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Einsegnungsfeier in Berlin Erste Rabbinerin mit deutscher Ausbildung empfängt Weihe


Mit der Ordination dreier junger Rabbiner haben Juden aus aller Welt am Donnerstag in Berlin die Begründung des Reformjudentums vor 200 Jahren gefeiert. Bei dem Gottesdienst empfing auch die erste in der Bundesrepublik ausgebildete Rabbinerin, Alina Treiger, die Weihe.

Mit der Ordination dreier junger Rabbiner haben Juden aus aller Welt am Donnerstag in Berlin die Begründung des Reformjudentums vor 200 Jahren gefeiert. Bei dem Gottesdienst empfing auch die erste in der Bundesrepublik ausgebildete Rabbinerin, Alina Treiger, die Weihe. Ihre Einsegnung nahmen Amtskollegen aus Israel, Nordamerika, Südafrika und zahlreichen europäischen Staaten vor. Weitere Ehrengäste in der Synagoge Pestalozzistraße waren Bundespräsident Christian Wulff, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlins, Lala Süsskind. Den Segen erteilte der Präsident des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam, Rabbiner Walter Jacob.

Die drei Absolventen haben ein fünf Jahre umfassendes Studium am Rabbinerseminar des Geiger Kollegs mit dem Magistertitel beendet. Das Kolleg ist Mitglied des Weltverbandes Progressiver Juden. Orthodoxe Juden lehnen die Übernahme des Rabbineramtes durch Frauen ab. Treiger leitet künftig die Jüdischen Gemeinden in Oldenburg und Delmenhorst. Sie wurde 1979 im ukrainischen Poltawa geboren. Der aus Moskau stammende Konstantin Pal wird die Jüdische Landesgemeinde Thüringen mit Sitz in Erfurt betreuen, Robert Ronis arbeitet für die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Er wurde in Czernowitz (Ukraine) geboren und wuchs in Berlin auf.

"Dies ist ein wunderbarer Tag, für uns, für ganz Israel und für Deutschland", sagte Jacob in seiner Predigt. Er dankte Wulff ausdrücklich für dessen Anwesenheit. Wahrscheinlich sei es "das erste Mal in der ganzen Welt", dass der Präsident eines Landes einer solchen Zeremonie beiwohne. "Als meine Familie und die meiner Frau 1939 aus Deutschland auswanderten, konnte ich mir diesen Tag bestimmt nicht vorstellen." Vor allem mit der Weihe von Alina Treiger sei der Traum Abraham Geigers wahr geworden, der nach den Worten Jacobs bereits vor mehr als zweihundert Jahren dafür gekämpft hatte, dass Frauen und Männer im Judentum gleichgestellt sind. Aufgabe der jungen Rabbiner sei es nun, das christlich-jüdische Gespräch und das islamisch-jüdische Gespräch fortzuführen, sagte Jacobs.

Das traditionelle Totengebet (Kaddisch Jatom) in Erinnerung an die im Holocaust ermordeten Juden und an verstorbene Gemeindemitglieder sprach Rabbiner Edward van Voolen. Wulff sprach in einem Grußwort von einem "besonderen" Gottesdienst. Zwar falle es ihm nicht ganz leicht, bei der Zeremonie als Staatsoberhaupt das Wort zu ergreifen, da Staat und Kirche in Deutschland getrennt seien. "Wenn ich es für einige wenige Augenblicke trotzdem tue, dann in erster Linie, um zu sagen: Ich freue mich sehr darüber, dass wir in diesem Jahre ein besonderes Jubiläum feiern: 200 Jahre liberales Judentum in Deutschland. Zu einem solchen Jubiläum darf auch der Bundespräsident gratulieren." Mit der Rabbinerordination zeige sich, dass jüdisches Leben in all seiner Vielfalt - von orthodox bis liberal - im Land wieder Wurzeln geschlagen habe.

1935 war in Berlin Regina Jonas zur Rabbinerin ernannt worden. Die Amtseinsetzung gilt als umstritten, weil der Akt nur in einer Privatordination stattfand. Ihr Studium an der liberalen Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hatte sie 1930 beendet. Jonas wurde 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Die Berliner Hochschule war 1872 von Rabbiner Abraham Geiger gegründet worden. Auch die jüdische Reformbewegung geht auf eine Initiative deutscher Juden zurück. Der erste Reformgottesdienst der Welt wurde 1810 im Harz abgehalten.

APN APN

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