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Kapitän legt Pause ein Seenotretter Claus-Peter Reisch bricht mit Organisation "Mission Lifeline": "Zu linksradikal"

Claus-Peter Reisch
Claus-Peter Reisch ist seit 2017 als Kapitän von Seenotrettungsschiffen auf dem Mittelmeer aktiv
© Johannes Filous / DPA
Seine Seenotrettungsmissionen mit Schiffen der Organisation "Mission Lifeline" brachten Claus-Peter Reisch sogar vor Gericht. Jetzt hat sich der Kapitän von der NGO distanziert – wegen ihrer "politischen Agitation".

Schiffskapitän Claus-Peter Reisch ist mit seinen Seenotrettungsmissionen für die Hilfsorganisation Mission Lifeline bekannt geworden. In Zukunft jedoch will Reisch nicht mehr für Lifeline aufs Mittelmeer fahren, um dort Flüchtlinge zu retten. In einem Interview mit "Zeit Online" sprach der 58-Jährige über seinen Bruch mit der Organisation. Vieles sei ihm "zu linksradikal", so Reisch.

"Vor allem gefällt mir deren politische Agitation nicht", sagte Reisch in dem Gespräch. "Ich kann mich nicht mit Aussagen gemeinmachen, wie etwa, dass der österreichische Kanzler Sebastian Kurz ein Baby-Hitler sei. Da bin ich nicht dabei. Und auch gewisse politische Aussagen, die da gemacht werden, sind nicht mein Ding." Seenotrettung habe zwar eine "politische Komponente" – "aber wenn wir schon Politik machen müssen, dann sollten wir doch einen anderen Ton anschlagen".

Claus-Peter Reisch distanziert sich von "Baby Hitler"-Tweet

Mission Lifeline hatte auf Twitter Kurz als "Baby-Hitler" bezeichnet, nachdem dieser ihn einem Interview mit der "Bild"-Zeitung behauptet hatte, durch private Seenotrettung würden noch mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken. Reisch hatte sich von dem Tweet distanziert. Laut Mission Lifeline ist es bereits im Oktober zur Trennung gekommen. "Wir danken Claus-Peter ausdrücklich für seinen aufopferungsvollen Einsatz für Menschen auf der Flucht und die gute Zusammenarbeit", teilte die Organisation mit. Reisch war seit 2017 für private Seenotrettungsmissionen, wie "Sea Eye" und "Mission Lifeline", im Mittelmeer unterwegs.

Im Zusammenhang mit seinem Engagement muss der Kapitän sich im Ausland vor Gericht verantworten. Im Juni 2018 hatte Reisch das Rettungsschiff "Lifeline" mit mehr als 230 Migranten in maltesische Gewässer gesteuert. Da das Schiff nicht richtig registriert gewesen sei, wurde er zunächst zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt, Anfang des Jahres im Berufungsverfahren aber freigesprochen.

Aktuell legt Reisch eine Pause ein und sammelt Geld für ein weiteres Verfahren, das gegen ihn in Italien läuft. Dort wurde er zu einer Geldstrafe von 300.000 Euro verurteilt, hat aber auch gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Mit der Seenotrettung habe er aber keineswegs abgeschlossen, sagte Reisch "Zeit online": "Ich würde auf jeden Fall wieder eine Seenotrettungsmission fahren, aber momentan möchte ich diese juristischen Baustellen erst mal abschließen und lasse lieber anderen den Vortritt."

Quellen:"Zeit online" / Claus-Peter Reisch auf Twitter / "Mission Lifeline" auf Twitter

epp

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