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Der Deutsche Schäferhund: Auslaufmodell bei der Polizei?

Bei der Polizei wird der Deutsche Schäferhund immer öfter ausgemustert - andere gelten als mutiger und belastbarer. Ausgekläfft hat es sich für den liebsten Hund der Deutschen deshalb aber noch längst nicht.

Kuscheliges Fell, treuer Blick, sanftes Wesen: Der Schäferhund ist noch der Lieblingshund der Deutschen, und auch weltweit nimmt er einen Spitzenplatz auf der Beliebtheitsskala ein. Bei der Polizei nützt ihm das seit einiger Zeit weniger. Hier wird er als Schutz- und Suchhund nach und nach verdrängt - von einem belgischen Artgenossen, der mutiger und entschlossener ist. Der Deutsche Schäferhund - ein Angsthase?

Keineswegs, widerspricht Heiko Christian Grube, Sprecher des Vereins für Deutsche Schäferhunde in Melle (Niedersachsen). "Die Tiere sind nervenfest und haben von ihrem Temperament und ihrer Gelehrigkeit her beste Eigenschaften." Ihr großer Vorteil sei ihre Vielseitigkeit. "Sie können als Hütehunde eingesetzt werden, als Blindenführ- und Therapiehunde, als Sport- und Familienhunde und natürlich auch als Rettungshunde."

Nordrhein-Westfahlen mustert Hunde aus

Die Liebe der Deutschen zu ihrem Schäferhund kühlt allerdings langsam ab. Die Zahl der offiziell registrierten Geburten in den letzten zwölf Jahren halbierte sich. Grube hat daher lieber die weltweite Schäferhund-Fangemeinde im Blick. "Auf der ganzen Welt wurden 2010 eine Million Welpen geboren."

Trotzdem mustert die nordrhein-westfälische Polizei die Hunde aus. Neben 281 Schäferhunden der belgischen Rasse Malinois sind nur noch 26 Deutsche Schäferhunde als Diensthunde im Einsatz. Im westfälischen Schloß Holte-Stukenbrock wurden von 1988 an viele Jahre lang Tiere aus beiden Ländern gezüchtet. Im Schnitt waren die Belgier in vielen Disziplinen einfach besser als ihre deutschen Artgenossen, erklärt Günther Bonke, "Fachkoordinator Diensthundewesen" beim Landesamt für Ausbildung und Fortbildung der Polizei (LAFP) in NRW.

"Ein Polizeihund muss in belastenden Situationen mutig und entschlossen sein und seinen Hundeführer verteidigen", erklärt Bonke. Damit er auch Rauschgift und Sprengstoff erschnüffeln kann, müsse er zudem eine hohe Spiel- und Beutemotivation haben. "Das alles hat der belgische Schäferhund in unserer Zucht in einem höheren Maße gezeigt."

Auch eine Preisfrage

Im Gesamtpaket ist der belgische Schäferhund zudem nicht nur robuster, sondern auch billiger als sein deutsches Pendant. Weil viele Bundesländer nicht selbst züchteten, sondern einkauften, spiele häufig auch der Preis bei der Entscheidung gegen den Schutzhund aus Deutschland eine Rolle, sagt Bonke.

Immerhin, die Bundespolizei will auch in Zukunft mit dem Deutschen Schäferhund planen. "Wir haben lange Jahre gute Erfahrungen mit ihm gesammelt", sagt ein Sprecher des Präsidiums in Potsdam.

Doch nicht nur die Bundespolizei, auch viele deutsche Tierhalter sind dem Familienhund noch treu. Mit 14.500 Schäferhund-Welpen, die im vergangenen Jahr laut dem Verband für das Deutsche Hundewesen in Deutschland geboren wurden, liegt der Hütehund deutlich vor dem ebenfalls immer noch beliebten Dackel und sogar vor den Retrievern.

Schließlich hängt selbst die Polizei in NRW noch an dem zotteligen Vierbeiner. "Unsere Zuchtentscheidung ist keine Entscheidung gegen ihn", sagt Günther Bonke. "Viele unserer Hundeführer hätten gern einen Deutschen Schäferhund. Für sie suchen wir händeringend gute Hunde."

Julia Wäschenbach, DPA / DPA