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Ehec-Epidemie: Bauern fordern Entschädigung in Millionenhöhe

Warnungen vor Gurken, Tomaten und Salat - Gemüsebauern hat die Ehec-Epidemie mit voller Härte im Geldbeutel getroffen. Nun fordern die Landwirte Schadenersatz in Millionenhöhe. Derweil warnt die Weltgesundheitsorganisation vor weiteren Infektionswellen.

Sie fühlen sich als Sündenböcke der Nation: Deutsche Landwirte fordern den vollen Ersatz der im Gemüseanbau Ehec-Krise entstandenen Schäden. "Die Gemüsebauern sind in die Absatzkrise gekommen, weil das Robert-Koch-Institut und die anderen amtlichen Stellen ständig vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Salat gewarnt haben", sagteChristoph Nagelschmitz, der Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern.

Die Gemüsebauern seien völlig unverschuldet in eine existenzgefährdende Situation geraten, denn es habe keine Belege für eine Kontamination mit dem Ehec-Erreger gegeben. "Deshalb erwarten wir mit vollem Recht den vollen Ersatz der in der Gemüsewirtschaft entstandenen Schäden", sagte Nagelschmitz. "Es war eine furchtbare Situation für uns wie für unsere Mitarbeiter, gesundes, frisches Gemüse vernichten und das Ergebnis unserer Arbeit unterpflügen oder in der Biogasanlage entsorgen zu müssen."

Die bislang von der EU vorgeschlagenen 210 Millionen Euro reichten "bei weitem" nicht aus. Allein in Deutschland werde mit wöchentlichen Schäden von mehr als 30 Millionen Euro gerechnet. An diesem Dienstag ist die Entschädigung Thema bei der EU in Brüssel.

Meldewesen soll verbessert werden

Unterdessen hat das RKI eingeräumt, dass das Meldewesen bei Epidemien wie Ehec verbessert werden sollte. "Man muss darüber sprechen, sobald die Krise vorbei ist", sagte ein RKI-Sprecher. Er räumte ein, dass Informationen auf elektronischem Wege den Empfänger schneller erreichen könnten. Insgesamt gebe es aber "keinen Anlass, sich zu beschweren. Das hat gut funktioniert".

Mit Blick auf Neuinfektionen wollte der Sprecher noch keine Entwarnung geben. "Die Zahlen bewegen sich auf niedrigerem Niveau als zu Beginn. Es ist aber noch zu früh, um von einem stabilen Trend zu sprechen." So würden die Krankheitsfälle möglicherweise nur sinken, weil die Träger des Keimes nicht mehr verzehrt würden. Der Sprecher bezeichnete die Epidemie und die schwere Verlaufsform HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) in Deutschland als bislang einzigartig.

Lebenslange Schäden bei rund 100 Patienten

Viele der Ehec-Kranken werden ihr Leben lang unter den Folgen der Epidemie leiden. "Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der "Bild am Sonntag". Ärzte hatten zudem über schwere neurologische Schäden berichtet.

Insgesamt tötete der Darmkeim bisher 35 Menschen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte. Darunter seien 34 Todesfälle in Deutschland und einer in Schweden. WHO-Expertin Zsuzsanna Jakab betonte, es sei der heftigste jemals in der Region Europa registrierte Ehec-Ausbruch. Lauterbach warnte vor weiteren Infektionswellen in Deutschland: "Ehec-Erreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland wird es künftig immer wieder zu Ausbrüchen kommen."

be/DPA/AFP / DPA