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Deutschlands erste Kampfpilotin: Die Waffen einer Frau

Schon als Kind wollte sie Astronautin werden, mit Puppen hat sie nie gespielt. Heute ist Leutnant Ulrike Flender die erste Kampfpilotin der Bundeswehr. Auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in Holloman, New Mexico, absolvierte sie die Grundausbildung auf dem Tornado. Ein Truppenbesuch.

Von Iris Hellmuth

Am liebsten wäre ihr, das Flugzeug würde gar keinen Lärm machen, dann könnte sie aussteigen und verschwinden, einfach so. Aber so ist es leider nicht. Ihre Ankunft löst geordnete Hektik aus. Männer in Flecktarn-Overalls joggen in Position, winken den Tornado in den Hangar, der Lärm ist unerträglich, die Luft stinkt nach Kerosinabgasen.

Die Haube über dem Cockpit fährt hoch, doch sie blickt nicht auf, kontrolliert Flügel, Landeklappen und Luftbremse, arbeitet die Checkliste ab, vergewissert sich, atmet ruhig, schaltet die Triebwerke aus. Zieht erst jetzt den Helm vom Kopf, eine Szene fast wie aus einem Werbespot: Lange braune Haare fallen auf schmale Schultern in Uniform. Eine Leiter wird herbeigerollt, sie steigt hinunter, bindet das Haar zum Pferdeschwanz. Sie sieht aus, als würde sie von einem Spaziergang heimkehren und nicht von einem Luftbetankungsflug. Anderthalb Stunden Millimeterarbeit in der Luft hat sie verrichtet, Seite an Seite mit einem anderen Jet, 500 Kilometer pro Stunde schnell, 3000 Meter in der Höhe. Doch sie lässt sich nichts anmerken. "Hat alles geklappt", sagt sie nur und lächelt.

Es hat seine Zeit gedauert, bis Ulrike Flender mit dem Lachen begonnen hat auf der Holloman Air Force Base, dem Ausbildungszentrum der Luftwaffe in der Wüste New Mexicos. Dabei hätte es so vieles einfacher gemacht. Leutnant Ulrike Flender, 25 Jahre, wird die erste Kampfpilotin der Bundeswehr. In New Mexico lernt sie, den Tornado zu steuern, einen Jet mit Raketen und Bomben an Bord. Vor knapp acht Jahren ermöglichte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes Frauen den Dienst an der Waffe. Doch noch immer ist ihr Anblick etwas Besonderes. Sie sind ein Beispiel dafür, dass eine Generation von Soldaten nachwächst, denen es nichts ausmacht, neben einer Frau zu kämpfen oder ihre Befehle auszuführen.

Jeder Tag ist eine Prüfung

Auch heute gibt es die anderen Soldaten noch, nur sind sie nicht mehr die Regel, wie damals wahrscheinlich, vor 20 Jahren, als Generalsgattinnen nachmittags zum Kaffeekränzchen luden und jede kam, weil man als Offiziersfrau eben nicht arbeitete. Als das Töten in der Bundeswehr noch etwas Abstraktes war, weil es um die Verteidigung des Landes ging und nicht um die des Hindukusch; weil der Feind feststand, er saß im Osten, aber er kam ja nie; heute sitzt er vielleicht in gekaperten Passagierflugzeugen. Für Ulrike Flender klingt das Wort "töten" noch immer abstrakt. Sie weiß, dass sie es vielleicht tun muss, eines Tages, im Rahmen eines Befehls, im Rahmen der Gesetze, sie wäre dazu bereit. Doch noch liegt ein anderer Druck auf ihr, er wiegt schwer, es ist der Druck der Pionierin. Sie will diese Ausbildung bestehen, sie will Tornadopilotin werden. Damit nicht doch am Ende jemand sagt: Siehst du, ich hab's ja gesagt. Die können das nicht.

Ulrike Flender hat einen Flug gebraucht. Dann hat sie gelacht. Es war ihr erster im Tornado, sie absolvierte ihn ohne Probleme. "Seitdem ist sie wie ausgewechselt", sagt ein Ausbilder, "sie ist viel offener geworden." Tausende von Mitbewerbern hat Ulrike Flender auf ihrem Weg hinter sich gelassen. Jetpilot, heißt es bei der Bundeswehr, wollen sie alle werden, die Träumer und Heißspunde, Machos und Top-Gun- Typen. Doch nur die wenigsten schaffen es. Jeder Tag ist ein Test, jeder Flug wird bewertet, wer dem Druck nicht standhält, wird abgelöst. In Holloman ist Ulrike Flender die einzige Frau im Lehrgang. Vier Jahre Ausbildung liegen hinter ihr, fernab von Freund und Familie. Erst im fünften Jahr durfte sie in den Tornado steigen. Und noch immer ist die Angst des Versagens übergroß. Denn in Deutschland, bei ihrem 32. Jagdbombergeschwader im bayerischen Lechfeld, wird die stete Prüfung weitergehen: erst ein sechswöchiger Kurs zur Gewöhnung an die vielen Flugbeschränkungen und das schlechte Wetter in Europa, dann noch zwei Jahre Training bis zum Status "full combat ready" – voll einsatzbereit.

In der weiten, offenen Wüste New Mexicos machen die Flugschüler ihre ersten Versuche im Tornado, am Tage und nachts, ganz hoch und richtig tief. Nirgendwo sind die Bedingungen besser als hier, wo man meint, den Horizont berühren zu können, so klar ist die Luft. Doch vom schönen Himmel merken die Piloten am Anfang wenig. "Jetpilot ist das wohl Anspruchsvollste, was man in der Bundeswehr machen kann", sagt Ausbilder Oliver Rabensdorf. "Was die Schüler heute in der Theorie lernen, setzen sie morgen in Überschallgeschwindigkeit um." Regelmäßig müssen sie zum medizinischen Check. Ulrike Flender raucht nicht, Alkohol trinkt sie wenig und selten. Bis zu zehn Stunden dauern die Konzentrationsphasen, vom ersten Briefing über den Flug bis zur Kritik danach. Für so einen Beruf muss man gemacht sein. Geistig und körperlich.

Ulrike Flender hat die Figur einer Tänzerin und das Gesicht eines Mädchens. Eine Frau mit raspelkurzen Haaren hätte man erwartet, mit schmalen Lippen und männlichen Gesichtszügen, die erste deutsche Kampfpilotin; so ein Weg muss doch Spuren hinterlassen. Doch man sieht es ihr nicht an, sie hat große braune Augen mit dichten Wimpern, die ihr einen Bambi- Bonus geben, könnte man meinen. Bis man sie im Briefing erlebt. Da sitzt sie ganz still, den Oberkörper leicht gebeugt, hört zu, gibt knappe Antworten, "attack heading is one-nine-five" oder einfach "okay", ihr Gesicht zeigt keine Regung. Sie spielt nicht mit den Haaren, ihre Hände liegen locker im Schoß, ihr Blick ist auf Tafel oder Bildschirm gerichtet. Eine knappe Stunde geht das so, Ulrike Flender wiederholt ihren Auftrag, nennt Flugzone, Windgeschwindigkeit, feindliches Radar; alles wird besprochen, bis ins Detail.

Sie gilt als Phänomen

Dann geht es schnell. Vor ihrem Spind schlüpft sie in die olivgrüne Fliegermontur, greift sich Helm und Sauerstoffmaske und geht nach draußen, wo gerade die Sonne untergeht, ein Spektakel in Feuerrot. Nur dass gerade keine Zeit ist für Flieger-Romantik. Der Truck mit den hölzernen Sitzbänken ist vorgefahren, die Piloten springen hinein. Niemand sagt ein Wort. Sie blicken in den Himmel, der sie in ein paar Minuten verschlucken wird. Auch diesen Flug absolviert Ulrike Flender fehlerfrei. In Holloman gilt sie inzwischen als Phänomen: Nicht einen Flug habe es gegeben, auf dem sie eingebrochen sei, "was zwangsläufig irgendwann passiert, bei jedem Schüler", sagt Major Alwin Kroh, einer der Ausbilder. Ihre Fähigkeiten gelten als überdurchschnittlich, in Theorie und Praxis. Worüber vor allem die Ausbilder froh sind. "Wenn Ulrike Flender ein Fall wäre, der auf der Kippe stünde, wäre es schwieriger für uns", sagt Kroh. "Müsste man sie ablösen, hieße es: typisch, diese Chauvinisten. Und ließe man sie durchkommen, hieße es: weil sie 'ne Frau ist."

Doch wer ihre Flugnoten sieht, verstummt, zwangsläufig. Auch diejenigen, die niemals zugeben könnten, dass eine Frau so gut fliegen kann. Eine typisch weibliche Art zu fliegen gebe es nicht, sagen die Ausbilder, unterschiedliche Typen, ja, aber sonst? "Vielleicht bin ich ein bisschen vorsichtiger als andere", sagt Ulrike Flender. Man müsse sich eben immer konzentrieren. "Wer Probleme hat, bleibt am Boden, ansonsten heißt es nur: Wir fliegen, wir fliegen, wir fliegen", sagt sie und schlägt sich im Rhythmus der Satzteile an ihre Schläfen. Jetzt ist sie ganz bei sich, spricht über das, was sie mag, nicht druckreif, aber sehr bewegt. Wird rot, ab und zu, wenn es um Persönliches geht, weil sie schüchtern ist. Bloß keine Zeit verlieren, scheint sie zu denken, schnell wieder fliegen. Sie träumt davon, solange sie denken kann.

Astronautin wollte sie werden als kleines Mädchen, mit Puppen, sagt Ulrike Flender, habe sie nie gespielt. Ihr Vater ist Elektrotechniker, ihre Mutter Bauingenieurin. Die zehnte Klasse verbringt sie als Austauschschülerin in den USA, auf ihren eigenen Wunsch. "Mein Vater fand, dass ich zu jung war, da habe ich ihn so lange bearbeitet, bis er es erlaubt hat", sagt sie. Die Mutter schickt ihr einen Zeitungsartikel nach Colorado, er handelt von Tornado-Jets. Vielleicht hat sie es sogar irgendwann bereut. "Es ist schon so, dass meine Mutter viel Angst um mich hat, während mein Vater mich sehr unterstützt", sagt sie.

Schlag auf Schlag

Mit 18 Jahren macht sie in ihrer Heimatstadt Stuttgart Abitur, ihre Leistungskurse sind Technik und Englisch. Dann geht es Schlag auf Schlag. Offiziersprüfung in Köln, beste Ergebnisse im Pilotentest, Grundausbildung in Bayreuth und Flugstunden in Kanada und den USA, die meiste Zeit an der Seite ihrer Kameraden Björn und Kevin, Alex, Matthias und Eric. Sie weiß, dass sie nie teilhaben wird an den kleinen männlichen Ritualen, den rauen Sprüchen, "so wie die würde ich meine beste Freundin nicht begrüßen", sagt sie.

Zusammen stehen sie im Eingang des Hauptquartiers, beantworten geduldig die Fragen, schauen sich hilflos an von Zeit zu Zeit, als wollten sie sagen: Wo ist denn das Problem? "Wir sind mit Frauen zur Schule gegangen, haben mit ihnen studiert – warum soll es auf einmal etwas Besonderes sein, mit einer zusammen ausgebildet zu werden?", fragt Björn Andersen, er schüttelt den Kopf. Wie oft am Tag der Spruch "Frau am Steuer" denn so falle? Langsam kommt Ärger auf. "Nie", ist die knappe Antwort. "Was glauben eigentlich alle, was wir hier machen", sagt einer der Soldaten. "Wenn ich mit 500 Sachen im Tiefflug unterwegs bin und nur eine Sekunde nachdenke, ob vor mir eine Frau sitzt, dann schlage ich im Boden ein, da macht der Boden keinen Unterschied." Ulrike Flenders Blick wandert unruhig umher, es ist ihr unangenehm, dass es nur um sie geht.

Aber daran wird sie sich gewöhnen müssen. In diesen Tagen hat ihr Training in Bayern begonnen. Und dort wird sie jetzt sogar um Autogrammkarten gebeten. Verschwinden geht nicht.

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Dachüberstand beim Gerätehaus und Mindestabstand Grenze zum Nachbarn
Ich wohne in Baden-Württemberg und plane auf meinem Grundstück einen alten Schuppen durch ein neues Gerätehaus (kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte im Gebäude!) mit den Grundmaßen 3,50 m x 2,50 m und Firsthöhe von 2,21 m zu ersetzen. Da die neue Anlage etwa 60 cm in einer Geländestufe aufgestellt wird, ist die Wand gegenüber dem Nachbarn tatsächlich nur ca. 1,6 m gegenüber der OK des Gartens hoch. Es soll eine verfahrensfreie Umsetzung in einer Grenzbebauung durchgeführt werden. Auf dem Nachbargrundstück ist eine ca. 3m hohe Thuja Hecke, die geringfügig über die Grenze herüber ragt. Nun hat das geplante Gerätehaus einen umlaufenden Dachüberstand von ca. 20 cm, sodaß die Außenmasse des Fundaments etwa 20 cm von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Damit ist sichergestellt, dass der Dachüberstand nicht mit dem Nachbargruzdstück überlappt. Wie sieht es nun entsprechend der LBO Baden-Würtenberg mit der Regelung zum Mindestabstand gegenüber der Grenze des Nachbarn aus? Ich sehe 3 Möglichkeiten: a) es gilt als Grenzbebauung. Die überhängende Thuja-Hecke stört mich nicht. b) es müssen 50 cm Mindestabstand eingehalten werden. c) der Überstand am Gerätehaus an der Grenze zum Nachbarn muss entfernt werden, damit der Aufbau als Grenzbebauung anerkannt wird. PS: Zusammen mit der Länge der Garage des Nachbarn wird eine Grenzbebauung von 9m nicht überschritten. Mit der Bitte um eine Rückmeldung, sodaß ich meinen Plan vernünftig abschließen kann. mfg