HOME

Deutschland-Serie, Teil 3: Wir haben nur das eine im Kopf

Unsere Arbeitsmoral ist sprichtwörtlich, fast schon berüchtigt. Schaffe, schaffe, Häusle baue und so. Das funktioniert, obwohl die Mehrheit nur Dienst nach Vorschrift macht - was ist da los?

Von Philipp Möller (Grafik) und Niels Kruse (Text)

Fleißig, ja das können wir. Schaffe, schaffe, Häusle baue, und net nach de Mädle schaue. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps - so diszipliniert redet nur der deutsche Volksmund. Unsere Arbeitsmoral ist sprichwörtlich, wenn nicht sogar berüchtigt. Obwohl der Erfolg uns Recht gibt: Die Wirtschaft brummt und das, obwohl wir gerade einmal eine Stunde länger pro Woche arbeiten (40,6 Stunden) als der Durchschnitts-EU-Bürger. Wir sind eben produktiv, effizient, effektiv und haben nur das eine im Kopf.

(HINWEIS: Nutzer von Smartphones klicken bitte auf diesen Link, um sich die Infografik anzuschauen)

Da ist es kein Wunder, dass sich rund jedes zehnte Paar bei der Arbeit kennen- und lieben lernt. Wo auch sonst? Und wann? Nur leider steht die verliebte Fummelei auf dem Betriebshof allzu oft der allein seligmachenden Produktivität im Weg. So etwas mögen deutsche Chefs nicht. Überhaupt es ist ein Wunder, dass deutsche Firmen so geschmiert laufen. Seit Jahren schon geht die deutliche Mehrheit offenbar nur noch widerwillig zu Arbeit. Umfragen zufolge machen 84 Prozent aller Angestellten nur noch Dienst nach Vorschrift.

Vielleicht ist es diese typisch deutsche Sucht nach (unerfüllbarer) Perfektion, die uns unzufrieden macht. Einerseits wollen wir alles gut und richtig machen, andererseits sind da die Kollegen. Einerseits wollen wir im Job vorankommen, andererseits planen wir präzise alle Brückentage schon am Jahresanfang. Einerseits brauchen wir die Arbeit zum Leben, andererseits geben wir unser schwerverdientes Geld für Urlaube aus, die man ohne die ganze Arbeit gar nicht bräuchte. Die Deutschen und die Arbeit sind wie eine alte Ehe: Es geht nicht mit und schon gar nicht ohne.

Sie, liebe Leser, können gerne darüber diskutieren: Die jeweiligen Teile werden wir auf Facebook und Twitter zur Debatte stellen.

100 Gründe Deutschland zu lieben

... lesen Sie im aktuellen stern

Themen in diesem Artikel