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EKD-Jahrestagung in Magdeburg: Über soziale Gerechtigkeit und Fortschritte bei der Ökumene

Ja zum Mindestlohn, nein zum Castortransport und ein dringender Appell für eine sozialere Bewältigung der Schuldenkrise: Mit einer klaren Ansage an die Politik hat sich die evangelische Kirche auf ihrer Jahrestagung zu Wort gemeldet.

Mehr Einsatz für soziale Gerechtigkeit hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise und in der Lohnpolitik angemahnt. Auf der Jahrestagung der Kirche in Magdeburg forderte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Sonntag eine Regulierung der Finanzmärkte. "Wir benötigen eine Politik, die Finanzakteure so zügelt und Finanzstrukturen so steuert, dass sie nicht der Bereicherung Einzelner, sondern dem Leben vieler Menschen dienen."

Die Krise drohe, die Stabilität ganzer Staaten und damit die Existenzgrundlage vieler Menschen zu zerstören, mahnte der EKD-Chef. "Eine gemeinsame Währung muss eine einheitliche Finanz- und Wirtschaftspolitik nach sich ziehen." Eigentlich habe sie diese als Voraussetzung, wenn der Euro Bestand haben solle.

Schneider begrüßte die erneute Debatte über einen Mindestlohn. "Grundsätzlich muss unter sozialethischen Gesichtspunkten gelten: eine volle Berufstätigkeit soll so entlohnt werden, dass ein eigenverantwortetes Leben möglich ist."

Reformen - nötiger denn je

Bei der in der Kritik stehenden Lohnpolitik der Diakonie kündigte Schneider Sanktionen gegen Einrichtungen an, die über Zeitarbeit oder Ausgründungen das angemessene Lohnniveau unterlaufen. Von den Gewerkschaften geforderte Tarifverhandlungen mit Streikrecht wolle die Kirche nicht einführen. Sie halte an ihrem Grundrecht fest, ihre Angelegenheiten selbstständig zu regeln. Das Arbeitsrecht in der Diakonie ist an diesem Montag Thema der EKD-Tagung. Über ein Streikrecht in Kirche und Diakonie verhandelt nächstes Jahr das Bundesarbeitsgericht.

In der Atompolitik forderte der Ratsvorsitzende einen Stopp des bevorstehenden Castor-Transports nach Gorleben sowie der dortigen Erkundung für ein Endlager. Es bedürfe dringend der Klärung, wo und wie die radioaktiven Abfälle sicher endgelagert werden könnten. Der Plan aus Baden-Württemberg zur Prüfung von bundesweit vier bis fünf Standorten sei gut geeignet, die Problematik anzugehen.

Hauptthema der bis Mittwoch laufenden Jahrestagung der Kirchensynode ist die Mission, das Gewinnen von Menschen für den Glauben. Angesichts einer sinkenden Anzahl von Kirchenmitgliedern und einem drohenden Bedeutungsverlust der Kirche seien Reformen nötiger denn je, mahnte Schneider. "Wir werden zu 'toten Steinen' und machen das Haus Gottes zu einem die Vergangenheit verherrlichenden Museum, wenn wir uns nicht durch die Kraft des Leben spendenden Geistes zu Neuaufbrüchen aufeinander zu bewegen lassen."

Hoffnungen auf baldige Fortschritte in der Ökumene

Man dürfe die Kirchen nicht reduzieren zu Moralanstalten, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor der Synode. Auch der säkulare Staat sei angewiesen auf das werteorientierte Handeln seiner Bürger, dazu lege die Kirche eine Grundlage. "Wir müssen verhindern, dass der Gottesglaube verdunstet."

Der evangelische Kirchenchef lud die Katholiken zur gemeinsamen Feier des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 ein. Trotz einiger Irritationen beim Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XI. habe der Wille zu einem weiteren Aufeinanderzugehen von Protestanten und Katholiken überwogen. Der Catholica-Beauftragte der evangelischen Kirche, Braunschweigs Bischof Friedrich Weber, hatte am Samstag Hoffnungen auf baldige Fortschritte in der Ökumene gedämpft. "Schnelle und spektakuläre Durchbrüche sind auch in naher Zukunft nicht zu erwarten."

DPA / DPA