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Dresdner Friedenspreis für Ex-Sowjet-Offizier Petrow "Ich wollte nicht schuld sein am Dritten Weltkrieg"


Ein Computerfehler brachte die Erde 1983 an den Rand eines Weltkriegs. Doch ein sowjetischer Offizier behielt die Nerven - und wurde dafür nun mit dem Dresdner Friedenspreis ausgezeichnet.

Möglicherweise stand die Welt am 25. September 1983 kurz vor einem Atomkrieg. Doch ein Offizier der Sowjetarmee behielt die Nerven, als ein Computer irrtümlich einen Raketenangriff der USA auf die Sowjetunion anzeigte. Für seine besonnene Reaktion wurde Stanislaw Petrow jetzt geehrt - mit dem mit 25.000 Euro dotierten "Dresden-Preis".

Petrow schilderte während des Festaktes in der Dresdner Semperoper die entscheidenden Minuten in der Kommandozentrale. In jener Nacht hatte der Militär den Oberbefehl über ein Luftüberwachungszentrum nahe Moskau, als der Computer den Abschuss von fünf US-Raketen Richtung Sowjetunion anzeigte. Der studierte Systemanalytiker erkannte den Fehlalarm und stoppte so eine verhängnisvolle Kettenreaktion. "Mein Wissen und meine Intuition haben es mir ermöglicht, die richtige Entscheidung zu treffen", erklärte der heute 73-Jährige am Sonntag. Petrow verwies darauf, dass er an der Entwicklung des Abwehrsystems mitgearbeitet hatte und es in- und auswendig kannte. "Ich wollte nicht schuld sein am Dritten Weltkrieg", sollte er später über jenen bedeutungsschwangeren Augenblick sagen. 2004 erhielt Petrow für seine Entscheidung den "World Citizens Award" und wurde später in einem Dokumentarfilm gefeiert als der "Mann, der die Welt rettete". Er selbst betonte, er habe nur seine Arbeit getan.

"Bei Petrow war die Welt in besseren Händen"

Das Publikum in der Dresdner Semperoper erhob sich von den Sitzen, als Petrow die Ehrung in Empfang nahm. Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) würdigte Petrow als Beispiel für Mut und Zivilcourage. Große Taten seien nicht nur mit großen Namen verbunden. In seiner Laudatio erinnerte der TV-Journalist Claus Kleber an den Kalten Krieg und bezeichnete die Logik der Abschreckung als Wahnsinn. "Man musste dafür sorgen, dass der andere weiß: Wer zuerst auf den Knopf drückt, stirbt als Zweiter, aber er stirbt genauso todsicher." Petrow habe mit Hirn, Herz, Mut und einem gehörigem Schuss russischer Volksweisheit gehandelt. Sonst hätte Generalsekretär Juri Andropow entscheiden müssen. "Bei Stanislaw Petrow war die Welt in besseren Händen", sagte Kleber.

Der "Dresden-Preis" würdigt das Engagement für Konflikt- und Gewaltprävention und erinnert an das Schicksal der im Zweiten Weltkrieg zerstörten sächsischen Stadt Dresden. Erster Preisträger war im Jahr 2010 Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow, dem der Preis für sein Engagement für die atomare Abrüstung in den 1980er Jahren verliehen wurde. Im Jahr 2011 wurde der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim für seinen Einsatz für einen Dialog im Nahen Osten geehrt. 2012 erhielt der amerikanische Kriegsfotograf James Nachtwey den Preis. Preisstifter sind die Organisation Friends of Dresden und die Klaus Tschira Stiftung aus Heidelberg.

jwi/DPA/AFP DPA

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