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"Kein Filter für Rechts" Correctiv-Recherche: So will die rechte Szene junge Leute auf Instagram rekrutieren

Das Icon von Instagram auf einem Apple iPhone 6.
Nach monatelanger Recherche kommt das Correctiv Recherchezentrum zu dem Schluss: Instagram scheint noch kein wirkungsvolles Mittel gegen rechten Hass gefunden zu haben
© Rolf Vennenbernd / DPA
In einer monatelangen Recherche untersuchte Correctiv die rechtsextreme Szene auf Instagram. Mit Influencerinnen rekrutiert die Szene junge Menschen – möglich gemacht durch nicht ausreichende Filter auf der Plattform.

Dass nicht alle Menschen der gleichen politischen Meinung sind, ist gut und wichtig für eine Demokratie. Sobald sich eine Überzeugung aber zu einer antidemokratischen Ideologie entwickelt, wird es gefährlich. Wie diese antidemokratischen Strukturen außerhalb der öffentlichen Sichtbarkeit an Boden gewinnen, analysierte das Recherchezentrum Correctiv in der Reihe "Kein Filter für Rechts".

Über mehrere Monate hinweg beobachtete ein mehrköpfiges Team aus Journalisten und Wissenschaftlern die Wirkweise und Rekrutierungsmethoden von Rechtsextremen auf Instagram – und kam zu dem Schluss: Die Social-Media-Plattform hat bisher kein effektives Mittel gegen verdeckten rechtsextremen Content gefunden.

Influencerinnen auf Instagram als Einstieg

Eine rechtsextreme, vom Verfassungsschutz beobachtete Organisation ist die Identitäre Bewegung. Wie das Correctiv-Recherchezentrum den Verfassungsschutz zitiert, ist diese eine "gesichert rechtsextremistische Bewegung", die einen völkischen Staatsvolk-Begriff vertrete, der dem Grundgesetz wiederspreche. Auch die Jugendorganisation der AfD, die Junge Alternative, ist seit Anfang letzten Jahres ein Verdachtsfall einer extremistischen Organisation und steht seitdem unter Beobachtung. Was die beiden Gruppen laut Correcitv auf Instagram vereint, ist ein gemeinsames Netzwerk von Influencerinnen und geteilte Hashtags – die gekonnt Filter gegen rechten Inhalt umgehen.

Um junge Menschen in die Filterblase zu ziehen, nutze die rechte Szene auf Instagram gezielt junge Frauen. "Sie bilden die Brücke von der vorgeblich unpolitischen Ästhetik auf Instagram in ein rechtes Weltbild und letztlich in rechtsextreme Kreise", schreibt Correctiv dazu. Dabei handele es sich meist nicht um offene Aktivisten der Szene, stattdessen würden die Influencerinnen unterschwellig Schlüsselwörter einbauen. So fand Correctiv etwa den Post einer jungen Frau, auf dem sie lächelnd mit einem Ahornblatt vor dem rechten Auge posiert und dazu schreibt: "Ein Herbstblatt ist besser als Burka."

Workshops für Influencerinnen organisiert von der Identitären Bewegung

Vadim Derksen, Beisitzer im Bundesvorstand der Jungen Alternative, bestätigte das aufgedeckte Vorgehen gegenüber Correctiv: Es sei geläufig, "dass man nicht in erster Linie ein Produkt vorne hat, sondern Menschen. Und der Mensch bringt dann die Botschaft. Das ist das Einmaleins von Instagram. Genauso arbeiten wir auch, dass der Mensch im Fokus ist."

Insiderin Lisa H., die selbst als Influencerin für die rechte Szene im Einsatz war, erzählt von passenden Workshops, organisiert von der Identitären Bewegung: Wie sollen rechte Frauen sich anziehen, wie machen Influencerinnen gute Fotos? Auffällig sei das sehr traditionelle Frauenbild in der Szene. So beschreibt eine junge Influencerin in einem Instagram-Post die "wesentlichen Qualitäten" einer Frau als "Empfänglichkeit", "Bewahren" und "Hingabe".

Weitere Möglichkeit, neue Leute für die Ideologie zu gewinnen, ist Correctiv zufolge die Verwendung unauffälliger Hashtags. Etwa "#heimatverliebt" oder "#patriotisch", die nicht grundsätzlich problematisch sind und daher auch Außenstehende erreichen. Der Algorithmus führe dann dazu, dass die Nutzer immer mehr ähnliche Inhalte angezeigt bekommen.

Statt offenem Hass wird auf Telegram verwiesen

Rechtsextreme Symbole wie das Hakenkreuz filtert Instagram heraus. Um die Löschung durch die Plattform zu umgehen, verpixeln oder verändern die Anhänger der rechten Szene verbotene und problematische Inhalte auf Bildern – um stattdessen dann auf Telegram zu verweisen, wo sie nicht zensiert würden. Ein rassistischer Schriftzug zum Beispiel, der weiße Menschen als Herrenrasse ausweist, ist dann auf Instagram unkenntlich gemacht, auf Telegram aber sichtbar.

"Es ist Hass, der sich gut zu tarnen weiß", beschreibt es Correctiv. Zwar kündigte Instagram an, einzelne Hashtags zu untersuchen und zeigte sich an dem Problem interessiert – aber ein probates Mittel scheint laut Correctiv gegen die verdeckten Strukturen noch nicht gefunden worden zu sein.

Quelle:  Correctiv

meh

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