VG-Wort Pixel

Deutschland-Besuch von Benedikt XVI. Bischöfe hoffen auf den Papst-Effekt


Der größte Star der katholischen Kirche kommt im Spätsommer nach Deutschland. Papst Benedikt XVI. will im September Berlin, Thüringen und Freiburg besuchen. Für die Bischöfe ist das eine mehr als willkommene Abwechslung - nach Monaten unter Dauerbeschuss wegen der Missbrauchsvorfälle.

Jubelnde Menschenmassen, das "Papamobil" auf allen Kanälen, schöne Bilder im Fernsehen - die Freude auf den Deutschlandbesuch des Papstes im September stand den Bischöfen ins Gesicht geschrieben, als sie am Dienstag das Programm vorstellten.

"Deutschland freut sich auf den Papst", sagte Erzbischof Robert Zollitsch, ganz bestimmt aber freuen sich die Bischöfe auf ihr Oberhaupt. Nach Monaten unter Dauerbeschuss - Stichwort: Missbrauch von Kindern durch Männer der Kirche - scheinen die Bischöfe einige unbeschwerte Tage herbeizusehnen. Die Erwartungen sind hoch, wenn Benedikt der XVI. im Spätsommer (22. bis 25. September) Berlin, Thüringen und Freiburg besucht.

"Wir haben eine sehr schwierige Zeit hinter uns", sagte der Vorsitzende Zollitsch im Rückblick. "Nun schauen wir mutig nach vorne." Es klang fast trotzig, wie der Freiburger Erzbischof dies vor den rund 100 Journalisten verkündete.

Weit über drei Millionen Mitglieder hat die katholische Kirche in Deutschland in den vergangenen neun Jahren verloren. Jetzt sind es noch knapp 25 Millionen. Zahllose Menschen klagen an, von Geistlichen als Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht worden zu sein. Das Entschädigungsangebot der Bischöfe von maximal 5000 Euro wird von vielen Opfern als Hohn zurückgewiesen. Über 300 Theologen mahnen in einem Aufruf grundlegende Reformen an.

Der Auftakt der Vollversammlung am Vortag in Paderborn war von Protesten dieser Gruppen begleitet. Auch ein medienwirksamer Bußakt der Bischöfe im Dom schaffte kaum Abhilfe. Die Bußfertigkeit der Bischöfe werde daran gemessen, "ob sie jetzt in ihrer Vollversammlung den nötigen Kurswechsel energisch anpacken oder kleinmütig gegenüber der römische Leitlinie auf dem Prinzip "weiter so" beharren", mahnte die Initiative "Kirche von unten".

Das Ansehen der Kirche ist ramponiert, das bestätigt auch eine Umfrage und untermauert die Hoffnungen der Bischöfe auf den Papst. Demnach vertrauen die Bundesbürger Benedikt XVI. deutlich mehr als der katholischen Kirche. 29 Prozent der von Forsa Befragten gaben an, "großes Vertrauen" zum Papst zu haben. Hingegen vertrauen nur 21 Prozent der Kirche als Institution. Selbst unter den Katholiken gibt es dieses Vertrauensgefälle.

"Der Papstbesuch muss sehr viel mehr als eine Imagekampagne für die Person des Papstes oder die römisch-katholische Kirche in Deutschland sein", fordert die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche". "Es wäre gut, wenn dieser Besuch als Dialogreise und nicht als Missionsreise gestaltet würde", sagt Sprecher Christian Weisner.

Die Laien warten nämlich immer noch auf den im Herbst von Zollitsch angekündigten Dialog. Den wollen die Bischöfe auf ihrer Versammlung vorantreiben und am Donnerstag konkrete Vorschläge machen. Doch nicht nur die Laienbewegungen vermuten starke "Bremser" unter den Bischöfen. Der Papstbesuch sollte nicht als Vorwand genutzt werden, den überfälligen Dialog über Probleme der Kirche weiterhin auf die lange Bank zu schieben, warnt Weisner.

Zollitsch und seine 68 Brüder im Amte betonten in Paderborn mehrmals, jetzt gelte es den Blick nach vorne zu richten. Dazu passt das Motto der Papstreise: "Wo Gott ist, da ist Zukunft".


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker