VG-Wort Pixel

Anwältin postet Schreiben auf Twitter US-Schulen verlangen "Haftungsausschluss", falls Kinder an Covid-19 erkranken oder sterben

Zwei Kinder spielen Basketball
Die Schulen erklärten in einer Stellungnahme, die Verzichterklärung würde nur für sportliche Aktivitäten gelten (Symbolfoto)
© Getty Images
Einige Schulen im US-Bundesstaat Missouri fordern eine "Haftungsverzichtserklärung“. Eltern erklären mit ihrer Unterschrift, dass sie – für den Fall das ihr Kind an Covid-19 erkrankt oder stirbt – nicht die Lehranstalt zur Rechenschaft ziehen. Die Verantwortlichen verteidigen ihr Vorgehen.

Schulen im US-Bundesstaat Missouri haben mit einer "Haftungsverzichtserklärung" für Aufregung in den Sozialen Netzwerken gesorgt. Eltern erklären mit ihrer Unterschrift, dass sie – für den Fall das ihr Kind an Covid-19 erkrankt oder stirbt – nicht die Einrichtung oder die Lehrkräfte verantwortlich machen. Eine Anwältin aus Kansas City postete das Dokument auf Twitter. 

"Ein öffentlicher Schulbezirk in Missouri schickte diese 'Haftungsverzichtserklärung' für Eltern, wenn ihr Kind infolge des Schulbesuchs erkrankt/stirbt. Was denken Sie?", schrieb Natasha Scruggs dazu und erhielt Tausende Kommentare.  

Einer davon lautete: "Ich würde lieber aus einem Mülleimer essen und unter einer Brücke leben, als eine 'Todesverzichtserklärung' zu unterschreiben und meine drei Kinder wissentlich diesem Risiko auszusetzen". Eine Frau schreibt dazu: "Wenn man ein Papier unterschreiben muss, in dem steht, dass es im Grunde genommen deine Schuld ist, wenn man Corona bekommt (…) dann scheint das sehr falsch zu sein."

Schulbezirk veröffentlicht Stellungnahme

In dem Schreiben vom Hazelwood School District erklären die Eltern, dass Sie sie von der Pandemie Kenntnis haben und ihrem Kind nicht gestatten an Aktivitäten teilzunehmen, wenn dieses Symptome von Covid-19 zeigt oder es mit Personen in Kontakt war, bei denen Covid-19 entweder bereits diagnostiziert wurde oder die gegenwärtig auf ein Testergebnisse warten. In einem solchen Fall stimmen die Eltern zu, dass das Kind entweder 14 Tage lang den Aktivitäten fern bleibt oder ein ärztliches Attest vorlegt, das eine Erkrankung mit dem Virus widerlegt. 

Am Ende des Schreibens erklärt sich der Unterzeichner damit einverstanden, den Schulbezirk Hazelwood einschließlich aller Angestellten von sämtlichen Ansprüchen freizusprechen, sollte es im Rahmen dieser Schulaktivitäten zu einer Erkrankung oder gar zum Tod in Verbindung mit dem Coronavirus kommen – auch wenn dies auf "Fahrlässigkeit oder Unachtsamkeit" zurückzuführen sei.

Der Schulbezirk reagierte inzwischen auf den Tweet und erklärte, dass es sich bei der Verzichtserklärung nicht um die Anwesenheit im Unterricht handelt, sondern nur um damit zusammenhängende Sportveranstaltungen und Aktivitäten, damit Eltern, die möchten, dass ihr Kind daran teilnimmt, fundierte Entscheidungen treffen können. Es werde von Schülern nicht verlangt, dass sie am Sport-Programm teilnehmen.

Mehr als 3,4 Millionen Infizierte in den USA

Man habe "beispiellose Sicherheitsvorkehrungen getroffen", heißt es in einer offiziellen Erklärung. Es sei jedoch wichtig, dass die Eltern verstehen, dass Schulen das Risiko von Covid-19 nur mindern können. "Kein Distrikt, keine Organisation oder kein Unternehmen kann einen 100%igen Schutz vor der Gefährdung durch eine globale Pandemie bieten". 

Noch sind die Schulen in den USA geschlossen. Trotz rapide steigender Fallzahlen drängt Präsident Trump auf eine Öffnung nach den Sommerferien. Die Lehranstalten arbeiten daher an geeigneten Plänen zur Wiedereröffnung. Während in einigen die Anwesenheit der Schüler geplant ist, werden andere nur Online-Unterricht oder eine Mischung aus Klassenzimmer- und Fernunterricht anbieten.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA erreichte vergangene Woche einen neuen Höchststand. Binnen 24 Stunden wurden am Freitag nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität rund 63.200 neue Fälle gemeldet. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich demnach bislang mehr als 3,4 Millionen Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Rund 136.000 Menschen starben an oder mit dem Virus.

Quellen:Twitter, Hazelwoodschools.org, Johns-Hopkins-Universität, Reuters, DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker