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Cameron entschuldigt sich: Premier nimmt Äußerung "schnurrende Queen" zurück

I'm so sorry! Der britische Premier hatte nach dem Schotten-Referendum gesagt, die Queen habe gar nicht mehr aufgehört, zu "schnurren" - mit seinem Patzer ist er aber in bester Gesellschaft.

Queen Elizabeth und David Cameron: Wird Ihre Majestät die Entschuldigung annehmen?

Queen Elizabeth und David Cameron: Wird Ihre Majestät die Entschuldigung annehmen?

Nach seiner despektierlichen Äußerung über die vor Zufriedenheit "schnurrende" Queen will sich der #link;www.stern.de/thema/david-cameron;britische Premierminister David Cameron# bei der Monarchin entschuldigen. "Mir ist das sehr peinlich. Es tut mir außerordentlich leid", sagte Cameron. Bei einem Small-Talk mit dem Unternehmer Michael Bloomberg #link;queen cameron site:stern.de;hatte Cameron am Dienstag ausgeplaudert#, Elizabeth II. habe vor Freude über das "No" der Schotten beim Unabhängigkeitsreferendum "gar nicht mehr aufgehört zu schnurren". Ihm war offenbar nicht klar, dass die Mikrofone um ihn herum eingeschaltet waren.

Cameron ist "sehr betreten"

Er sei "sehr betreten", und was geschehen sei, bedaure er "außerordentlich", sagte Cameron laut Medienberichten vom Donnerstag vor Journalisten in New York. Bei seiner abgehörten Unterhaltung mit Bloomberg habe es sich um ein "eindeutig privates Gespräch" gehandelt, das er aber "nicht hätte haben sollen". "Mein Büro hatte schon Kontakt mit dem Palast, um das klarzustellen. Und ich werde das auch tun", sagte Cameron. Dem Premier ist es eigentlich nicht erlaubt, Interna aus Gesprächen mit der Queen auszuplaudern.

Die Schotten hatten bei der Volksabstimmung am vergangenen Donnerstag für den Verbleib im Vereinigten Königreich gestimmt. Vor dem Referendum hatte Elizabeth II. als Staatsoberhaupt öffentlich nicht Stellung bezogen. Es wird nun erwartet, dass sich Cameron beim nächsten seiner wöchentlichen Treffen mit der Queen persönlich bei ihr entschuldigt. Die Königin empfing indes am Mittwoch den früheren schottischen Regierungschef Alex Salmond zu einer Audienz auf ihrem Anwesen im schottischen Balmoral. Salmond war nach der Niederlage bei dem von ihm initiierten Referendum zurückgetreten.

Nach der Entschuldigung kann sich Cameron dann aber auch wieder entspannen, schließlich ist er in bester Gesellschaft: Vor ihm sind schon viele andere Mächtige in eine Mikrofon-Falle getappt - zuweilen ging es dabei um noch brisantere Dinge.

Diese Politiker tappten in die Mikrofon-Falle

  • Im Jahr 2000 flüsterte der damalige Gouverneur und spätere US-Präsident George W. Bush auf einer Wahlkampfveranstaltung seinem Mitstreiter Dick Cheney zu: "Da ist Adam Clymer, das Riesenarschloch von der 'New York Times'." Die Mikrofone waren an - und übertrugen die Rüpelei klar und deutlich.
  • Sechs Jahre später ließ sich Bush am Rande des G-8-Gipfels in St. Petersburg dabei belauschen, wie er den Konflikt zwischen Israel und dem Libanon als "Scheiß" bezeichnete, der bald beendet werden müsse.
  • Auch sein Nachfolger Barack Obama hatte sein "Mikrofon-Gate". Am Rande eines Atomgipfels in Südkorea beugte er sich 2012 zum damaligen russischen Staatschef Dmitri Medwedew, es ging um den hochstrittigen Raketenabwehrschirm der Nato. "Nach meiner Wahl habe ich mehr Flexibilität", sagte Obama und deutete damit mit Blick auf seine zweite Amtszeit Bereitschaft an, Moskau entgegenzukommen. Medwedew solle Regierungschef Wladimir Putin die Botschaft überbringen, er müsse ihm bis zur Wahl "Raum" geben. Als der US-Sender CBS ein Video veröffentlichte, brachte das in Washington die Republikaner zum Toben, sie stellten Obama als unaufrichtig an den Pranger.
  • 2009 bezeichnete Obama den US-Rapper Kanye West nach dessen flegelhaftem Auftritt bei der Verleihung der MTV Video Music Awards als "Vollidioten". Das Wort fiel in einem Vorgespräch zu einem Fernsehinterview. Der Sender ABC entschuldigte sich später, die vertrauliche Äußerung verbreitet zu haben.
  • Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte mitten in den Turbulenzen der Euro-Schuldenkrise seine Mikro-Panne. Als 2012 mal wieder ein neues Rettungspaket für Griechenland geschnürt wurde, wurde auch über eine Nachbesserung der Portugal-Hilfe beraten. "Wir wären dazu bereit", sagte Schäuble im vertraulichen Gespräch seinem portugiesischen Kollegen Vito Gaspar. Portugiesische Medien veröffentlichen einen Mitschnitt. Die Äußerungen sorgten kurz für Wirbel, doch kam Lissabon schließlich ohne mehr Unterstützung aus.
  • Der damalige Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hatte sich ein Jahr zuvor selbstverschuldet in die YouTube-Falle manövriert. Auf einer Abendveranstaltung in Brüssel sagte er: "Wenn es ernst wird, muss man lügen." Als auch davon ein Video auftauchte, erlitt seine Vertrauenswürdigkeit einen schweren Kratzer. Doch waren die Gemüter nur vorübergehend erhitzt. Juncker wird in Kürze EU-Kommissionschef.
  • Folgenschwerer war eine Mikrofon-Panne von Cameron-Vorgänger Gordon Brown. Im April 2010, knapp eine Woche vor der Parlamentswahl, beschimpfte er eine Rentnerin und treue Labour-Wählerin nach einem Wahlkampftermin vor Mitarbeitern als "scheinheilig" und "verbohrt". Auch damals war es ein Sky-Mikrofon, das die vertraulichen Worte auffing. Die Veröffentlichung trug dazu bei, dass Brown die Wahl verlor und Cameron Premierminister wurde.
  • Für den legendärsten Zwischenfall sorgte aber der frühere US-Präsident Ronald Reagan. Bei einem Mikrofontest vor einer seiner regelmäßigen Radioansprachen ließ er sich 1984 zu einem bizarren Scherz hinreißen. Die USA hätten die Sowjets gerade für "vogelfrei" erklärt, sprach er laut und deutlich. "Wir beginnen in fünf Minuten mit der Bombardierung." Die Probe-Ansage wurde zum Glück nicht live gesendet, sickerte aber später an die Öffentlichkeit durch.
mia/DPA/AFP / DPA