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Drogenmissbrauch: Jugendliche rauchen und trinken mehr

Immer mehr Kinder und Jugendliche sehen es offenbar als Spiel, sich bis zum Umfallen zu betrinken. Die Zahl der Zehn- bis 17-Jährigen, die mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus kamen, hat um 26 Prozent zugenommen.

Während die Zahl der Drogentoten 2003 auf den niedrigsten Stand seit 1989 zurückgegangen ist, nahm der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen, vor allem bei Mädchen, stark zu. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, zeigte sich am Donnerstag besorgt und kündigte den verstärkten Kampf gegen die Abgabe legaler Drogen wie Tabak und Alkohol an Heranwachsende an. Dazu hat die Bundesregierung bereits einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die bei Jugendlichen beliebten Alcopops (alkoholhaltige Mixgetränke) mit einer Sonderabgabe belegt und Kleinpackungen bei Zigaretten verbietet.

Insgesamt starben 2003 in Deutschland 1477 Menschen am Konsum illegaler Drogen. Das waren 2,4 Prozent weniger als 2002, geht aus dem von Caspers-Merk in Berlin vorgelegten neuen Drogen- und Suchtbericht hervor. Im Jahr 2002 hatte es in Deutschland 1513 Drogentote gegeben, im Jahr des Mauerfalls 1989 knapp 1000. Der Höchststand war 1991 mit 2125 Drogentoten erreicht. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen rückläufig. Dies führt die Drogenbeauftragte auf bessere Aufklärung und Therapieangebote zurück.

Regierung besorgt

"Besonders erschreckend" nannte sie die Entwicklung beim Alkoholkonsum junger Menschen. Die Zahl der mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebrachten Jugendlichen nahm innerhalb von drei Jahren um gut ein Viertel zu. Etwa die Hälfte davon seien Mädchen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Die Alcopops hätten in der Jugendszene Bier inzwischen den Rang abgelaufen.

Caspers-Merk bedauerte, dass in der Debatte über die Risiken so genannter harter und weicher Drogen übersehen werde, dass die weitaus größte Zahl von Todesfällen auf den Konsum von Tabak (110.000 Tote) und Alkohol (mehr als 40.000 Todesfälle) entfalle. Sie wandte sich erneut dagegen, die Gefahren durch Cannabis-Produkte (Haschisch) zu bagatellisieren, die am meisten konsumierte illegale Droge.

"Nichtrauchen muss der Normalfall werden"

Sie plädierte dafür, Schulen zum rauchfreien Raum zu machen und sähe es am liebsten, wenn Jugendliche Partys auch ohne Zigaretten und Nikotin "schick" fänden. "Nichtrauchen muss der Normalfall werden", warb Caspers-Merk. Nach wie vor sei Rauchen "das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland". Männer greifen immer weniger zum Glimmstängel: Der Anteil der Raucher ging innerhalb von sieben Jahren von 43 auf 37 Prozent zurück. Bei den Frauen qualmen unverändert 30 Prozent. Der Konsum von Alkohol war in beiden Gruppen rückläufig.

Bei den Rauschgifttoten waren Aussiedler mit zehn Prozent Anteil deutlich überrepräsentiert. Dies führte Caspers-Merk auf einen in dieser Gruppe häufig vorkommenden exzessiven Genuss von Heroin und Alkohol zurück. "Integration ist die beste Form der Prävention", meinte dazu die SPD-Politikerin.