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Charlotte Knobloch: Ein Münchner Kindl wird 80

Jüdisches Leben in Deutschland - für Charlotte Knobloch ist das eine Herzensangelegenheit. Ihr Traum: Eine Welt ohne Vorurteile. Nun wird die frühere Zentralratspräsidentin 80 Jahre alt.

Eigentlich wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn Charlotte Knobloch ihrer Heimatstadt München den Rücken gekehrt hätte. Und in die USA, nach Israel oder irgendwo anders hin gegangen wäre. Bloß weg aus Deutschland, wie so viele andere Juden ihrer Generation, die in der Ferne die Schrecken des Holocaust hinter sich lassen wollten. Doch Knobloch, die am Montag 80 Jahre alt wird, ist geblieben.

Und sie hat eine tiefe Liebe zu der Stadt entwickelt, auch wenn politische Debatten etwa über ein Verbot der Beschneidung und antisemitische Anfeindungen ihr mitunter das Herz schwer machen. "Ich bin ein Münchner Kindl - durch Geburt, daran kann ich nichts ändern", sagt die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. "Und das ist auch das, was ich fühle."

So harmonisch war das Verhältnis zu ihrer Heimat nicht immer. Als das Mädchen vier Jahre alt ist, verlässt die Mutter die Familie. Sie ist keine Jüdin. Unter dem Druck der Nationalsozialisten reicht sie die Scheidung ein. Fortan ist die geliebte Großmutter für Charlotte da, eine gläubige, elegante und liebevolle Frau. Am 9. November 1938 erlebt die nunmehr Sechsjährige die Pogrome hautnah mit.

Engagierte und umstrittene Präsidentin

"Es war, als wollte man den Juden die Liebe zu ihrer deutschen Heimat mit allen Mitteln systematisch austreiben", schreibt Knobloch in ihren jüngst erschienenen Erinnerungen "In Deutschland angekommen". Sie überlebte den Nazi-Terror im mittelfränkischen Arberg bei einer Bauernfamilie, deren Tochter sie als ihr uneheliches Kind ausgab. Nach dem Krieg zog sie mit ihrem Vater zurück nach München. Die Großmutter war 1944 in Auschwitz ermordet worden.

Statt auszuwandern, begann die Familie, den Juden wieder einen Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Knoblochs Vater wurde Präsident der Münchner Kultusgemeinde, ein Amt, in dem sie ihm 1984 nachfolgte. Sie ist auch Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses und stand vier Jahre lang dem Zentralrat der Juden in Deutschland vor. Eine engagierte, aber auch umstrittene Präsidentin, die sich wegen ihrer Erfahrungen mit dem Nazi-Terror immer wieder kämpferisch in Debatten einmischte. Nicht immer zur Freude in den eigenen Reihen. Als der Ruf nach einem Generationenwechsel immer lauter wurde, übergab sie 2010 ihr Zentralrats-Amt an ihren Vize Dieter Graumann.

Zurückhaltend ist Knobloch immer noch nicht. Dazu berühren sie die Diskussionen rund um jüdisches Leben in Deutschland zu sehr. Deshalb empfand sie Angriffe wie auf einen Rabbiner vor rund zwei Monaten in Berlin und vor allem die Debatte um ein Verbot der Beschneidung als besonders schlimm. "Wollt ihr uns Juden noch?", fragte sie Ende September resigniert in einem Gastbeitrag in der "Süddeutschen Zeitung". Wer die Beschneidung als eines der religiösen Fundamente in den Dreck ziehe, stelle die gesamte jüdische Existenz in Deutschland infrage, argumentierte sie. Noch immer ist sie fassungslos darüber, "dass man uns vorgeworfen hat, wir quälen unsere Kinder, wir ermorden sie".

Liebe zu ihrer Heimat

Da war es wieder - das Schreckgespenst des Antisemitismus. Sonst nur unterschwellig, nun im Zuge der Diskussion aus Knoblochs Sicht offen zutage getreten, in Internet-Kommentaren, Telefonanrufen und Briefen. "Es schmerzt ungemein, ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass so etwas passiert", sagt sie. Und hofft, dass der Bundestag den Kabinettsentwurf ohne großes Aufsehen bestätigt, der die Beschneidung nach den Regeln ärztlicher Kunst weiter erlaubt.

Auswandern wird Knobloch, deren drei Kinder in Paris, Israel und Frankfurt leben, wohl trotzdem nicht - nicht zuletzt, weil sie ihre Heimat so mag. "Ich liebe den grantigen Münchner, der ist mir irgendwie sympathisch", sagt sie lachend. Zudem ist sie stolz auf das, was hier an jüdischem Leben gewachsen ist, vor allem auf die Synagoge und das Gemeindezentrum im Herzen Münchens. "Diese Gebäude sind für mich das, was ich mir immer gewünscht habe - nicht nur, dass sie stehen, sondern auch dass sie mit Leben gefüllt sind."

Cordula Dieckmann, DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.