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Demo in Dresden: Pegida schwenkt nach Bachmanns Rückkehr nach rechts

Weniger Demonstranten, aber noch mehr Parolen aus dem rechten Spektrum: Die erste Demo nach der Spaltung der islamkritischen Bewegung zeigt, wohin Lutz Bachmann Pegida führt.

Die islamkritische Pegida-Bewegung in Dresden rückt nach rechts - auch wenn sie das selbst bestreitet. Doch wer den Auftritt der selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" bei ihrer 14. Kundgebung am Montagabend erlebte, musste diesen Eindruck gewinnen.

Nicht wenige Demonstranten hatten wohl an Bierständen "vorgeglüht", die Stimmung auf der Kundgebung war aggressiv. Ein Muskelprotz drückte einem ausländischen Fernsehteam die Kamera zur Seite und überschüttete die Reporter mit Beleidigungen. Mit Sprechchören wie "Lügenpresse" und "Ami go home" machten sich die Teilnehmer immer wieder Luft.

Inzwischen ist ein neue Parole hinzugekommen: "Druschba, Druschba" (russisch: Freundschaft) erscholl es immer dann, wenn Redner "Hetze und Kriegstreiberei" des Westens gegen Russland anprangerten. Besonders laut jubelte die Menge, als vor "ungebremster Masseneinwanderung" gewarnt wurde. Redner Götz Kubitschek, der als Vertreter der Neuen Rechten gilt, verglich Deutschland mit einem Irrenhaus: "Die Verachtung des Eigenen muss ein Ende habe", rief er unter dem Beifall der Menge.

Menge skandierte "Lügenpresse, Lügenpresse"

Pegida "light" oder doch lieber das Original? Vor dieser Frage standen die Anhänger der Bewegung, nachdem sich das Dresdner Bündnis im Streit um die Führungsrolle von Gründer Lutz Bachmann Ende Januar gespalten hatte. Die Antwort fiel am Montag deutlich aus.

Denn nachdem am Sonntag zur ersten Kundgebung des von Pegida-Aussteigern gegründeten Bündnisses "Direkte Demokratie für Europa" (DDFE) nur etwa 500 Leute auf den Neumarkt gekommen waren, lockte Pegida tags darauf an gleicher Stelle deutlich mehr Anhänger an - nach Schätzungen der Polizei rund 2000 Menschen, nach Schätzungen von Beobachtern mehr.

Moderate Töne bei "Direkte Demokratie für Europa"

Während bei DDFE weder Stimmung noch Sprechchöre aufkamen, inhaltlich aber versöhnliche Töne in Richtung Politik angestimmt wurden, lieferte Pegida am Tag darauf ein gänzlich anderes Bild: Statt Gesprächsbereitschaft gab es Politiker- und Medienschelte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck bekamen wieder ihr Fett weg. Sie gelten Pegida als "Volksverräter".

Dagegen hatten sich Ex-Sprecherin Kathrin Oertel und ihre ausgestiegenen Mitstreiter am Sonntag um moderate Töne bemüht. In ihren sieben Forderungen geht es neben direkter Demokratie und Meinungsfreiheit unter anderem auch um innere Sicherheit, Renten- und Familienpolitik und das geplante Freihandelsabkommen TTIP - Themen, die in aller Munde sind, zu denen aber auch alle Parteien bereits mehr oder minder deutlich Stellung bezogen haben. Von drohender Islamisierung ist keine Rede mehr.

Unverhohlene Drohung an "die da oben"

Ganz anders bei Pegida. Dort wurden am Montag wieder düstere Szenarien über die Zukunft des Abendlandes an den Nachthimmel von Dresden gemalt. Der war bei nasskaltem Wetter diesmal besonders finster. Die Frauenkirche hatte aus Protest gegen Pegida die Beleuchtung ausgeschaltet. Auch Restaurants am Neumarkt wappnen sich inzwischen mit kleinen Aufklebern: No Pegida.

Schon die Sprache der Plakate verrät, wohin es mit Pegida in Dresden noch gehen könnte. "Doch eines Tages wird Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann gnade euch Gott", hieß eine unverhohlene Drohung an "die da oben" auf einem Plakat.

Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der sich vor drei Wochen wegen fremdenfeindlicher Äußerungen und einem "Hitler-Selfie" von der Vereinsspitze zurückziehen musste, trat erstmals wieder ins Rampenlicht. Und machte kein Hehl daraus, was er von Medien und deren Anfragen hält. Auf die Frage, wer nach dem Ausscheiden von Oertel künftig für Medienanfragen zuständig sei, sagte er: "Niemand. Deshalb bekommen sie auch keine Antwort. Dies hier ist unsere Antwort."

tkr/Jörg Schurig/Martin Fischer/DPA / DPA