Emnid-Umfrage Deutsche Herzen schlagen links


Ach, das wird sie freuen, die Herren Lafontaine, Bisky und Gysi, denn ein Großteil des Volkes scheint zumindest mit ihren Positionen zu sympathisieren. Eine Umfrage hat nun ergeben, dass klassische linke Positionen derzeit Hochkonjunktur im Land haben. Selbst die Gewerkschaften dürfen aufatmen.

Hach, jetzt werden sie sich wieder auf die Schultern klopfen. Der Oskar und der Gregor, und vielleicht auch ein bisschen der Professor Bisky. "Siehste!" Ein paar Kilometer weiter, im Willy-Brandt-Haus, werden sich die Sommer-Stallwachen der Herren Beck und Heil an den Köpfen kratzen und sich überlegen, ob das jetzt gut ist für sie oder doch eher schlecht, was nun eine Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der "Zeit" ergeben hat.

Selbige hat nämlich ergeben, dass das Herz der Deutschen doch für eine politische Heimat schlägt, die sie "links" verorten. So lehnt eine überwältigende Mehrheit der Bürger die Sozialpolitik der Großen Koalition ab. Der Emnid-Umfrage zufolge sagten 72 Prozent der Befragten, die Regierung müsse mehr für soziale Gerechtigkeit tun, nur 16 Prozent folgen der Regierungspolitik. Jeder dritte Deutsche bezeichnete sich selbst als "links". 34 Prozent sagten, sie seien im politischen Spektrum links zu verorten. 52 Prozent ordnen sich selbst der politischen Mitte zu und nur elf Prozent der Rechten.

Selbst unter CDU-Anhängern sieht sich jeder Vierte als Teil des linken politischen Spektrums. Bei den SPD-Anhängern sehen sich 39 Prozent als "links", bei der FDP 23 Prozent und bei den Grünen sogar 76 Prozent.

Bahn soll Staatsunternehmen bleiben

Oskar Lafontaine, Chef der Partei "Die Linke" und in einer mandatspolitischen Ruhephase Autor eines Buchs mit dem Titel "Das Herz schlägt links", kann sich über die Umfrage auf jeden Fall freuen. Denn von den 1000 Deutschen, die Emnid befragte, stützten viele politische Forderungen, die vor allem von der Linkspartei vertritt: So sagten 67 Prozent der Befragten, sie wollten Unternehmen wie die Bahn sowie die Energieversorgung in staatlicher Hand lassen. Vor allem von Anhängern der Volksparteien wird diese Haltung geäußert. Von den SPD-Anhängern sind 72 Prozent für Staatsunternehmen, von den Unionswählern immerhin 71 Prozent. 68 Prozent der Befragten sind für die Einführung von Mindestlöhnen. 62 Prozent halten die Beteiligung der Bundeswehr an Einsätzen in Afghanistan für "eher falsch". 82 Prozent fordern, das gesetzliche Rentenalter wieder von 67 auf 65 Jahre zu senken.

Die Sympathie für linke Positionen schlägt sich auch in einer positiveren Haltung zu den Gewerkschaften nieder. So halten 46 Prozent der Deutschen laut "Zeit"-Umfrage die Macht der Gewerkschaften für "eher zu klein" und nur 43 Prozent für "eher zu groß". Auf die gleiche Frage hatten 2003 noch 51 Prozent der Befragten geantwortet, sie wünschten sich weniger Gewerkschaftsmacht.

DPA DPA

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