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England nach Jagdverbot: Klassenkampf mit 91 toten Füchsen

Dem Vorurteil zufolge, bringt einen Engländer nur wenig aus der Fassung. Das neue Verbot der Fuchsjagd gehört dazu. Tausende Jäger trafen sich nun zu Ersatzjagden, um die Grenzen des Gesetzes zu testen.

Das erste Wochenende nach dem In-Kraft-Treten des Verbots der Hetzjagd mit Hunden hat in England und Wales Tausende Jäger mobilisiert. Sie nahmen am Samstag an Ersatzveranstaltungen teil, um die Reichweite des seit Freitag geltenden Verbots zu testen. Dabei wurden nach Angaben der Countryside Alliance, einer Organisation der Jagdbefürworter, 91 Füchse getötet. Die meisten seien ganz legal erschossen, nur einige seien versehentlich von Hunden gerissen worden. Die Polizei nahm vier Personen vorübergehend fest.

Tony Blair ein Scharlatan und Schmierenschauspieler

Prinz Charles und seine Verlobte Camilla Parker Bowles, die früher auch an den Hetzjagden teilnahmen, waren am Samstag nicht zugegen. Bei den Versammlungen der Jäger kam es zu neuerlichen Zornesausbrüchen wegen des Verbots. Premierminister Tony Blair sei ein Scharlatan und Schmierenschauspieler, erklärte der frühere Jagdmeister Lord Mancroft bei der Herzog-von-Beaufort-Jagd in Didmarton in Westengland, die tausende Anhänger anlockte. "Das ist wirklich Klassenkampf", meinte der 25-jährige Rechtsreferendar Tim Leach. Die Menschen seien sehr emotionalisiert.

Bei der Ersatzjagd sollte nicht, wie bisher üblich, ein Fuchs oder irgendein Jagdwild gehetzt werden. Vielmehr sollten die Hunde einer ausgelegten Geruchsspur folgen. Ein Hetzjagdgegner, Warren Ball, war mit einer Videokamera gekommen, um etwaige Gesetzesverstöße festzuhalten. Die Mehrheit der Bevölkerung halte diese Jagdart für grausam, sagte er, und er wolle für die Einhaltung des Verbots sorgen. Der Bund gegen grausame Sportarten äußerte die Hoffnung auf die Teilnahme vieler kritischer Beobachter an den über 250 Ersatzjagden, die im Lande angesetzt waren.

Die berittenen Jäger im roten Rock sind regional organisiert. Sie rekrutieren sich aus den Reihen des Adels und der sonstigen Gutbetuchten. Der Herzog von Beaufort besitzt zahlreiche der speziell gezüchteten und abgerichteten Hunde, die in Zwingern gehalten werden. Er unterhält auch die notwendigen Reitställe und hat das für die Jagden erforderliche umfangreiche Personal in seinen Diensten. In der Gegend, rund 250 Kilometer westlich von London, preschen im Durchschnitt an vier Tagen pro Woche Reitertrupps mit ihren Hunden durch die Landschaft.

Im Allgemeinen wird von Fuchsjagd gesprochen, jedoch wurden nicht nur Füchse, sondern auch Hasen und sonstiges Wild von Hunden gehetzt, die nach geglücktem Fang ihre Beute zerfleischten. Diese Art der Jagd ist rund 300 Jahre alt. Das nunmehrige Verbot in England und Wales geht auf einen Beschluss des Unterhauses vom November zurück; in Schottland existiert schon länger ein Verbot. Der Einsatz von Hunden bei der normalen Jagd, bei der die Beute geschossen wird, ist nach wie vor zulässig.

AP / AP