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Dänischer Volkswille: Gleichberechtigung in der Thronfolge

Es hat Zeiten in Europa gegeben, da war es undenkbar, dass das Volk über die Thronfolge entscheien könnte. Diese Zeiten sind vorbei. In Dänemark, einst eine der mächtigsten Monarchien des Kontinents, sind Prinzessinnen und Prinzen künftig in ihrem Anspruch auf den Thron gleichgestellt - weil das Volk es so will.

Dänemarks Bevölkerung hat am Sonntag grünes Licht für die Gleichstellung von Prinzessinnen bei der Thronfolge gegeben. Nach einer Prognose des TV-Senders DR brachte die Volksabstimmung parallel zur Europawahl eine haushohe Mehrheit von 78,2 Prozent für die von der Regierung vorgeschlagene Neuregelung. Mit ihr soll die bisherige Vorrangstellung von männlichen Sprösslingen der Königsfamilie abgeschafft werden.

11,6 Prozent stimmten mit Nein. Ungewöhnlich hoch fiel mit 10,2 Prozent die Zahl ungültiger Stimmen aus. Sie galten in Kopenhagen als Ausdruck von Protest gegen die Monarchie generell. Trotz der klaren Verhältnisse zwischen Ja- und Nein- Stimmen galt das Ergebnis bis zuletzt als unsicher, weil für Verfassungsänderungen in Dänemark neben der Stimmmehrheit auch ein Quorum von 40 Prozent aller vier Millionen stimmberechtigten Bürger erforderlich ist. Dieser Prozentsatz wurde nach der TV-Prognose bei einer Wahlbeteiligung von knapp 55 Prozent aber sicher überschritten.

Praktische Auswirkungen kann die Gleichstellung von Frauen bei der Thronfolge frühestens für die Generation noch ungeborener Urenkel von Königin Margrethe II. (69) haben. Der derzeitige Thronfolger Kronprinz Frederik (41) hat mit Prinz Joachim (40) nur einen Bruder. Frederiks Sohn Prinz Christian (3) als derzeit zweiter Thronanwärter ist ein Jahr älter als seine Schwester Prinzessin Isabella (2) und behält deshalb seinen Platz auch nach der Verfassungsänderung.

DPA / DPA