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Frau des inhaftierten Bloggers Badawi: "Die Auspeitschungen können jederzeit wieder losgehen"

Ihren Mann erwarten in Saudi-Arabien 1000 Peitschehiebe, weil er alle Religionen als gleichwertig bezeichnete. Im Video-Interview mit dem stern erzählt Ensaf Haider, wie es dem inhaftierten Blogger Raif Badawi geht.

Ensaf Haidar im Interview, die Frau des saudischen Bloggers Raif Badawi

Seit 2012 sitzt Raif Badawi im Gefängnis. Der Blogger, der sich selbst als liberal bezeichnet, hatte vier Jahre lang in seinem Internetforum über aktuelle Fragen diskutiert. In einem Beitrag schrieb er, dass alle Religionen ebenbürtig seien, Christen, Juden, Atheisten und Moslems gleichwertig. Für das streng-konservative Regime war diese Aussage Gotteslästerung. Wegen des "Abfalls vom Glauben" wurde Raif Badawi verhaftet und zunächst zu sieben Jahre Haft sowie 600 Peitschenhieben verurteilt. Später verschärften die Richter das Urteil: zehn Jahre Haft, 1000 Peitschenhiebe und rund 200.000 Euro Geldstrafe.

50 Peitschenhiebe kosteten ihn fast das Leben

Anfang des Jahres begann der Vollzug der auch für saudi-arabische Verhältnisse drakonischen Strafe: 50 Hiebe musste er erdulden. Schläge, die ihm fast das Leben kosteten. Aus "gesundheitlichen Gründen" wurde danach auf weitere Auspeitschungen verzichtet. Bis heute. Seine Ehefrau Ensaf Haidar, die mit den drei gemeinsamen Kindern nach Kanada geflohen war, sagt im stern-Interview, dass die Züchtigungen jederzeit wieder aufgenommen werden können.

Einziger Kontakt: oberflächlig via Telefon

Kontakt zu ihrem Mann hat sie telefonisch, die zehnminütigen Gespräche seien nur oberflächlich. "Ich frage kurz, wie es ihm geht, dann wollen die Kinder noch mit ihm sprechen, und dann ist die Zeit auch schon wieder vorbei", so Ensaf Haider, die von Kanada aus versucht, ihren Mann aus der Haft zu holen.

Das komplette Interview sehen Sie oben im Video.