HOME

Munster in Niedersachsen: Tödlicher Bundeswehr-Marsch: Die Rekonstruktion der Umstände im stern

Bei einem Marsch im Juli starb ein Offiziersanwärter, weitere kollabierten. Der stern erfuhr: Die Soldaten mussten in unangemessener Kleidung einen Strafmarsch absolvieren. Der Wehrbeauftragte des Bundestages fordert weitere Aufklärung.

Übungseinsatz in Munster (Symbolbild): Ein Marsch im Juli endete tödlich.

Übungseinsatz in Munster (Symbolbild): Ein Marsch im Juli endete tödlich.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, fordert fünf Monate nach einem tödlich endenden Übungsmarsch von Offiziersanwärtern Aufklärung über die Gründe. Am 19. Juli 2017 waren im niedersächsischen Munster mehrere Soldaten während eines Marsches zusammengebrochen. "Ich will wissen: Ist da übermäßiger Druck ausgeübt worden? Das ist für mich längst nicht aufgeklärt", sagte Bartels dem stern und verwies auch auf Hinweise von Soldaten an ihn. "Mich haben Schilderungen erreicht, die an Schikane erinnern."

Nach dem Marsch waren Spekulationen aufgekommen, wonach die betroffenen Soldaten Aufputschmittel oder Diätpillen konsumiert hätten, die womöglich zu den lebensgefährlichen Hitzeschlägen bei vier Soldaten führten. Der Lüneburger Staatsanwaltschaft sind nach stern-Informationen seit Mitte Dezember die Details der chemisch-toxikologischen Untersuchungen von Blut- und Urinproben der betroffenen Soldaten bekannt. Danach finden sich laut Staatsanwaltschaft darin "keine Hinweise auf Substanzmissbrauch". Auch wurde das Blut von vier schwer betroffenen Soldaten auf den Stoff 2,4-Dinitrophenol getestet, der in nicht zugelassenen Diätpillen enthalten ist. Auch dieser Test verlief "eindeutig negativ".

Munster: Übungsmarsch in unangemessener Kleidung

In seiner Ausgabe vom Donnerstag rekonstruiert der stern im Detail die Umstände des Übungsmarsches auf Grundlage eines vorläufigen Untersuchungsberichtes der Bundeswehr. Demnach mussten die Soldaten in unangemessener Kleidung einen Strafmarsch absolvieren. Sie trugen bei sommerlichen Temperaturen 2,5 Kilogramm schwere Splitterschutzwesten unter ihren Feldjacken, was den Wärmeaustausch deutlich erschwerte. Zudem mussten einige von ihnen Liegestützen machen.

Nachdem der erste Soldat kollabiert und seine Körpertemperatur auf mehr als 40 Grad angestiegen war, empfahl ein Truppenarzt, die Splitterschutzwesten abzulegen. Stattdessen mussten die Offiziersanwärter auf Befehl der Ausbilder einen Gefechtshelm überziehen. In der Folge fielen weitere Soldaten aus. Dennoch brachen die Ausbilder den Marsch nicht ab. Noch kurz vor ihrer Ankunft in der Kaserne kollabierten zwei Soldaten mit Hitzschlägen. Insgesamt vier Offiziersanwärter mussten auf Intensivstation behandelt werden, einer von ihnen starb, ein weiterer befindet sich bis heute in Behandlung. Über die Details seines Zustands wollte sich die Bundeswehr gegenüber dem stern nicht äußern. Der Presseoffizier räumte dem Magazin gegenüber "nicht sachgerechte Entscheidungen" der Ausbilder ein. Ob diese "ursächlich für einen möglichen Hitzeschlag geworden sind, bleibt der Bewertung der zuständigen Staatsanwaltschaft vorbehalten", teilte der Sprecher mit.

Drei Offiziersanwärter quittierten danach den Dienst

In dem betroffenen Bataillon quittierten gleich drei Offiziersanwärter nur wenige Tage nach dem Marsch ihren Dienst. Der verstorbene Soldat wurde laut Bundeswehr mit militärischen Ehren in Nordrhein-Westfalen beigesetzt.

Die Staatsanwaltschaft in Lüneburg prüft nach wie vor, ob sie Anklage wegen fahrlässiger Tötung oder fahrlässiger Körperverletzung erhebt. Ein Sprecher sagte dem stern, dass ein umfangreiches rechtsmedizinisches Gutachten für Anfang 2018 erwartet wird. 

Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen stern.

 

Dominik Stawski
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?