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Elterngeld: Immer mehr Väter bleiben daheim

Kind statt Beruf: Die Zahl der Väter, die im vergangenen Jahr Elterngeld beantragt haben, ist auf bis zu 15 Prozent gestiegen. Familienministerin Ursula von der Leyen meint, spätestens 2009 werde die "20-Prozent-Marke" geknackt. Die Linkspartei kritisiert Nachteile für Geringverdienende.

Die Zahl der Väter, die für ihre Kinder zu Hause bleibe, steigt: Jeder achte Antrag auf Elterngeld wurde im vierten Quartal vergangenen Jahres von einem Mann gestellt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit entfielen fast 23.000 der 184.500 bewilligten Anträge auf Väter. Im ganzen Jahr wurden insgesamt 571.000 Anträge auf Elterngeld bewilligt, von denen rund 10,5 Prozent auf Väter entfielen.

Weiterer Anstieg erwartet

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen erklärte, sie rechne mit einem weiteren Anstieg. "Das Elterngeld bleibt ein Renner", betonte die CDU-Politikerin. Seit Beginn vergangenen Jahres nahm der Väter-Anteil nach Angaben der Statistiker kontinuierlich zu: Im ersten Quartal 2007 waren nur 6,9 Prozent der Anträge auf das neue Elterngeld von Vätern gestellt worden, im dritten Quartal waren es bereits 10,7 Prozent.

Zwischen Oktober und Dezember stieg der Anteil der Anträge von Vätern schließlich auf 12,4 Prozent. Beim früheren Erziehungsgeld, das an Einkommensgrenzen gekoppelt war, lag ihr Anteil nur bei etwa 3,3 Prozent. Nach einer Allensbach-Umfrage von 2007 will etwa ein Viertel aller Väter die für das volle Elterngeld nötigen Partnermonate beantragen.

Väter-Anteil teilweise über 15 Prozent

"Wenn diese Dynamik anhält, werden wir spätestens im Jahr 2009 die 20-Prozent-Grenze knacken", sagte von der Leyen. Das Elterngeld sei ein wichtiger Baustein für ein kinderfreundliches Deutschland, betonte die Familienministerin. Auch bei den Geburten stünden alle Signale auf Wachstum: "Ich gehe davon aus, dass die Geburtenrate im vergangenen Jahr deutlich über 1,4 Kinder pro Frau gestiegen ist." So hoch sei der Wert zuletzt 1990 gewesen.

Am höchsten lag der Väter-Anteil beim Elterngeld im vierten Quartal 2007 in Bayern mit 15,1 Prozent sowie in Berlin mit 15,0 Prozent. Am geringsten war er wie bereits in den Vorquartalen im Saarland mit 7,1 Prozent. Auch das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Zahl der Anträge weiter steigt: Viele Eltern, deren Kind Ende 2007 zur Welt kam, werden das Formular demnach erst Anfang dieses Jahres einreichen.

Linke kritisiert Nachteile für Geringverdienende

Dennoch halten die meisten Männer die Erziehungszeit mit ihren Kindern eher kurz: Rund 60 Prozent der Väter, die Elterngeld in Anspruch nahmen, beantragten es im vergangenen Jahr nur für zwei Monate. Lediglich 18 Prozent nahmen eine Babyzeit von zwölf Monaten. Bei den Müttern ergibt sich ein ganz anderes Bild: Hier beanspruchten 87 Prozent das Elterngeld für zwölf Monate, weniger als ein Prozent wollte es nur für zwei Monate.

Die Bundestagsfraktion der Linkspartei kritisierte zudem, Geringverdienende, Studenten und Erwerbslose seien beim neuen Elterngeld schlechter gestellt als zuvor. "Hatten sie bisher 24 Monate Anspruch auf Erziehungsgeld, können sie nun nur noch 12 bis 14 Monate Elterngeld beziehen", sagte der familienpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jörn Wunderlich.

Das Elterngeld ersetzt für erwerbstätige Mütter und Väter 67 Prozent des wegfallenden Nettogehalts, wenn die Arbeitszeit vollständig oder teilweise reduziert wird. Der Mindestbetrag liegt bei 300 Euro, die Höchstgrenze bei 1.800 Euro monatlich. Den Mindestbetrag von 300 Euro erhalten auch Eltern, die nicht erwerbstätig sind. Je nach Familiensituation erhöht sich der Betrag um einen Geschwisterbonus oder einen Mehrlingszuschlag.

AP/lio/spi / AP