Deutsche PKK-Geiseln "Ich vermittele sofort"


Zeki Gül erlebt eine Gratwanderung der besonderen Art. Im Heimatort der deutschen PKK-Geiseln betreibt der Kurde einen Döner-Imbiss. Er kennt den entführten Helmut H., kennt aber auch die Probleme der Kurden. Im stern.de-Interview sagt Gül, was jetzt geschehen muss - und bietet seine Hilfe an.

Herr Gül, Sie kennen den Entführten?

Wir wohnen nur runde 200 Meter von ihm entfernt. Ich kenne ihn vom Sehen.

Wie lange sind Sie schon in Deutschland?

Seit 19 Jahren, immer in Abensberg. Ich fühle mich wohl hier. Meine Frau ist hier aufgewachsen, mein Sohn hat gerade den Realschulabschluss gemacht. Wir haben viele deutsche Bekannte.

Was sagen Sie zu der Entführung?

Heute haben mich schon zwei Kunden angesprochen: Was ist denn bei Euch da unten los? Was ist in die Kurden gefahren?

Was haben Sie geantwortet?

Ich habe gesagt, dass ich zu wenig weiß.

Sie haben sich vor einer Antwort gedrückt? Sie müssen doch eine Meinung dazu haben?

Natürlich ist so eine Entführung falsch. Sie bringt keine Lösung. Aber die Probleme der Kurden müssen auch gesehen werden. Ich bin Kurde. Und die deutsche Politik gegenüber den Kurden ist falsch. Die Kurden werden unterdrückt, und die Deutschen haben den Türken Panzer geschenkt, die jetzt auf uns schießen.

Sind Sie Anhänger der PKK?

Nein, nein. Die PKK ist sozialistisch und kommunistisch, und ich bin Geschäftsmann. Ich lebe gerne in Deutschland, und ich will in Frieden leben. Keine Gewalt. Auch nicht zwischen Türken und Kurden. Gewalt und Krieg bringen nie eine Lösung. Lösungen gibt es nur, wenn man sich ernst nimmt und miteinander redet.

Eine Entführung ist auch Gewalt.

Das war natürlich nicht friedlich. Ich will so etwas nicht. Die Kurden sind keine guten Diplomaten. Sie sind zu emotional. Ich glaube, das sollte nur ein Protest sein und auf die kurdischen Probleme aufmerksam machen. Ich bin sicher, dass Herr H. bald wieder gesund zu Haus ist. Aber es ist nun mal geschehen und jetzt muss man auch daran erinnern: Man darf die Kurden nicht vergessen. Sie haben ein Recht auf alle demokratischen Freiheiten.

Sind Sie für einen eigenen kurdischen Staat?

Nein, diese Zeiten sind vorbei. Keine neuen Grenzen. Ich lerne von der europäischen Idee. Wir wollen nur Gleichberechtigung in der Türkei und Europa.

Es klingt immer noch fast so, als ob Ihnen die Entführung ganz gelegen kommt...

Die PKK soll die Entführten sofort freilassen. Was haben die drei armen Deutschen gemacht außer Urlaub? Natürlich will ich für sie die Freiheit. Andererseits erinnert es mich daran, dass auch viele Kurden nicht in Freiheit leben. Ich bin kein Politiker, nur ein kleiner Geschäftsmann, aber das ist meine Meinung. Ich habe da zwei Seelen in meiner Brust.

Wenn die Entführung länger dauert und in Abensberg Mahnwachen für Herr H. und die anderen gehalten werden - gehen Sie hin?

Für Herrn H. mache ich alles. Ich möchte, dass Herr H. noch ganz lange lebt mit uns. Wenn die Behörden mich schicken wollen, um zu vermitteln, ich gehe sofort.

Interview: Georg Wedemeyer

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