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Das Premier Bébé von Carla Bruni und Nicolas Sarkozy: Inszenierung einer Niederkunft

Le Premier Bébé ist da! Die Umstände der Geburt der ersten Tochter von Carla Bruni und Nicolas Sarkozy waren ebenso ungewöhnlich wie die gesamte Liebesgeschichte des schillernden Paares.

Von Ina Linden

Schwer zu sagen, was der Höhepunkt der neuen Zurückhaltung im Leben der Sarkozy-Brunis war: Carlas Bemerkung, die Franzosen hätten doch sicherlich gar kein Interesse an so etwas Banalem wie der Geburt ihres Babys – oder die Tatsache, dass der Élysée-Palast nie offiziell die Schwangerschaft der Präsidentengattin bestätigt hat.

Seit Monaten schon hüllen Carla und ihr Präsident den Mantel des Verborgenen über die nahende Geburt ihres Kindes, das die französischen Medien nach dem Papa "Minikozy" getauft haben und nun wohl Dahlia heißen soll. Die Gerüchteküche beheizten von der ersten kaum sichtbaren Wölbung des Bäuchleins an andere: die Eltern des Paares. So schwärmte Carlas Mutter schon im Mai von ihrem "hübschen Enkelkind". Die Schöne selbst zog in einem Interview mit der Zeitschrift "Le Parisien" ein Schnütchen, senkte den Blick gekonnt ein paar Zentimeter von ihren knapp 1,80 m herab und flüsterte: "Ich habe den Mund verschlossen, weil ich etwas schützen will". Den Stichtag selbst verriet dann der Schwiegervater, Pal Sarkozy: "Voraussichtlicher Geburtstermin ist der 3. Oktober".

Das klappte nicht ganz. Das kleine Mädchen kam schließlich mit dreiwöchiger Verspätung am 19. Oktober zur Welt. Papa Sarkozy war bei der Geburt nicht dabei. Eine halbe Stunde blieb ihm am Nachmittag, um schnell noch bei seiner in den Wehen liegenden Frau in der Klinik vorbeizuschauen. Danach ging es mit dem Flieger nach Frankfurt, zum Treffen mit der Kanzlerin. Im Vorfeld des wichtigen EU-Gipfels in Brüssel galt es, noch schnell mit Angela Merkel (CDU) wichtige Hürden für das Euro-Rettungspaket aus dem Weg zu räumen.

Carla zeigt sich selten in der Öffentlichkeit

Und auch zuvor hatte man vom Präsidenten keine Silbe über sein nahendes Vaterglück gehört. Carla stöhnte hingegen schon mal vor Stipendiaten ihrer Stiftung darüber, dass sie fast nur noch liegen oder sitzen könne und den Tag ihrer Niederkunft ungeduldig herbeisehne. Beim Tag der offenen Tür im Elysee-Palast Ende September zeigte sie sich kurz im Garten und verteilte Autogramme an die erstaunten Besucher.

Nun könnte man auf die Idee kommen, die beiden seien einfach routinierte Eltern und machten deshalb kein Aufheben um den Nachwuchs - schließlich hat die 43-Jährige schon einen neunjährigen Sohn aus der Verbindung mit dem französischen Philosophen Raphael Enthoven. Der Präsident wiederum ist dreifacher Vater und sogar Großpapa. Doch dagegen spricht die Offenherzigkeit ihrer Anfangszeit als Paar.

Kurz nach der Heirat tauchte ein Nacktfoto auf

Kein Tag verging ohne Bilder des sich küssenden oder umarmenden Glamour-Paars. Paparazzi folgten den beiden bis an den Badestrand der Cote d’Azur. Nicolas nahm seine Herzensdame mit zu einem offiziellen Empfang in Kairo und auf Staatsbesuch nach Jordanien. Die Termine lösten eine öffentliche Diskussion darüber aus, ob sich der Staatspräsident derart eng mit seiner Flamme zeigen dürfte.

Die Gemüter beruhigten sich erst, als die beiden Anfang 2008 heirateten. Doch auch dann sorgte die Amour fou zwischen den Alphatieren immer wieder für Zündstoff: Die frisch getraute Première Dame holte ihre Vergangenheit ein, als das Auktionshaus Christie’s ein Nacktfoto aus ihrer Model-Zeit versteigerte. Auch musikalisch blieb die Bruni nicht so brav, wie es ihr neuer züchtiger Kleidungsstil vermuten ließ: Auf ihrem dritten Album "Comme si de rien n'était", vergleicht die Sängerin in dem Stück "Tu es ma came" (Du bist meine Droge) ihren Liebhaber mit kolumbianischem Kokain. Der kolumbianische Botschafter berief daraufhin eigens eine Pressekonferenz ein, da er einen Imageschaden für sein Land befürchtete.

Bei soviel Zündstoff verwundert es wenig, dass Sarkozy seine Strategie komplett von Schwärmen auf Schweigen umgestellt hat. In der französischen Presse wird gemunkelt, er wolle partout den Eindruck vermeiden, "Minikozy" zu Wahlkampfzwecken zu instrumentalisieren. Frankreich wird wohl auch auf Bilder des frisch geborenen Wonneproppens verzichten müssen.

Die Sängerin fand Monogamie sterbenslangweilig

Die erstaunlichste persönliche Wandlung hat allerdings nicht das Ehepaar Sarkozy, sondern Carla Bruni selbst vollzogen. Die Schöne verbrachte Gerüchten zufolge die späte Schwangerschaft meist komponierend und Gitarre zupfend auf der Chaise Longue und vermisste allenfalls – Huch! Skandal!- ein Gläschen Wein und Zigaretten. Mehr Verruchtes drang nicht nach außen, suchte man wo man wollte.

Das war mal ganz anders. Die Sängerin bekannte sich noch vor nicht allzu langer Zeit freimütig dazu, Männer am liebsten zum Frühstück zu verspeisen und Monogamie sterbenslangweilig zu finden. Der Schönen werden Affären mit Mick Jagger, Eric Clapton Donald Trump sowie den Schauspielern Kevin Costner und Vincent Perez nachgesagt.

Ob die Herren noch zu haben waren, soll ihr relativ gleichgültig gewesen sein. Mit Mick Jagger soll sie sich in Thailand getroffen haben, als seine damalige Frau Jerry Hall das dritte gemeinsame Kind erwartete. Ihr ausgeprägter Jagdinstinkt schlug auch bei Sarkozy an: Kurz nachdem sich die beiden bei dem Abendessen eines Freundes kennengelernt hatten, beschwerte sich Carla:"Dein Freund ist ein komischer Typ. Ich habe ihm meine Nummer gegeben und er hat noch nicht angerufen."

Wenig greifbarer Charakter

Die gebürtige Italienerin hat immer das gemacht, wonach ihr gerade war. Mit 19 brach sie ihr Studium der Kunst und Architektur ab, um Model zu werden. Sie arbeitete unter anderem für Valentino und Christian Dior und gehörte zu den erfolgreichsten Models weltweit. Zehn Jahre später zieht sie sich aus der Modewelt zurück und beginnt, Songs zu schreiben. Sechs ihrer Kreationen schrieb sie für den französischen Sänger Julien Clerc, der mit seinem Album 2000 auf Platz 1 der französischen Charts landete.

Zwei Jahre später überraschte sie mit ihrem ersten eigenen Album "Quelq’un m’a dit", für das sie gute Kritiken bekam. Ihre Chansons landen nicht nur in der Sammlung der Jennifer-Lopez-Robbie-Wiliams-Rihanna-Fans, sondern lassen auch Independent- und Folk-Freunde aufhorchen. Ihre extrem leise und gehauchte Stimme verstößt gegen jede gängige Form von Gesangskunst und wäre eine Herausforderung für jeden Musiklehrer. Der Bruni ist es schnuppe, sie besingt mit feinem Hohn den schönsten Mann der Stadt (le plus beau du quartier) und beschreibt in todtraurigen Versen eine verlorene Liebe.

So vielseitig wie die Französin ist, die im italienischen Turin behütet in einer Industriellenfamilie aufwuchs, so wenig greifbar ist ihr Charakter. Die Franzosen selbst kümmert die Wandlung übrigens am wenigsten. Sie lieben ihre so konventionell gewordene Première Dame und bescheren ihr – ganz im Gegenteil zu ihrem Gatten - traumhafte Umfragewerte. Vielleicht, weil Bruni die neue Demütige genau so engagiert gibt wie vorher die Femme Fatale.