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Mutiger Einsatz: Das ist Zivilcourage! Diese jungen Frauen verhinderten in Bielefeld eine Vergewaltigung

Sie schauten hin und fragten nach, obwohl sie auch einfach hätten weitergehen können. Sie mischten sich ein, obwohl sie bedroht und mit einem Messer verletzt wurden. So bewahrten Karolina und Linda ein Mädchen vor einer Vergewaltigung und halfen, den Täter zu fassen.

Diese beiden jungen Frauen verhinderten eine Vergewaltigung

Linda und Karolina: Diese beiden jungen Frauen verhinderten eine Vergewaltigung

Viel zu oft hört man von Fällen, in denen jemand bestohlen, beleidigt oder verletzt wurde und Menschen direkt daneben standen, Passanten direkt vorbeikamen – und niemand half. Es ist schön zu hören, dass es auch Menschen gibt, denen nicht egal ist, was anderen passiert. So wie Karolina und Linda aus Gütersloh. Die beiden Freundinnen bewiesen unglaublichen Mut, indem sie eine Vergewaltigung verhinderten und halfen, den Täter festzusetzen.

Die jungen Frauen, 20 und 21 Jahre alt, waren am vergangenen Sonntag auf dem Rückweg von einer Party in Bielefeld. Es war bereits sechs Uhr morgens. "Wir waren auf dem Weg zum Bahnhof, da wir ja nicht in Bielefeld, sondern in Gütersloh wohnen", berichtet Linda. "Da haben wir im Gebüsch Geräusche gehört. Wir dachten erst: Naja, da hat jemand Spaß ..." Doch die beiden hatten den richtigen Instinkt und schauten genauer hin. "Etwas kam uns komisch vor."

Das Mädchen weinte und rief: "Nein"

Sie sahen ein Mädchen und einen Mann, der auf ihr lag. Die Freundinnen bewiesen Geistesgegenwart und fragten, ob alles okay sei und sie das wolle, was da gerade passiere. "Das Mädchen hat geweint und 'Nein' gesagt", so Linda. Da überlegten die beiden Helferinnen nicht lange. Linda versuchte, den Mann von seinem Opfer wegzuziehen. "Sie hat sie zu mir geschickt, ich habe die Polizei gerufen. Ich hatte schon die 110 gewählt, als er mir das Handy aus der Hand geschlagen hat", sagt Karolina. Die Polizei hörte so zuerst nur die Hilferufe der Mädchen.

Ein Handgemenge entstand. "Ich bin auf ihn los und wollte, dass er ihr das Handy wiedergibt", sagt Linda. Der Täter verletzte sie dabei leicht im Gesicht. Sie ließ trotzdem nicht locker. "Zum Glück hat er das Handy irgendwann fallen lassen."

Während Linda der Polizei die Situation schildern konnte, ergriff der mutmaßliche Vergewaltiger die Flucht. Karolina übernahm die Verfolgung, während ihre Freundin sich um das Opfer kümmerte und bei ihr blieb. "Es hat mir nicht gereicht, die Vergewaltigung zu verhindern – ich wollte nicht, dass er davonkommt", sagt Karolina mit entschlossener Stimme.

Der Täter hatte wenig Lust, sich aufhalten zu lassen: Nach einigen Metern Verfolgung sprang er auf ein Fahrrad und wollte sich damit davonmachen. "Ich habe ihn am Gepäckträger festgehalten und versucht, ihn vom Fahrrad zu kicken", beschreibt die 21-Jährige die Situation. Da zückte der Mann ein Messer. "Er hat mich am Finger verletzt", sagt Karolina – aber einschüchtern konnte er sie damit nicht.

"Ich wollte ihn vom Fahrrad kicken"

"Er ist dann zu Fuß weitergerannt, aber nach ein paar hundert Metern hat die Polizei ihn erwischt." Die war dank Freundin Linda inzwischen über den Standort der Mädchen informiert. So nahm eine Situation, die schrecklich begann, ein verhältnismäßig gutes Ende – der Täter gefasst, das Opfer gerettet. Aber natürlich stand das Mädchen, das der Mann ins Gebüsch gezerrt hatte, völlig unter Schock.

"Als wir später auf der Polizeiwache waren, haben wir sie noch kurz getroffen", sagt Karolina. "Sie sagte, dass sie auch auf dem Weg zum Bahnhof war und im Dunkeln von hinten überfallen wurde." Da das Mädchen sichtlich mitgenommen war und weinte, wollten die Freundinnen aber nicht weiter nach Details fragen.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die beiden jungen Frauen in ernsthafte Gefahr gebracht haben, beide ja auch verletzt wurden, hatten sie da nicht Angst? "Nein, gar nicht", sagt Linda. "Ich weiß nicht, ob es einfach das Adrenalin war? Wir haben überhaupt nicht darüber nachgedacht, wir haben nur gehandelt." Und damit haben sie ein Mädchen vor etwas Schrecklichem bewahrt. Danke, für so viel Mut!

wt