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Das Ende der Shuttle-Ära "Atlantis" tritt letzten Heimflug an


Nach über 30 Jahren geht die Ära der US-Shuttle-Flüge zuende. Die Raumfähre "Atlantis" kehrt von ihrer letzten Mission auf die Erde zurück. Viele Astronauten müssen damit einen Traum begraben.

Aus der Traum - das könnten die Gedanken zahlreicher Nachwuchs-Astronauten sein, wenn die US-Raumfähre "Atlantis" nach ihrer letzten Mission zur Erde zurückkehrt. Am Donnerstag um 11.58 Uhr MEZ soll der Space Shuttle auf dem Weltraumbahnhof von Cape Canaveral in Florida landen. Dann geht nach gut 30 Jahren die Ära der US-Shuttle-Flüge zuende. Die Aussicht der Jüngeren, einmal ins Weltall fliegen zu können, ist dann deutlich eingeschränkt.

Künftig werden die USA ihre Astronauten mit den wesentlich kleineren russischen Sojus-Kapseln zur Internationalen Raumstation ISS schicken. Neben dem Piloten und einem Kosmonauten steht darin nur ein Platz zum Anmieten zur Verfügung. "Natürlich ist das hart, wir haben unser Leben schließlich dem Ziel gewidmet, ins All zu fliegen", sagt US-Astronaut Steve Robinson, der vier Shuttle-Missionen hinter sich hat. "Wir sind Astronauten, damit verdienen wir unseren Lebensunterhalt."

Doch in Zeiten klammer Kassen hat US-Präsident Barack Obama bei der Raumfahrt den Rotstift angesetzt und das teure Shuttle-Programm gestrichen. Seit dem Jungfernflug der "Columbia" am 12. April 1981 schickte die Raumfahrtbehörde NASA 135 Shuttle-Missionen ins All. Im Durchschnitt kostete jede Reise 450 Millionen Dollar. Obama strich auch das von seinem Vorgänger George W. Bush gestartete Constellation-Programm, das auf die traditionelle Kombination aus Trägerrakete und Raumkapsel setzte und bemannte Flüge zu entfernteren Zielen wie Mond oder gar Mars ermöglichen sollte. Das Projekt sollte bis zum Jahr 2020 97 Milliarden Dollar verschlingen.

Wehmütig, aber verständnisvoll, bewertet NASA-Astronautin Shannon Walker das Ende der Shuttle-Ära. "Es ist bedauerlich, aber ich weiß, dass es richtig ist", sagt sie. "Wenn wir andere Dinge tun wollen, brauchen wir ein anderes Raumschiff." Walker, die mit einer Sojus-Kapsel ins All flog, aber nie mit einem US-Shuttle, zieht historische Parallelen: Sie vergleicht die Lücke bis zum Start eines neuen Programms in vielleicht drei Jahren mit der Zeit nach dem Ende des Apollo-Programms.

Das Shuttle-Zeitalter folgte auf das Apollo-Programm, mit dem die USA 1969 den ersten Mensch auf den Mond gebracht hatten. Als US-Präsident Richard Nixon 1972 die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumfahrzeugs in Auftrag gab, war der Hauptgedanke, die Kosten für Reisen ins All deutlich zu senken. Außerdem hoffte die NASA, Missionen im Wochentakt vornehmen zu können. Doch beide Erwartungen konnte der Space Shuttle nicht erfüllen. Nun soll 2015 eine neue US-Raumfähre einsatzbereit sein, an der die NASA derzeit in Zusammenarbeit mit einer privaten Firma arbeitet.

Dass das goldene Zeitalter der US-Raumfahrt so oder so vorerst vorbei ist, zeigen die Astronautenzahlen. Waren im Jahr 2000 noch 149 Astronauten bei der NASA angestellt, sind es heute nur noch 61. Die Astronauten bräuchten sich aber nach dem Ende der Space-Shuttle-Missionen nicht über mangelnde Arbeit sorgen, meint Scott Pace, Ex-Astronaut und Leiter des Instituts für Weltraumpolitik in Washington. Als Hauptaufgabe sieht er die Unterstützung der ISS-Mission. Es seien immer mindestens zwei US-Astronauten auf der ISS, während sich andere auf die Mission vorbereiten, davon erholen oder am Boden mitarbeiten. Aber auch die Arbeit an neuen Plänen wie kommerziellen Weltraumflügen zählt Pace zu den wichtigen Zukunftsausgaben.

NASA-Chef Charles Bolden warb unlängst im zuständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses für kommerzielle Raumflüge. "Wir geben die bemannte Raumfahrt nicht auf", sagte er. "Wir haben die große Aufgabe, den Betrieb der ISS mindestens in den kommenden neun Jahren aufrechtzuerhalten."

Astronautin Walker sorgt sich hauptsächlich um den Nachwuchs, der nun entmutigt nach anderen Berufen Ausschau halten könnte. "Wenn man in eine Schule geht und fragt, wer Astronaut werden will, gehen bisher alle Finger hoch", sagt sie. "Ich hoffe, die Kinder verstehen, dass es die Raumstation gibt und damit immer einen Ort. Der Traum, ins All zu fliegen, ist lebendig."

Jean-Louis Santini, AFP AFP

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