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Einheitsfeier in Bonn: Würdigung von Verdiensten der DDR-Bürger um die Einheit

Beim Festakt zum Einheitsfeiertag in Bonn haben Bundesratspräsidentin Kraft und Verfassungsgerichtspräsident Voßkuhle den Widerstand in der DDR gewürdigt.

Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle und Bundesratspräsidentin Hannelore Kraft (SPD) haben 21 Jahre nach der Wiedervereinigung die Verdienste der Ostdeutschen um die Einheit gewürdigt. Beim Festakt zum Einheitsfeiertag am Montag in Bonn plädierten Voßkuhle und Kraft zudem für eine Stärkung der Demokratie in der EU. "Europa lässt sich nicht auf ein einfaches Rechenspiel reduzieren", mahnte Voßkuhle.

Vor führenden Repräsentanten von Staat und Gesellschaft, darunter Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel (CDU), erinnerten Voßkuhle und Kraft bei dem Festakt im alten Bonner Bundestag an den Beitrag der früheren DDR-Bürgerrechtler zur Wiedererlangung der Einheit. Es seien Bürger der damaligen DDR gewesen, "die in den Montagsdemonstrationen in bewundernswerter Weise aufgestanden sind gegen das Unrecht des SED-Staates", sagte Voßkuhle. Kraft versicherte: "Wir werden nicht vergessen, dass die demokratische Bürgerrechtsbewegung in der damaligen DDR die Verhältnisse dort ins Wanken gebracht hatte."

Angesichts der Schuldenkrise ging Voßkuhle auch ausführlich auf die Debatte über den künftigen Weg der Europäischen Union ein. Europa sei "keine Momentaufnahme". Vielmehr gründe die EU "auf der historisch unhintergehbaren Einsicht, dass Frieden, Freiheit und Wohlstand auf diesem Kontinent dauerhaft nur durch einen engen Verbund gewährleistet werden können". Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts plädierte zugleich für eine lebendige Demokratie in Europa. Wohin Europa gehe, dürfe "nicht allein in elitären Zirkeln entschieden werden".

Auch Kraft warnte davor, sich angesichts von Schuldenkrise und Auswüchsen auf dem Finanzmarkt in eine "vermeintliche nationale Idylle zurückzuziehen". "Es wäre ein historischer Fehler, dieser Versuchung nachzugeben." Die Antwort auf die aktuelle Krise sei "nicht weniger sondern mehr Europa".

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erinnerte in Berlin daran, dass die deutsche Einheit "auch die Geburtsstunde der europäischen Wiedervereinigung" gewesen sei. "Deshalb ist der Tag der deutschen Einheit auch ein guter Tag, um die europäische Idee zu würdigen."

Dem offiziellen Einheits-Festakt in Bonn war am Montagmorgen ein ökumenischer Festgottesdienst mit rund tausend Gästen in der Bonner Kreuzkirche vorangegangen. Gefeiert wurde der Gottesdienst vom Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, dem Kölner Erzbischof Joachim Meisner und dem Metropoliten von Deutschland, Augoustinos.

Wulff hatte bereits am Sonntag die Verdienste der Bürger um die Wiederherstellung der Einheit gewürdigt. "Vor 22 Jahren ist es mutigen Bürgern gelungen, die Mauer zum Einsturz zu bringen. Die Menschen konnten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und unser Land konnte wieder vereint werden", sagte Wulff bei der Eröffnung eines Kinder- und Familienfests in Bonn.

Merkel hatte am Samstag auf noch "gravierende Unterschiede" zwischen Ost und West hingewiesen. "Der demografische Wandel, also die Abwanderung von jungen Leuten, weniger Kinder, das spielt in den neuen Bundesländern eine viel größere Rolle" und "die Arbeitslosigkeit ist immer noch fast doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern", sagte die Kanzlerin in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Gleichwohl zeigte sich Merkel überzeugt, die Vollendung der Einheit sei auf gutem Weg

AFP / AFP