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Demonstrationen am Ground Zero Geplanter Moscheebau spaltet die New Yorker


Die Fronten beim Streit um eine geplante Moschee nahe Ground Zero verhärten sich. Befürworter wie der New Yorker Bürgermeister Bloomberg berufen sich auf die Religionsfreiheit im Land, während 9/11-Opferverbände die Gefühle der Hinterbliebenen verletzt verletzt sehen. Einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation könnte ein alternativer Standort bieten.

Für Gila Barzavi ist es schlicht unvorstellbar. Ganz in der Nähe von Ground Zero in New York, wo vor neun Jahren ihr Sohn Guy ums Leben kam, planen Muslime den Bau einer Moschee. "Das ist heiliger Boden und es ist der Ort, an dem mein Sohn beerdigt wurde", sagt die gebürtige Israelin aus dem Stadtteil Queens. Die Moschee, so sagt sie, wäre "wie ein Messer in unseren Herzen".

Barzavi war eine von hunderten Demonstrantinnen und Demonstranten, die am Sonntag gegen das 100-Millionen-Dollar-Projekt protestierten, das zwei Querstraßen von Ground Zero entfernt verwirklicht werden soll. Zugleich gingen auch mehrere hundert Befürworter des Moschee-Baus auf die Straße. Die Polizei hielt die Gruppen voneinander getrennt, der Schlagabtausch über die Absperrungen hinweg blieb verbal.

Gegner verlangen, dass das 13-stöckige islamische Gemeindezentrum mitsamt Moschee weiter von dem Ort weg errichtet werden soll, an dem bei den Anschlägen islamistischer Terroristen am 11. September 2001 über 2.700 Menschen getötet wurden. "Am besten, man schafft sie (die Moschee) in den Nahen Osten", sagte Demonstrant Steve Ayling. Die Initiatoren hinter dem Bauprojekt seien "die gleichen Leute, die die Twin Towers zerstört haben".

Die Gegner waren bei den Kundgebungen am Sonntag in der Überzahl. Aus den Lautsprechern dröhnte unter anderem Bruce Springsteens Song "Born in the USA".

Die mehreren hundert Befürworter riefen bei der Gegenkundgebung unter anderem Slogans wie "Muslime sind hier willkommen" und "Wir sagen Nein zu rassistischer Furcht". Unter den Demonstranten war ein 39-jähriger Arzt aus Brooklyn, Ali Akram, der seine drei Söhne und eine US-Flagge mit zu der Demonstration brachte. Die Gegner der Moschee seien "unamerikanisch", sagte Akram. "Sie bringen ihren Kindern Religionsfreiheit bei, doch dann halten sie sich nicht an das, was sie predigen", sagte er.

New Yorks Bürgermeister steht hinter dem Projekt

Der Initiator der umstrittenen Projekts, der Imam Feisal Abdul Rauf, äußerte die Hoffnung, die Debatte über die Moschee werde zu einem größeren gegenseitigen Verständnis führen. Abdul Rauf befindet sich derzeit auf einer Nahost-Reise, die das US-Außenministerium für ihn organisiert hat. Ziel der Reise soll es sein, die religiöse Toleranz zu fördern. "Die Tatsache, dass wir diese Art von Aufmerksamkeit bekommen, ist ein Zeichen des Erfolgs", sagte der Imam auf einer Tagung in der US-Botschaft im Golfemirat Bahrain.

Seine Frau Daisy Khan deutete unterdessen an, dass man eventuell über einen Alternativstandort diskutieren könne. Sie zeigte sich damit offen für ein Angebot des Gouverneurs des Staates New York, David Paterson. Der Demokrat hatte angedeutet, dass weiter von Ground Zero gelegenes Staatsland für das Vorhaben genutzt werden könnte. Khan zeigte sich in der ABC-Sendung "This week with Christiane Amanpour" gesprächsbereit. Zunächst müsse sie aber mit anderen Beteiligten des Projekts beraten.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg steht voll hinter den Plänen für die Moschee. Er sagte, die Religionsfreiheit sei "eine der eigentlichen Ursachen für die Gründung Amerikas" gewesen.

Ein Erhebung des US-Fernsehsenders CNN vergangene Woche ergab, dass fast 70 Prozent der US-Bürger ein muslimisches Gotteshaus nahe dem Standort des bei den Anschlägen vom 11. September zerstörten World Trade Centers ablehnen. Das Thema beeinflusst zunehmend auch den Wahlkampf vor der US-Kongresswahl im November.

Verena Dobnik, APN APN

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