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Deutschunterricht missglückt: Schüler spielen "Die Welle" nach – mit "Hitlergruß" und "Gaskammer"

Das pädagogische Konzept einer Lehrerin in Österreich schlug fehl, ihren Schülern diente der Film "Die Welle" zur Inspiration statt als Abschreckung. Er spaltete die Klasse in SS-Männer und "Drecksjuden".

Schauspieler Jürgen Vogel im Film "Die Welle"

Jürgen Vogel im Film "Die Welle" von 2008. In einer Schulklasse in Österreich diente er als Inspiration zur Nachahmung, offenbar hatte die pädagogische Begleitung nicht ausgereicht.

Picture Alliance

Wie schnell sich eine gesellschaftliche Struktur ändert, zeigt ein aktueller Fall im österreichischen , der sich unter Schülern nach der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ereignete. Zehn Jahre ist der Film "Die Welle" alt, in dessen Hauptrolle Jürgen Vogel seine Schüler in einem aufwendigen Sozialexperiment den Nationalsozialismus nachspüren lässt, die Verfilmung geht auf das Buch von Morton Rhue von 1981 zurück.

Beides, Buch und Film, waren Inhalt des Deutschunterrichts einer Klasse von 13- und 14-Jährigen in Zurndorf. Ganz wie im Film, in dem  das Experiment des Lehrers seiner Aufsicht entglitt, schlug auch der Unterricht einer Deutschlehrerin bei ihren Schülern fehl: Diese spielten in den Pausen Drittes Reich. In der Sporthalle übernahmen einige die Rolle von SS-Männern, andere spielten Juden. Als "Drecksjuden beschimpft", wurden sie geschubst und in den Lagerraum für Sportgeräte eingesperrt, wie "Kurier.at" berichtet.

Ein "pädagogischer Super-GAU"

Die Staatsanwaltschaft im österreichischen Burgenland ermittelt nun gegen fünf Schüler, bestätigte ein Sprecher der Behörde in Eisenstadt, rund 70 Kilometer südlich von Wien, am Donnerstag. Ein "Anführer", der knapp 15-jährige Lenni (Name geändert, Anm. d. Red.), soll unter anderem einen besonderen Gruß verlangt haben. Ein Mitschüler sagte  später aus, man habe sich auf den Kopf klatschen und mit erhobener rechter Hand "Heil Lenni" sagen müssen. Wer sich weigerte, sei in die sogenannte " ", den Mattenraum hinter dem Gymnastikraum, gesperrt worden, so "Kurier.at".

Das "Spiel" soll tagelang in den unbeaufsichtigten Pausen stattgefunden haben. Erst als das Gebrüll immer lauter wurde, sei eine Lehrerin eingeschritten. Nach einem handgeschriebenen Statement, das die Schule von den Jugendlichen eingefordert hatte, habe die stellvertretende Direktorin die Polizei gerufen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil das Verherrlichen von Bildern, Symbolen oder Texten aus der NS-Zeit verboten ist. Dass die Lehrer an der Schule in Zurndorf das Thema Manipulation nicht vor dem Lesen des Buches aufgriffen, nennt Anwalt Andreas Schweitzer, der einen der beschuldigten Jugendlichen vertritt, einen "pädagogischen Super-GAU".

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bal mit DPA