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Qualm-Querelen: Nichtraucher greift Nachbarn an – 9000 Euro Strafe

Mit seinem neuen Nachbarn zog der Unfrieden ein, denn der ist Raucher. Und das stinkt Jens L. gewaltig. Er rächt sich mit Pfefferspray und Wasserattacken. Dafür wurde er nun zu 9000 Euro Strafe verurteilt.

Ein durch eine spanische Wand geteilter Balkon

In einem Sendebeitrag des MDR ist der Balkon der Nachbarn im obersten Stockwerk zu sehen: Raucher und Nichtraucher trennt nur eine spanische Wand

Seit knapp 20 Jahren lebt der 53-jährige IT-Manager Jens L. in seiner Wohnung im obersten Stockwerk eines Hauses im 20.000-Einwohner-Örtchen Crimmitschau. Den ins Dach eingelassenen Balkon teilt er sich mit seinem Nachbarn, eine spanische Wand dient als Sichtschutz. Aber mehr auch nicht: Geräusche und Gerüche kann sie nicht abhalten. Und damit begann das Problem, das Jens L. bekam, als vor einem Jahr sein neuer Nachbar einzog. Denn Christian S., 30 und Informatiker, ist Raucher und das nervt L. Es begann ein Nachbarschaftsstreit, der sich zu einem Kleinkrieg entwickelte – bis er vorm Amtsgericht landete und am Montag in Zwickau entschieden wurde.

Nach einem Bericht des MDR hat sich der Grad der Emotionen immer weiter gesteigert. Jens L. begann mit Beschimpfungen seines Nachbar und setzte irgendwann Wasser ein. Tasse um Tasse schüttete er nach nebenan über seinen Nachbarn, die Mengen wurden größer. Als es Christian S. Ende Juli reichte, klingelte er bei seinem Nachbarn. Der öffnete zwar, antwortete jedoch mit einer Portion Reizgas mitten ins Gesicht des Mannes. Tränende Augen und starke Schmerzen waren die Folge, S. erstellte Strafanzeige.

Tätliche Beleidigung und gefährliche Körperverletzung

Im Beitrag des MDR erklärt Gerichtssprecher Stephan Zantke, wie der Fall sich in den Augen der Justiz darstellt: "Bei dem Ausschütten von Wasser über eine Person, die berechtigterweise raucht, handelt es sich um eine tätliche Beleidigung. Die kann immerhin mit einer Freiheitsstrafe bestraft werden oder mit Geldstrafe. Bei der Reizgasattacke wiederum handelt es sich um eine sogenannte gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hat hier einen minderschweren Fall angenommen, aber dieser ist immer noch mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten zu bestrafen."

Der Bundesgerichtshof hatte Anfang 2015 entschieden, dass ein Mieter grundsätzlich auf seinem Balkon rauchen darf, wenn die Nachbarn nicht erheblich beeinträchtigt werden. Liegt eine wesentliche Beeiträchtigung vor, wie sie sich bei der Konstruktion des Balkons in Crimmitschau leicht vorstellen lässt, können die Nachbarn etwa feste Rauchzeiten vereinbaren. 

Doch dazu müssen sie erstmal miteinander reden.

bal