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Bürger versus Burger: Wie die Brackenheimer gegen McDonald's kämpfen

Eine McDonald's-Filiale in Deutschlands größter Rotweingemeinde? Geht gar nicht, meinen die Brackenheimer. Die Schwaben-Gemeinde kämpft mit einer Bürgerinitiative gegen das goldene M.

Das Streitobjekt auf dem Marktplatz in Brackenheim: Die geplante Eröffnung einer McDonald's-Filiale in der baden-württembergischen Kleinstadt löste eine Protestwelle aus

Das Streitobjekt auf dem Marktplatz in Brackenheim: Die geplante Eröffnung einer McDonald's-Filiale in der baden-württembergischen Kleinstadt löste eine Protestwelle aus

Aufruhr in Brackenheim: Ausgerechnet in der größten Rotweingemeinde Deutschlands will sich die Fastfood-Kette McDonald's ansiedeln - das macht einige Bürger wütend. "Wir sehen das mit Argwohn", sagt Peter Koch. Der 53-Jährige engagiert sich in der kürzlich gegründeten Bürgerinitiative "Bürger gegen Burger". Sie will verhindern, dass bald ein goldenes M an der Ortseinfahrt von Brackenheim prangt.

Wie in dem Städtchen bei Heilbronn gibt es an vielen Orten in Baden-Württemberg Menschen, die ihrem Protest in Bürgerinitiativen und auf der Straße Luft machen. Bei den Demonstrationen rund um das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 blickte ganz Deutschland auf die Schwabenmetropole und ihre "Wutbürger", die gegen den geplanten Tiefbahnhof protestieren.

Zuletzt sorgte eine seit Wochen anhaltende Auseinandersetzung um das Thema sexuelle Vielfalt im Schulunterricht für erhitzte Gemüter. Die grün-rote Regierung in Stuttgart strebt an, dass Schüler im Unterricht künftig mehr als bisher über unterschiedliche Formen des Zusammenlebens informiert werden. Prompt brachten Gegner der Reform eine umstrittene Online-Petition in Gang. Was ganz brav begann, machte sich später auf der Straße Luft: Bei Demonstrationen kochten die Emotionen hoch, Menschen wurden verletzt, die Polizei griff ein.

"Das passt hier einfach nicht her"

Die Bürgerinitiative in Brackenheim befürchtet, dass wegen des Burger-Anbieters die Stadt mit Pommes-Tüten und Cola-Bechern zugemüllt werden könnte. Und dass die Jugendlichen im Ort künftig nur noch fettige Burger statt gesundes Gemüse essen. "Ich habe kein Problem damit, wenn sie ab und zu mal einen Burger essen", sagt Jörg Neumann. "Aber hier geht es um die tägliche Verführung."

"Das passt hier einfach nicht her", sagt Neumann. "Wir wollen dem Gemeinderat klipp und klar sagen, dass wir dagegen sind." Bereits 1600 der 15.000 Brackenheimer haben der Anti-McDonald's-Initiative bei einer Unterschriftenaktion ihre Stimme gegeben.

"Ich würde es begrüßen, wenn McDonald's nach Brackenheim kommen würde. Das wäre eine Bereicherung", sagt hingegen Bürgermeister Rolf Kieser, der den Protest der Bürger zu spüren bekommt. Die Fläche, auf die McDonald's will, gehört der Stadt. Die Entscheidung sorgt im Gemeinderat für Zündstoff.

"Wutbürger" auch im Schwarzwald

Mit "Wutbürgern" hat es auch Mario Weisbrich zu tun, Bürgermeister der Gemeinde Wimsheim am Nordrand des Schwarzwaldes. Seit mehr als einem Jahr gibt es dort Bürgerinitiativen, Proteste, Prozesse vor dem Verwaltungsgericht, die Forderung nach einem Bürgerentscheid. Zankapfel ist eine Goldscheideanstalt, die sich im 2700-Einwohner-Ort ansiedeln will. Dagegen geht die Bürgerinitiative Wimsheim auf die Barrikaden.

"Da werden höchst giftige Materialien verarbeitet. Wir wollen keinen Lärm, keinen Gestank und keine Gifte in der Luft", sagt Holger Lehmann, der Vorsitzende der Initiative. "Man redet darüber, dass da jede Menge Quecksilber runterkommt." Lehmann klagt über eine "Demokratur" in der Gemeinde, weil es bei der Entscheidungsfindung im Gemeinderat keine Bürgerbeteiligung gegeben habe. "Wir sind denen doch überhaupt nichts wert", sagt er. "Wie kann ein Verwaltungsakt radikal an den Stimmen und Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen?"

Die Empörung erreichte Anfang Februar ihren Höhepunkt bei einer Gemeinderatssitzung. Rund 200 Bürger wollten sich unbedingt Einlass im Rathaus verschaffen. Der Bürgermeister rief die Staatsgewalt gegen die aufgebrachten Mitbürger zu Hilfe: "Wir waren gezwungen, mit Unterstützung der Polizei für Ordnung zu sorgen."

awö/anb/Jonas Schöll, DPA / DPA