Der Papst liegt im Sterben Die Welt nimmt leise Abschied


Auf dem Petersplatz haben sich Tausende versammelt, in Kuba darf erstmals wieder ein Kardinal im Fernsehen sprechen und Polen steht beinahe still - weltweit beten Gläubige wie Nicht-Gläubige für Johannes Paul II..

Millionen Gläubige in aller Welt beten seit Freitag für den sterbenskranken Papst Johannes Paul II.. Besonders große Anteilnahme löste das Leiden des Kirchenoberhaupts in Polen aus. In Wadowice, dem Geburtsort von Karol Wojtyla, harrten viele Einwohner bis zum frühen Morgen in der Marienbasilika aus. Im ganzen Land hielten Gläubige in den Kirchen Nachtwache. Gerade hier fühlen die Menschen mit dem Kirchenoberhaupt. Die Sorge und die Trauer um Johannes Paul II. einte das Land, das fast still zu stehen schien seit den ersten Berichten über den dramatischen Kampf des Papstes mit dem Tod.

Am Samstag strömten zahlreiche Menschen nach Wadowice, um Johannes Paul II. an seinem Geburtsort noch näher zu sein. In Krakau versammelten sich erneut hunderte Menschen unter dem Fenster des Bischofspalastes, von dem aus Johannes Paul II. bei Besuchen in seiner alten Bischofsstadt abends zu den Gläubigen gesprochen hatte. Die Kirchen in der polnischen Hauptstadt und in vielen anderen Orten waren überfüllt. Mancher wollte dennoch nicht glauben, dass Johannes Paul im Sterben lag. "Ich bete weiter um ein Wunder", sagte eine Studentin in Warschau.

Die Sorge um den sterbenden Papst war für jugendliche Fußballfans des Vereins Lech Poznan am Freitagabend größer als die Begeisterung für den Sport. In der 38. Minute des Ligaspiels des westpolnischen Clubs gegen Pogonia Szczecin skandierten sie "Schweigeminute" und "Brecht das Spiel ab", berichtete die Zeitung "Super Express".

Italien sagt alle Sportveranstaltungen ab

Nach Sport ist auch den Italienern derzeit nicht zumute. Aus Respekt vor des im Sterben liegenden Pontifex hat das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) alle Sportveranstaltungen des Wochenendes im Land abgesagt. Damit fallen auch alle Spiele der Fußball-Serie A aus. Die Entscheidung wurde nach CONI-Angaben von Präsident Gianni Petrucci getroffen.

In Köln betete Erzbischof Kardinal Joachim Meisner am Samstag sichtlich ergriffen in einer Mittagsandacht für eine "gute Sterbestunde für den Papst". Zusammen mit knapp 1000 Gläubigen gedachte er im Kölner Dom des im Sterben liegenden Papstes. "Wehen Herzens gehen unsere Gedanken nach Rom in den Vatikan." Auch im Limburger Dom gedachten die Gläubigen mit Bischof Franz Kamphaus dem Kirchenoberhaupt. Der Mainzer Dom hielt eine Andacht mit Rosenkranzgebet. Auch im Freiburger Münster schlossen die Menschen den Heiligen Vater in ihre Fürbitten ein. Gläubige in Bayern beteten ebenfalls für den sterbenden Papst. In der Nacht zum Samstag war auf Wunsch von Kardinal Friedrich Wetter die Münchner Frauenkirche geöffnet worden.

65 Millionen Katholiken in den USA beten

In den USA versammelten sich Gläubige zum Gebet. In größeren Kirchen und Kathedralen von der Ost- bis zur Westküste fanden Gottesdienste statt. Auch US-Präsident George W. Bush und First Lady Laura Bush beteten für den Papst. Der römisch-katholischen Kirche der USA gehören etwa 65 Millionen Menschen an.

Tausende von Philippinern zündeten im Gedenken an den Papst Kerzen an und besuchten Gedenkmessen. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo beteiligte sich an den Gebeten: "Die Nachrichten über den schlechten Gesundheitszustand des Papstes machen uns alle sehr traurig. Er nimmt in den Herzen von Millionen Philippinern einen großen Platz ein." Die Philippinen sind das einzige Land in Asien mit überwiegend katholischer Bevölkerung, von den rund 84 Millionen Einwohnern sind mehr als 80 Prozent katholisch. Anteilnahme löste das Leiden des Papstes auch in Bosnien-Herzegowina und in Syrien aus.

Erstmals seit sieben Jahren hat das kubanische Staatsfernsehen einem Kardinal der katholischen Kirche Sendezeit eingeräumt, um die Gläubigen des Landes über den nahenden Tod des Papstes zu informieren.

"Ein großer Mann stirbt", sagte der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, in einer am Freitagabend in den Nachrichten ausgestrahlten Ansprache. Die meisten Kubaner erfuhren so erstmals, dass Johannes Paul II. in Rom im Sterben liegt. Die staatlich kontrollierten Medien hatten bis dahin nicht über den ernsten Zustand des Kirchenoberhauptes berichtet. Ortega hatte zuvor erst einmal im Fernsehen des kommunistischen Inselstaates sprechen dürfen - am Vorabend des historischen Papstbesuchs auf Kuba im Januar 1998.

Auf dem Petersplatz in Rom beherrschten in der Nacht zu Freitag und am Samstag die Jugend das Bild unter dem Fenster der Papst-Wohnung. Studenten, Schüler, junge Ordensleute hielten Kerzen in den Händen, einige hatten Gitarren mitgebracht. Plötzlich stimmte jemand "Barka" an und hunderte fielen ein in das Lied über den Fischer Petrus - es ist das Lieblingslied des Papstes. Doch die zeitweise gelöste Stimmung trübte sich schnell. "Ich habe keine Tränen mehr", bekannte eine junge Frau. "Er wird uns so furchtbar fehlen" schluchzte eine andere.

DPA/AP AP DPA

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