, die sie ab Sonntag nie wieder in diesen Räumlichkeiten werden rauchen dürfen.

Im Savoy, beispielsweise, darf Rauchwerk schon jetzt nur in der American Bar angezündet werden. Das Wandgemälde von Marlene Dietrich im Restaurant - natürlich lasziv mit Zigarette in der Hand - schaut schon lange nicht mehr auf Gäste mit Glimmstengeln. Die Zeitung "Daily Telegraph" beschreibt die Atmosphäre des finalen Rauch-Abends als "eine städtische Version des Fuchs-Jagd-Protests". Die Aristokratie beschwert sich, dass der Staat ihnen alles verbietet, was Spaß macht.

Mehrheit unterstützt das Rauchverbot

Mit dieser Einstellung sind sie in der Minderheit. 78 Prozent, so die neuesten Umfragen, unterstützen das Rauchverbot in England. Ab 1. Juli kostet es 75 Euro Strafe, sollte jemand in einem öffentlichen Gebäude rauchen. Noch schlimmer trifft es die Betreiber von Kneipen, Spielhallen oder Geschäften: Wer hier das Rauchen erlaubt, muss bis zu 3800 Euro zahlen. Stadtverwaltungen haben von der Regierung 45 Millionen Euro bekommen, um die Einhaltung des Rauchverbots zu überprüfen, 1200 Angestellte wurden als "Anti-Rauch-Wächter" ausgebildet und sollen Strafzettel verteilen.

Gestritten wird bis in die letzte Minute um Ausnahmen: In Gefängnissen darf noch geraucht werden - dagegen protestieren nun die Gefängniswächter, die ihre Gesundheit gefährdet sehen. Betreiber von Wasserpfeifen-Cafés versuchen noch in der letzten Minute eine Sondergenehmigung zu bekommen. Die "Save the Shisha-Campaign" argumentiert, dass ihre 650 Mitglieder ohne Wasserpfeifen ihre Kundschaft verlieren und Pleite gehen würden. Die Entscheidungen hierzu stehen noch aus.

Ausnahme: die könglichen Paläste

Am letzten Rauchabend im Savoy stießen die Anwesenden schließlich unter Rauchwolken auf Land und Königin an. Das mag für einige die letzte Hoffnung sein: In den königlichen Palästen wird das Rauchen auch nach dem 1. Juli weiter erlaubt sein. Was die Königin nicht weiter stören wird: Sie hat ihrem Ehemann Prinz Philip schon lange das Rauchen abgewöhnt. Er hat seine letzte Zigarette angeblich am 19. November 1947 angezündet, am Tag vor seiner Heirat.

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