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Budni-Chef kritisiert Preiskrieg der Discounter: "Von Vollzeitarbeit muss man leben können"

Budnikowsky-Chef Cord Wöhlke sieht bei sozialer Verantwortung und Generationengerechtigkeit Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen in der Pflicht.

Im Handel tobt seit längerem ein unerbittlicher Preiskrieg, der einen immensen wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen ausübt und zu permanenter Effizienzsteigerung zwingt. Das hat die starke Zunahme von Teilzeitverträgen auch in der Drogeriemarkt-Branche zur Folge, die als Niedriglohnsektor schon jetzt am Limit bezahlt und mit Lohndumping-Vorwürfen konfrontiert ist.

Über Generationengerechtigkeit im Unternehmen sprach Cord Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky, auf Einladung der Körber-Stiftung in Hamburg. Er bedauert die Preisgetriebenheit seiner Branche und würde gern Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen in die Pflicht nehmen. Die Discounter, weil sie durch extreme Tiefstpreise versuchen, Konkurrenten aus dem Feld zu drängen, um langfristig auf ein höheres Preisniveau zurückzukehren. Die Verbraucher, weil sie ihre Kaufentscheidung zu stark vom Preis abhängig machen und bereits bei wenigen Cent Preisunterschied ökologische und soziale Faktoren außer Acht lassen.

Langjährige Mitarbeiter als "Einsatzreserve"

Für die Arbeitnehmer der Branche hat das gravierende Folgen. Arbeitsstellen werden längst nach Kundenfrequenzen in der Filiale besetzt: Vollzeitstellen verursachen immer wieder auch Leerlaufzeiten und werden durch Teilzeit abgelöst. Doch selbst bei Vollzeitarbeit ist die Entlohnung häufig prekär. Spätestens im Ruhestand reicht dann das Geld bei vielen endgültig nicht mehr zum Leben und entsprechende Lohnsteigerungen sind auch zukünftig eher unwahrscheinlich.

Wöhlke versucht gegen diesen allgemeinen Trend gegenzusteuern, auch wenn er den Preisdruck der Branche nicht ignorieren kann. Seine Mitarbeiter gehen nicht einfach in Rente. Mit jedem Einzelnen wird vorab besprochen, ob und in welchem Umfang sie weiterarbeiten wollen (oder müssen). Seine "Einsatzreserve" nennt Cord Wöhlke diese langjährigen Mitarbeiter.

Unternehmensbild mit familiären Zügen

Ältere Mitarbeiter sind aber für Wöhlke nicht nur flexible Notnagel. "Die Älteren bringen Erfahrungswissen ein, die Jungen bringen Dampf in den Kessel. Die Mitarbeiter mittleren Alters moderieren und entwickeln aus dem Input von Alt und Jung neue Wege und Strategien." Für den demografischen Wandel ist er damit gut gerüstet. Denn Unternehmen sind längst nicht mehr gut aufgestellt, wenn sie allein Ausbildungsstrategien und Nachwuchswerbung betreiben. Das Halten langjähriger Mitarbeiter und die innerbetriebliche Weitergabe von Erfahrung und Know-How wird immer wichtiger.

Altersgemischte Teams sind für den Familienunternehmer Wöhlke, der seine Kindheit auf dem Land verbracht hat, eine prägende Lebenserfahrung. Dass sein Unternehmensbild stark von familiären Zügen geprägt ist, ist für ihn eine logische Folge. In der Familie übernimmt man Verantwortung. In der heutigen Zeit mutet diese Unternehmensstruktur bzw. Umgangsform etwas patriarchal und antiquiert an. Für die Angestellten drückt sie jedenfalls Verlässlichkeit aus und auch ein Miteinander. Die Prämisse des Chefs hat einen starken emotionalen Kern und heißt "Respekt und Wertschätzung" – bei der konkreten Mitarbeiterführung genauso wie bei übergreifenden Themen wie Generationengerechtigkeit.

Nur wenige Unternehmen haben sich bislang mit dieser Notwendigkeit auseinandergesetzt oder gar erste Schritte unternommen. Vielleicht ist Budni ein nicht unbedingt übertragbares Modell, die Unternehmensphilosophie aber ist einen zweiten und auch dritten Blick wert. Der Umgang mit Konflikten zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und Arbeitnehmerbelangen ist zumindest kreativ und am Einzelnen orientiert. Und das ist heutzutage erstaunlich viel.

Mirko Zapp