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Deutschlandbesuch Der Papst kommt


Um 10.30 Uhr landet er in Berlin: Benedikt XVI. startet heute seinen Deutschlandbesuch. Am Nachmittag hält er als erster Papst eine Rede im Bundestag. Doch nicht alle Abgeordneten werden ihm zuhören.

Papst Benedikt XVI. kommt heute zu seinem dritten Besuch nach Deutschland. Um 10.30 Uhr wird er am Berliner Flughafen Tegel erwartet, wo er von Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen wird. Da er offiziell als Staatsoberhaupt des Vatikan nach Deutschland reist, wird er mit militärischen Ehren empfangen werden. Vier Tage lang besucht der deutsche Pontifex seine Heimat - Berlin, Erfurt und das Thüringer Eichsfeld sowie Freiburg im Südwesten. In Zeiten der Schuldenkrise erwarten viele von ihm auch politische Botschaften.

Als erster Papst spricht der 84-Jährige am Nachmittag im Bundestag. Die Papstrede im deutschen Parlament ist umstritten. Der geplante Boykott durch etwa 100 der 620 Parlamentarier stößt bei Spitzenpolitikern von SPD und CDU auf Unverständnis. Die katholische SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der "Neuen Westfälischen", die Abgeordneten hätten schon vielen anderen Gastrednern zugehört, "etwa Wladimir Putin und George W. Bush". Diesen Respekt "sollten wir auch dem Papst zollen". Inhaltlich wünscht sich Nahles, dass der Papst zur Finanzkrise, zu den Kapitalmärkten und der "hemmungslosen Profitgier" kritische Worte finde. Der Rede des Papstes wollen Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken fernbleiben, weil sie seinen Auftritt für unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates halten.

Für den Papst gilt die höchste Sicherheitsstufe

Überall an den Reisezielen des Papstes gilt die höchste Sicherheitsstufe - wie bei einem Besuch von US-Präsident Barack Obama. Die Behörden rüsten sich für einen Mega-Einsatz mit insgesamt mindestens 16.000 Polizisten. Für den Nachmittag ist parallel zur Rede im Bundestag nahe dem Brandenburger Tor eine Demonstration gegen die Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes geplant, zu der laut Veranstalter bis zu 20.000 Teilnehmer erwartet werden. Im Berliner Olympiastadion werden am Abend 70.000 Gläubige zu einer Messe der Superlative mit dem katholischen Kirchenoberhaupt kommen, die weltweit live übertragen wird.

Bundespräsident Christian Wulff hofft, dass die Kirche ihr Verhältnis zu geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken ändert. "Die Millionen Menschen, die in konfessionsverschiedenen Ehen leben, und die Millionen wiederverheirateten Katholiken, aber auch viele andere Gruppen erwarten ... befreiende Botschaften", sagte Wulff der Wochenzeitung "Die Zeit" und der katholischen Nachrichtenagentur KNA. Die katholische Kirche verweigert bisher wiederverheirateten Geschiedenen die Teilnahme an der Kommunion. Der geschiedene und wiederverheiratete Katholik Wulff ist als Bundespräsident Gastgeber des Papstes.

Deutschlands oberster Katholik Robert Zollitsch erwartet vom Papst positive Signale für die weitere Annäherung von katholischer und evangelischer Kirche. Schon der Treffpunkt im evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt, in dem Martin Luther gelebt habe, sei ein Zeichen nach außen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Deutschlandradio Kultur. Auch Begegnungen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde und des Islam sind geplant. In den ARD-"Tagesthemen" sagte Zollitsch, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche könne sich sehen lassen: "Es gibt keine Institution in Deutschland, die in ähnlicher Weise das schon getan hat."

mai/DPA/AFP DPA

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