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Ausschreitungen in Sachsen: Ein Chemnitzer berichtet: So wurde die Hetze per Whatsapp verbreitet

"Das waren 'ganz normale Leute'": Ein Mann aus Chemnitz hat dem Internetportal "Watson" geschildert, wie nach der tödlichen Messerattacke auf einem Stadtfest in einer Whatsapp-Gruppe gehetzt wurde.

Die Innenstadt von Chemnitz am Karl-Marx-Monument am vergangenen Montag

Hetze statt Trauer: Die Innenstadt von Chemnitz am Karl-Marx-Monument am vergangenen Montag

DPA

An den Protesten am Sonntag und Montag in Chemnitz, bei denen es zu Ausschreitungen kam und Rechtsextremisten ihren Fremdenhass offen zur Schau trugen, beteiligten sich mehrere tausend Menschen. Mobilisiert wurden die Demonstranten vor allem über das Internet. Aber auch per Whatsapp wurde zu den Kundgebungen aufgerufen. Wie das abgelaufen sein soll, schilderte ein Mann aus Chemnitz der Nachrichtenseite "Watson".

Aufruf von "Kaotic Chemnitz" per Whatsapp verbreitet

"Am Sonntag ging das direkt los", zitiert "Watson" Martin S. der Mitte 30 sei und dessen Namen man geändert habe, um ihn vor Rechtsextremen zu schützen. Der Aufruf von "Kaotic ", einer Hooligan-Vereinigung die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, sei von diversen Leuten als Screenshot geteilt und als Whatsapp-Status gepostet worden. Die Aufrufe hätten schnell die Runde gemacht, berichtet Martin S. "Die Leute, die das geteilt haben, waren in Anführungszeichen ganz normale Leute. Von der Arzthelferin, bis zum Müllmann."

Er habe in der Whatsapp-Gruppe seiner ehemaligen Arbeitsstelle mehrere Nachrichten zu dem Vorfall bekommen, erzählte S. weiter. Dort würden ansonsten "die typischen 'Männervideos' und lustige Bilder für den 'Daily Fun' gepostet". Am Sonntag seien da aber auch schnell das Bild von "Kaotic Chemnitz" und anschließend eine Sprachnachricht von einer Person mit angeblichen Details über die Tat verbreitet worden. "Dadurch wurde das alles weiter aufgeheizt und angestachelt."

Auch geleakter Haftbefehl landet in Whatsapp-Gruppe

Nach den am Sonntag seien in Sprachnachrichten Falschmeldungen verbreitet worden, zum Beispiel, dass dem Messerangriff auf dem Chemnitzer Stadtfest, der die Proteste ausgelöst hatte, die Belästigung einer Frau vorangegangen sei oder dass es ein zweites Todesopfer gegeben habe, schreibt "Watson". Und auch im Anschluss an die zweite Demonstration am Montagabend sei per Whatsapp Stimmung gemacht worden. "Nach der Demo wurde dann ein Bild von Migranten mit einer Antifa-Fahne verbreitet und sich darüber echauffiert", zitiert das Portal Martin S.

Am Dienstagabend wurde dem Bericht zufolge dann auch der unerlaubt in den sozialen Netzwerken veröffentlichte Haftbefehl gegen einen der mutmaßlichen Messerstecher an die Whatsapp-Gruppe weitergeleitet. Während aber bei den meisten Versionen im Internet zumindest die Adresse des Tatverdächtigen unkenntlich gemacht wurde, sei das Bild in der Whatsapp-Gruppe vollkommen ungeschwärzt gewesen.

mad/feh