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Der Frühling: Gekommen, um zu bleiben?

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen, die Heizpilze verschwinden, der Grill wird rausgestellt, die Röcke werden kürzer. Aber wie sieht es in den nächsten Tagen aus: Ist der sonnige Frühling gekommen, um zu bleiben? Was würde das für Gemüt, Geschäft und Gesundheit bedeuten? Und wie wird eigentlich der Sommer?

Von David Meiländer

Offiziell ist er schon seit fünf Wochen da, der Frühling. Tatsächlich aber hat er sich seit dem 21. März zumeist von seiner verdrießlichen Seite gezeigt: Es war kalt, regnerisch, grau. Erst in dieser Woche gab es eindeutige Indizien für einen Beginn dieser insgesamt doch recht blühenden Jahreszeit: Die Sonne schien fast im ganzen Land ein paar Tage am Stück, es wurde so warm, dass man sich guten Gewissens auch im T-Shirt vor die Tür wagen konnte, das Angrillen wird zur echten Option, die Wintersachen könnten eigentlich in den Keller. Ein Stimmungswechsel steht an, denn, so vermeinen Wissenschaftler, Sonnenstrahlen machen glücklich. Aber hält der Trend an?

Temperaturen von bis zu 25 Grad

Für das Wochenende gibt es eine gute Nachricht. Zumindest die kommenden Tage dürfen sich die Deutschen auf "frühsommerliche" Verhältnisse freuen. Behauptet zumindest der Deutsche Wetterdienst. Temperaturen von bis zu 25 Grad, lautet die Vorhersage, und überall scheint die Sonne. Nur vereinzelt kommt es an der Nordseeküste zu Schauern. Zu verdanken haben wir das Hoch "Lars", das derzeit noch über Frankreich liegt, sich aber spätestens bis Samstagmittag über Deutschland ausgebreitet hat.

Ob der Frühling nun endgültig Einzug gehalten hat, das ist, und das ist die schlechte Nachricht, allerdings höchst ungewiss. "Wir sind uns da auch nicht so sicher", sagt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Dabei scheuen die Meteorologen keine Mühen. Der Dienst hat in Offenbach ein riesiges Rechenzentrum aufgebaut, das eine ganze Etage einnimmt und ungefähr so leistungsfähig ist wie 40.000 zusammen geschaltete Computer. Und diese Computer zeigen für die Zeit nach diesem Wochenende vor allem eines: Viel Regen. Schon am Montag und Dienstag kommt es nach Erkenntnissen der Forscher zu Schauern und Gewitter. Aber: Trotz des vorhergesagten Regens, die Temperaturen werden mit maximal 18 bis 20 Grad weiter relativ hoch liegen.

"Wir nutzen jeden Sonnenstrahl"

Enttäuschen dürfte das nicht nur diejenigen, denen der sommerliche Frühling die Endorphine durch den Körper jagt. Enttäuschen dürfte das vor allem jene, die vom Frühling und vom guten Wetter leben. Wie Werner Hofreiter. Der kennt die Prognosen der Meteorologen ganz genau. Der 39-Jährige leitet den familieneigenen Biergarten am Münchner Viktualienmarkt. "Verlassen kann man sich wirklich nur auf die kurzfristigen Vorhersagen und selbst das nicht immer", sagt er. Für sein Geschäft sei das Wetter sehr wichtig, denn wenn es regnet, flüchten seine Kunden. "Wir haben 800 Plätze und im Moment sind wegen des guten Wetters rund ein Viertel davon besetzt ist", sagt er. "Wenn es regnet, schrumpft unsere Gästezahl nochmal auf etwa als 80 Personen. Denn mehr finden unter unseren großen Regenschirmen keinen Platz." Für das Wochenende erwartet er großen Zulauf. "Und für danach hoffen wir auf das beste, schließlich ist von Mai bis Oktober unsere Hauptsaison." Seit 35 Jahren gibt es seinen Biergarten nun schon und damit das Geschäft besser läuft, haben die Hofreiters ihre Bänke bereits im Januar aufgestellt. "Wir nutzen jeden Sonnenstrahl aus", sagt er.

Erotik statt Eislaufen

Sonnenstrahlen? Warmes Wetter? Griesgrämiger verfolgt ein anderer Geschäftsmann diese Entwicklung. Warner Weinberg zum Beispiel wird sein Geschäft in der kommenden Woche schließen müssen. Der gebürtige Kanadier ist Eismeister in der Eissporthalle in Dinslaken. "Es würden bestimmt noch einige Leute kommen", sagt er. "Aber für uns werden dann die Stromkosten zu hoch." Denn je wärmer es draußen ist, desto mehr Energie brauchen die Kühlsysteme. 8000 Euro kosten die die gemeinnützige Eishalle in einem normalen Wintermonat, fast 20.000 Euro wäre es im Sommer. "Wenn es ein bisschen kühler geblieben wäre, hätten wir die Halle vielleicht noch ein paar Tage offen gelassen", sagt Weinberg. Und so muss der ehemalige Eishockey-Profi kreativ sein. Statt Eis gibt es in den kommenden Wochen eben Fußball. "Wir werden hier in der Halle eine Leinwand für die Fußball-EM aufstellen", sagt Weinberg. "Und wenn alles klappt, dann veranstaltet hier eventuell noch ein Kunde eine große Erotik-Messe."

Heiße Erotik statt eiskaltem Sport also, bei dem Warner Weinberg wahrscheinlich einen Teil der Eintrittsgelder zurücklegen muss. Im August will er die Halle wieder aufmachen und wird wahrscheinlich mit noch höheren Stromkosten zu rechnen haben als in den Jahren davor. Denn wenn man den Jahresprognosen des Deutschen Wetterdienstes glauben darf, wird der kommende Sommer einer der zehn wärmsten der vergangenen 30 Jahre werden. "Über den Niederschlag lassen sich im Moment aber leider noch keine konkrete Aussage machen", sagt Wetterdienst-Expertin Christina Koppe. "Es könnte also beispielsweise auch sein, dass der Sommer zwar etwas wärmer, aber dafür verregnet sein wird."

Den einen beschert der sommerliche Frühling Glückshormone, den anderen Geschäft, für wieder andere ist er ein Gesundheitsproblem. Wie für Ralf Pappers. Der sehnt sich nämlich nicht nach Sonne, sondern nach Regen. Der Mönchengladbacher ist Allergiker - und das nicht zu knapp. Vor allem Gräserpollen sind seine Feinde, die nun aufgrund steigender Temperaturen wieder zu fliegen beginnen. "Bei mir geht es gerade noch, aber eine Freundin niest ununterbrochen. Sie hat sich jetzt sogar eine Art Fliegengitter gekauft, das sie an ihr Fenster hängt, damit nichts von den Blüten in ihre Wohnung eindringen kann.", sagt Pappers. "In solchen Momenten wünscht man sich nichts mehr als einen ordentlichen Schauer."