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Bistum Augsburg : "Abscheuliche Straftaten": Bericht prangert jahrzehntelangen Missbrauch in Kinderheim an

Erzieher und Leiter eines kirchlichen Heims sollen über Jahre Kinder missbraucht haben. Hilfe bekamen die Opfer nie. Ein Bericht des Bistums Augsburg spricht von "überbordender Gewalt" und einer "Kultur des Wegschauens".

Heilig-Kreuz-Kloster

Heilig-Kreuz-Kloster: Hinter diesen Mauern sollen sich bis in die 1970er-Jahre Heimleiter und Erzieher an Kindern vergangen haben

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In dem Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz herrschten über Jahrzehnte sexueller Missbrauch und Gewalt. Dies ist das Ergebnis eines vom Bistum Augsburg vorgestellten Untersuchungsberichts zu den Vorfällen seit den 1950er-Jahren. Der pensionierte Richter Manfred Prexl sprach von "überbordender Gewalt", die in dem Kinderheim bis zu dessen Schließung 1977 ungehindert geschehen konnte.

Der ehemalige Vorsitzende Richter des Münchner Oberlandesgerichtes hatte im Auftrag des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa zusammen mit Kollegen die damaligen Vorfälle untersucht. Die Mitglieder der Gruppe haben 14 frühere Bewohner und zwei ehemalige Erzieherinnen des Heims befragt.

Nach den Schilderungen hätten die Kinder damals schwerwiegende "physische, psychische und soziale Gewalt" erlebt, berichtete Prexl. Zwei Männer und eine Frau seien zudem vom Pädagogischen Direktor des Heimträgers teils jahrelang "in massiver Weise sexuell missbraucht" worden. Zweifel an den Schilderungen gebe es nicht, betonte er. Alle Beschuldigten seien aber bereits gestorben.

 

Seit 2010 hält der Skandal um Missbrauch in der Kirche an

Generalvikar Harald Heinrich sprach gegenüber der Zeitung "Augsburger Allgemeine" davon, dass die Untersuchungen "zutiefst Erschütterndes und Verstörendes" und "abscheuliche Straftaten" offenbart hätten.  Er prangerte die "Kultur des Wegschauens" an, die damals praktiziert worden sei. So soll eine Lehrerin den Missbrauch bemerkt aber dennoch geschwiegen haben. Auch ein Mitarbeiter des damals zuständigen Jugendamts Lindau hätte das Leid der Kinder ignoriert.

Seit dem Jahr 2010 gab es bereits zahlreiche andere Berichte über körperliche und sexuelle Missbrauchsfälle in früheren kirchlichen oder staatlichen Heimen in Deutschland. Im vergangenen September legte die Bischofskonferenz eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zum Ausmaß sexuellen Missbrauchs durch Geistliche vor. Die Forscher fanden in kirchlichen Personalakten und anderen Dokumenten Hinweise auf 1670 verdächtige Kleriker und 3677 potenzielle Opfer zwischen 1946 und 2014.

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sos / DPA / AFP