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Clarence Ray Allen: Hinrichtung am 76. Geburtstag

Er saß im Rollstuhl, war fast blind und taub und mit 76 Jahren der zweitälteste Todeskandidat in den USA. Nun, einen Tag nach seinem Geburtstag wurde Clarence Ray Allen hingerichtet - 30 Jahre nach Wiedereinführung der Todesstrafe.

Genau 30 Jahre nach Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA ist in der Nacht zum Dienstag der 76-jährige Clarence Ray Allen hingerichtet worden. Er war der älteste Todeskandidat Kaliforniens, und der zweitälteste in den USA, an dem die Höchststrafe vollstreckt wurde. Allen hatte am Tag zuvor Geburtstag, saß im Rollstuhl und war beinahe taub und blind.

Vier Monate vor seiner Hinrichtung wäre er beinahe an einem Herzinfarkt gestorben, wurde aber wiederbelebt. Allens Gnadengesuch wurde von Gouverneur Arnold Schwarzenegger abgelehnt, auch ein letzter Einspruch seiner Anwälte vor dem Obersten Gerichtshof scheiterte.

Allen schon 1983 zum Tode verurteilt

Der 76-Jährige wurde bereits vor 23 Jahren zum Tode verurteilt. Er soll aus dem Gefängnis heraus die Ermordung von sieben Menschen angeordnet haben, deren Zeugenaussagen in einem anderen Mordfall ihn hinter Gitter gebracht hatten. Einer der Zeugen wurde tatsächlich getötet und mit ihm zusammen zwei unbeteiligte Passanten. Allen saß zu dieser Zeit im Gefängnis, weil er die 17-jährige Freundin seines eigenen Sohnes umgebracht hatte - in der Befürchtung, sie könnte ihn wegen eines Einbruchs anzeigen.

Allens Hinrichtung löste weit weniger Proteste aus als die von "Tookie" Williams, der Mitte Dezember hingerichtet wurde. Aber immerhin versammelten sich 200 Demonstranten vor dem Gefängnis San Quentin. Die Anwälte des 76-Jährigen hatten in ihrem Einspruch an das Oberste Gerichtshof argumentiert, angesichts des schlechten Gesundheitszustands ihres Mandanten sei die Todesstrafe grausam und unangemessen. Sie warfen den Gefängnisbediensteten vor, Allens Gesundheitsprobleme absichtlich vernachlässigt zu haben.

Eigentlich verbietet ein Verfassungsgrundsatz von 1972 "grausame und ungewöhnliche" Bestrafungen, woraufhin 1968 die Todesstrafe in den USA nicht mehr angewendet wurde. Doch schon wenige Jahre später, am 17. Januar 1976 ließ der Supreme Court, das oberste US-Gericht, die Todesstrafe wieder zu.

Mehr als 1000 Frauen und Männer in den USA hingerichtet worden, vor allem in Staaten im Süden des Landes, mehr als 3500 Verurteilte sitzen in 38 Staaten in den Todeszellen und warten auf ihre Exekution - sei es durch die Spritze, den Galgen, den elektrischen Stuhl oder durch Vergasung. Auch Jugendliche über 18 Jahren dürfen hingerichtet werden.

Obwohl die Mehrheit der Amerikaner für die Todesstrafe ist, gibt es in den USA viele Gegner. Sie kritisieren vor allem ein Rechtsverständnis, dass Rache mit Gerechtigkeit gleichsetzt, sowie die willkürliche Anwendung. Afro-Amerikaner etwa stellen zwar nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung, gehören aber mit rund 40 Prozent zur größten Gruppe der zum Tode Verurteilten.

nk mit Material von AP