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Delta Air Lines verärgert Mütter: Twitter-Zoff ums Stillen an Bord

Es fing an mit einem einfachen Tweet - und wurde zum PR-Debakel für Delta Air Lines. Die Fluggesellschaft verscherzte es sich via Twitter nicht nur mit einer stillenden Mutter.

Von Viktoria Meinholz

In den USA gibt es hitzige Diskussionen über das Stillen in der Öffentlichkeit

In den USA gibt es hitzige Diskussionen über das Stillen in der Öffentlichkeit

Durch Twitter können Unternehmen heute schnell und unbürokratisch auf Fragen ihrer Kunden reagieren. Das hat viele Vorteile - kann aber auch ordentlich in die Hose gehen. So geschehen jetzt beim Twitter-Account "Delta Assist", dem Anlaufpunkt für Kundenanliegen der amerikanischen Fluglinie Delta Air Lines. Lindsay Jaynes, eine Mutter aus Kalifornien, möchte Ende März mit ihrem zehn Wochen alten Sohn verreisen. Zur Vorbereitung auf den Flug mit Delta stellte sie über Twitter eine eigentlich recht simple Frage an die Fluggesellschaft: "Wie sind eure Regeln fürs Stillen?"

Die Antwort der Airline hat nicht nur die junge Mutter überrascht. Stillen sei natürlich erlaubt, aber nur, wenn sie ein Stilltuch benutze, schrieb Delta. Stilltücher, die die Brust der Mutter und das trinkende Baby verdecken, sind in den USA weit verbreitet. Doch für Lindsay Jaynes sind sie keine Alternative, da ihr Sohn sich von dem Tuch gestört fühlt und nicht trinkt. "Mein Flug dauert sechs Stunden und mein Kind muss alle zwei Stunden gefüttert werden. Was schlagen Sie vor?", fragte Jaynes daher nach. Die Antwort des Mitarbeiters: Sie könne doch Milch abpumpen und ihren Sohn während des Fluges mit der Flasche füttern. Muttermilch dürfe sie natürlich mit an Bord bringen.

Leider hatte der Mitarbeiter etwas übersehen: Schon in ihrem ersten Tweet hatte Jaynes erwähnt, dass ihr Sohn sich weigert aus einer Flasche zu trinken. Langsam wurde es der Mutter zu bunt. "Auch wenn es mir gesetzlich erlaubt ist, meinen Sohn ohne Tuch zu stillen, wollen Sie es verbieten? Ist das eine offizielle Regel von Delta?", fragte sie. Die Antwort der Fluggesellschaft ließ ein paar Stunden auf sich warten. Dann ruderte ein anderer Mitarbeiter von Delta zurück und entschuldigte sich für die Falschinformationen seines Kollegen. "Delta heißt stillende Mütter und ihre Babys natürlich herzlich willkommen an Bord."

Doch die Entschuldigung kam zu spät. Längst hatte sich das PR-Debakel rumgesprochen. Für viele Twitter-User war die Reaktion von Delta nicht deutlich genug.

"Es gibt zwei Gruppen auf dieser Welt, mit denen du dich nicht anlegen solltest: Waffenbesitzer und stillende Mütter", schreibt eine Userin auf Twitter. Und scheint damit voll ins Schwarze zu treffen. Auf Twitter formierte sich innerhalb weniger Stunden ein deutlicher Widerstand gegen die Ausagen des Delta-Mitarbeiters. Viele forderten von der Fluggesellschaft eine deutliche Stellungnahme zu dem Thema. Diese blieb bisher aber aus.

In den USA ist das öffentliche Stillen ein viel diskutiertes Thema. Immer wieder kommt es zu sogenannten Nurse-ins, bei denen stillende Mütter ein Café oder Restaurant besetzen, in dem zuvor einer anderen Frau das Stillen ihres Kindes verboten wurde. Sogar in den Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes findet sich der Hinweis, dass das öffentliche Stillen zwar inzwischen in allen Staaten der USA erlaubt sei, "wie das Nacktbaden am besten jedoch zumindest in Restaurants und Bars bzw. in weniger 'liberalen' Gegenden unterlassen werden" sollte. Wenn es ums Stillen geht, ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten also voller Grenzen für Mütter und ihre hungrigen Babys.