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Ein Jahr Konsumverzicht im Selbstversuch: Raus aus dem normalen Leben

Schluss mit Konsum: Greta Taubert wagte den Selbstversuch, ging in den Wald jagen und lebte von Pflanzen aus der Großstadt. Dabei entdeckte sie interessante Menschen - und sich selbst vollkommen neu.

Shoppen gehen? Für Greta Taubert war das zwölf Monate kein Thema

Shoppen gehen? Für Greta Taubert war das zwölf Monate kein Thema

Es gab einen Moment, da wollte Greta Taubert keine Vegetarierin mehr sein. Die 30-Jährige saß auf einem Hochstand im Wald. Neben ihr hockte ein Jäger mit der Waffe in der Hand, der Rehbock in Sichtweite. "Ich will, dass er stirbt. Ich will ihn essen", schreibt die Autorin in ihrem Buch über diesen Moment. Die Jagd-Episode ist eine von zahlreichen Erfahrungen, die Taubert im vergangenen Jahr gemacht hat. Aus ihnen ist nun ein Buch über Konsumverzicht entstanden. "Apokalypse Jetzt!" könnte eine Debatte anregen, wie wir in Zukunft mit unseren Ressourcen umgehen.

Greta Taubert wiegt heute 20 Kilogramm weniger als vor einem Jahr. Sie trägt ausschließlich Kleidung, die sie nicht selbst gekauft hat und ihr Dekolleté schmückt eine Kette aus einem Dosendeckel. "Ich hatte mich gefragt, was passiert eigentlich aus der ganzen schönen Welt, die um mich rum ist, die meinen Po schön warm hält. Was ist eigentlich, wenn die zusammenbricht?", sagt die Autorin zu den Gründen ihres außergewöhnliches Experiments. Das Thema wurde immer bedeutsamer, als sich die Krisen in Europa häuften. Als es erst eine Bankenkrise gab, dann eine Finanzkrise und später die Eurokrise.

Der Zusammenbruch schien immer näher zu kommen. Und Taubert stellte sich die naheliegende Frage: Wie kann ich mich eigentlich krisenfest machen? Die Autorin ging auf die Suche nach einer Überlebensstrategie. Wie geht das, in einer Gesellschaft voller Konsum so unabhängig wie möglich zu sein? Dabei wollte Taubert nicht nur Menschen treffen, die sich ähnliche Gedanken machen, vor allem wollte sie den Verzicht am eigenen Leib erfahren. "Ich bin da vollkommen kopflos rangegangen", sagt sie. Das Grundgefühl, von dem sie ausgegangen war, sei eben ein Gefühl. "Und das war Angst."

Nicht der erste Selbstversuch dieser Art

Selbstversuche dieser Art sind nichts Neues. Eine Schülerin aus Darmstadt etwa trug vor zwei Jahren zwölf Monate lang ein und dasselbe T-Shirt. Sie wechselte zwar das Modestück aus hygienischen Gründen aus, Motiv und Stil blieben jedoch immer gleich. Es ging darum, dem "Mainstream" zu entkommen und der Konsumwelt ein Stück weit zu entfliehen. Eine Autorin des Jugendmagazins "Spiesser" versuchte vor vier Jahren, einen Monat lang nichts einzukaufen und auf jeglichen Luxus zu verzichten. Ihr Zwischenfazit damals: "Die Idee, als völliger Aussteiger zu leben, macht auch mich nicht selig, sondern stresst."

Die Leipzigerin Greta Taubert experimentierte nun gleich zwölf Monate lang und suchte Menschen, die sich bereits mit Konsumverzicht beschäftigt hatten. So traf Taubert einen Mann, der von Pilzen leben könnte. Eine Frau, die sich ausschließlich von Kräutern ernährt.

Sie kaufte die Notration, die von der Bundesregierung für Krisen empfohlen wird, ging in den Wald jagen, begann ihre Kleidung selbst zu nähen und lebte von Pflanzen aus der Großstadt. Dabei lernte sie viel, nicht nur über andere, sondern auch über sich selbst. Die interessanteste Erfahrung sei gewesen, wie schnell man sich dann doch an Dinge gewöhnen könne. Zum Beispiel sei es im Grunde einfach, kein Fleisch mehr zu essen.

"In unserer Kultur komplett auf Konsum zu verzichten, ist fast unmöglich"

Doch nicht jeder kann sich in der Gesellschaft beispielsweise komplett selbst versorgen. So sieht es Hans-Georg Häusel. Er ist Neuromarketing-Experte und beschäftigt sich mit Konsum sowie den Vorgängen im Gehirn dabei. "In unserer Kultur komplett auf Konsum zu verzichten, ist fast unmöglich", sagt er. Unsere Zivilisation lasse das nicht zu. Jedoch sei es möglich, ausgewählter und weniger zu konsumieren - ohne dabei gleich zum Asketen zu werden.

Einen Trend zum Konsumverzicht kann Häusel in Deutschland nicht erkennen. "Kein Mensch tut sich freiwillig Schmerz an, außer den Asketen", sagt er. Wer Verzicht ausprobiere, werde Suchtsymptome erkennen. Denn: "Unsere Konsumkultur läuft in großen Teilen über Belohnung, zum Beispiel eine Flasche Wein kaufen oder in den Urlaub fahren." Manche seien anfälliger und brauchten mehr Belohnung als andere.

Tauberts Versuch hingegen, auf Konsum komplett zu verzichten, fiel ihr nicht so schwer wie anfangs gedacht. Im Gegenteil: Jetzt hat die Leipzigerin Schwierigkeiten, wieder in ein normales Verhalten zurückzufinden. Wenn die Autorin nun etwa neue Kleidung benötigt, beteiligt sie sich an Tauschbörsen. Taubert hat im Laufe des Jahres ihre Bedürfnisse reduziert, macht sich mehr Gedanken über ihre Ernährung, spart Geld und damit auch Zeit. "Die Quintessenz ist, dass wir nicht warten sollten, bis es zu schlechten Zeiten kommt", sagt sie resümierend. "Wir sollten jetzt anfangen, umzudenken und etwas anders zu machen."

Björn Menzel/DPA / DPA
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