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Doppelmörder von Bodenfelde vor Gericht: "Von Frauen hat er sich nichts sagen lassen"

Alkohol, Drogen und Probleme mit Frauen: Im Prozess um den Doppelmord an zwei Jugendlichen aus Bodenfelde schildern Zeugen das Leben des Angeklagten Jan O. - bis hin zu den letzten Stunden vor der Tat.

Von Uta Eisenhardt, Göttingen

Ein trauriges Leben wird vor dem Landgericht Göttingen seziert. Es ist ein Leben, das sich um Alkohol und Drogen rankt, das von Schwierigkeiten mit Frauen geprägt ist. Es ist das Leben des 26-jährigen Jan O., des mutmaßlichen Mörders der 14 Jahre alten Nina und des 13-jährigen Tobias aus Bodenfelde. Am dritten Verhandlungstag berichten verschiedene Zeugen, wie sie den Angeklagten in den letzten Monaten, Tagen, ja Stunden vor der Tat erlebten.

Um von seiner Alkoholsucht loszukommen, befand sich Jan O. in den Jahren 2009 und 2010 im Therapiehaus Amelith. Das Haus liegt am Rand eines Naturparks in der Gemeinde Bodenfelde. "Er hat sich Mühe gegeben in der Therapie", sagt ein Arbeitsanleiter über den Angeklagten. Alkohol, Drogen und Beziehungen waren während der Therapiezeit nicht erwünscht. Dennoch habe Jan O. versucht, mit fast jeder Praktikantin anzubandeln. Regelmäßig kassierte er einen Korb und reagierte darauf mit maßlosem Frust. Er beschimpfte und beleidigte die gerade noch von ihm Angehimmelte. "Das war ganz schlimm", so der Arbeitsanleiter. Grundsätzlich habe der Angeklagte "viel gemotzt", sei aber nie handgreiflich geworden.

Eine Ex-Süchtige berichtet: "Von Frauen hat er sich nichts sagen lassen." Er habe sie beleidigt und mit Gegenständen beworfen. Als sie einmal seinen Lieblingsfußballverein kritisiert habe, bot er ihr eine "dritte Halbzeit" an. Damit würden Hooligans die Schlägerei nach dem Spiel bezeichnen.

Er rechnete jeden Tag mit seiner Verhaftung

In der Nachsorge-Phase baute Jan O. dann "den ein oder anderen Rückfall", so der Arbeitsanleiter. Der Süchtige musste die Therapieeinrichtung verlassen. Er zog nach Uslar, später soll er einen Holzschuppen in Brand gesteckt haben - am Tatort fanden die Ermittler eine Bierflasche mit seiner DNA. Der Vorbestrafte rechnete jeden Tag mit seiner Verhaftung. Bis dahin verbrachte er seine Zeit mit Biertrinken und wanderte durch die Gegend.

So kam er auch des Öfteren nach Bodenfelde: "Weil ich den Weg dorthin cool fand", gab er in seiner Vernehmung im November 2010 an. Aus Bodenfelde stammte auch Antonia. Die 15-Jährige hatte ihn einige Zeit vor den Morden im Zug von Göttingen kennen gelernt. Sie kam gerade mit einer Freundin aus dem Kino und bat Jan O., beide nach Hause zu bringen: "Das hat er gemacht."

Sie hätten ihre Telefonnummern ausgetauscht und sich in den nächsten Wochen fünf Mal getroffen. "Ich habe ihn als liebenswürdigen, netten Menschen kennen gelernt", sagt die hübsche, füllige Brillenträgerin. Auch am 20. November, am Tag als Tobias sterben musste, hatte sich Antonia mit dem mutmaßlichen Mörder verabredet. Aber sie war an diesem Tag bei Freunden und sagte ab. "Dieses Mädchen ist vielleicht dem Tod von der Schippe gesprungen", überlegt Cornelia Marahrens, die Pressesprecherin des Göttinger Landgerichts.

Statt der 15-Jährigen traf Jan O. eine junge Frau, die Antonia ziemlich ähnelt. Dass Ramona R. schon 17 Jahre alt ist, erstaunt nicht nur den Vorsitzenden Richter. Auch der Angeklagte hielt an diesem Tag, wie er es in seinem "Endgeständnis" zugegeben hat, nach Mädchen und nicht nach jungen Frauen Ausschau. Ein Mädchen zum Schlachten, wie er es nach dem Mord an Nina auf Facebook notiert hatte.

Ramona R. gab vor, ihre Nummer vergessen zu haben

Ramona R. traf er zwei Stunden bevor er dann den irrtümlich für ein Mädchen gehaltenen Tobias tötete. Sie unterhielten sich zwanzig Minuten auf dem Parkplatz eines Supermarktes, wobei die junge Frau darauf achtete, "dass noch Leute auf dem Parkplatz sind." Sie hatten herausgefunden, dass Jan O. den Vater, den Onkel und den Großvater des Mädchens kannte, zum Teil aus dem Therapiehaus Amelith. Darum habe er ihr von seiner unschönen Kindheit erzählt und dass er das Therapiehaus verlassen musste, als man ihm den Konsum von Haschisch anhand einer Urinprobe nachweisen konnte.

"Ich wollte mich dann nicht länger unterhalten", sagt die Zeugin. Ihr Gesprächspartner bat sie um ihre Telefonnummer: "Das mache ich immer so, wenn ich ein Mädchen kennen lerne", sagte er in seiner Vernehmung. Ramona R. gab vor, ihre Nummer vergessen zu haben und bat ihn um seine. Als ihr eine Freundin erzählte, dass man den ermordeten Jungen zuletzt am Bahnhof gesehen habe, fiel ihr ein, dass Jan O. mit dem Zug nach Uslar fahren wollte. Sie gab der Polizei seine Telefonnummer: Das war der entscheidende Hinweis, der zur Festnahme des mutmaßlichen Sexualmörders und Kannibalen führte.

Ein Messer, eine blutverschmierte Hand und ein Penis

Bei seinen Vernehmungen war Jan O. gesprächsbereit, doch immer wieder sagte er die Unwahrheit, etwa, er habe Tobias umgebracht, weil er glaubte, der Junge habe ihn beim Besuch von Ninas Leiche beobachtet. Oder, er habe sofort gewusst, dass Tobias ein Junge sei. Auch sagte er: "Darüber möchte ich nicht reden." Oder: "Ich kann es nicht aussprechen." Insbesondere war es ihm unangenehm, auf das Video angesprochen zu werden, das die Ermittler auf seinem Handy entdeckt hatten. "Ich möchte nicht sagen, was ich aufgenommen habe", sagte er in seiner Vernehmung.

Das Gericht schaut es sich an diesem Verhandlungstag an: Es zeigt Ninas unbekleideten Unterkörper, die Haut ist mit Schnitten übersät. Ein Messer ist zu sehen, eine blutverschmierte Hand und ein Penis.

Nach der Vernehmung hätten ihm die Wachtmeister berichtet, so der Ermittlungsrichter, "dass der Stuhl, auf dem Herr O. saß, eingenässt war."

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