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Entscheidung des Vatikan: Papst akzeptiert Rücktritt von Bischof Mixa

Walter Mixa ist nicht mehr Bischof von Augsburg. Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des 69-Jährigen angenommen. Nach Prügelvorwürfen hatte Mixa Ende April sein Amt zur Verfügung gestellt.

Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des erneut in die Schlagzeilen geratenen Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen. Das teilte der Vatikan am Samstag mit. Mixa hatte das Gesuch Ende April nach Prügelvorwürfen im Vatikan eingereicht, um vom Amt als Bischof sowie als katholischer Militärbischof entbunden zu werden. Es wird erwartet, dass am Nachmittag das Augsburger Domkapitel zusammentreten wird, um einen Diözesan-Administrator zu wählen, der bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs die Diözese leiten wird. Ein Zusammenhang mit den neuen Missbrauchsvorwürfen gegen Mixa hatte der Vatikan Medienberichten zufolge zuvor ausdrücklich bestritten. Am Freitag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen gegen Mixa wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch aufgenommen hat.

Dieser Missbrauchsverdacht soll der katholischen Kirche laut einem Bericht des Magazins "Focus" im übrigen schon vor dem Rücktrittsgesuch Mixas bekannt gewesen sein. Bei einer Audienz in der vorvergangenenen Woche habe der Augsburger Weihbischof Anton Losinger Papst Benedikt XVI. von dem Verdacht berichtet, dass Mixa in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt einen minderjährigen Jungen sexuell belästigt habe, heißt es in dem Bericht. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sowie der Münchner Erzbischof Reinhard Marx seien anwesend gewesen. Sie hätten Mixa deshalb geraten, "sein Amt ruhen zu lassen".

Nach Papstbesuch Staatsanwaltschaft informiert

Nach dem Besuch beim Papst habe der Missbrauchsbeauftragte des Augsburger Bistums, ein ehemaliger Richter des Oberlandesgerichts München, die Generalstaatsanwaltschaft in München über den Verdacht gegen Mixa informiert. Der stellvertretende Leiter, August Stern, habe das Vorermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt eingeleitet. Mixas Anwalt Gerhard Decker hatte am Freitag die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurückgewiesen.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" reagierte mit Erleichterung auf die Annahme des Rücktrittsgesuchs. Durch das lange Taktieren Mixas sei ein Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche weit über das Bistum hinaus entstanden, erklärte die Reformbewegung. Diese fordert über den Fall Mixas hinaus "eine wirkliche Mitsprache und Mitentscheidung der Ortskirchen bei Bischofsernennungen". Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann erklärte: "Ich bedauere es, dass mit Bischof Mixa ein Mitglied aus der Bayerischen Bischofskonferenz ausscheidet, das viele gute Impulse in die Bischofskonferenz eingebracht hat. Es ist eine schmerzhafte Angelegenheit, einen Mitbruder auf diese Weise zu verlieren." Er habe allerdings Respekt für seine Entscheidung und verstehe auch die Annahme des Rücktrittsgesuchs durch den Papst.

Mit Mixa steht erstmals in Deutschland mit ein katholischer Bischof unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs. Zuvor hatte der für seine markigen Worte bekannte Oberhirte erst nach wochenlanger Kritik und Gewaltvorwürfen ehemaliger Heimkinder am 21. April dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Diesem Gesuch kam Benedikt XVI. nun "gemäß Artikel 401, Paragraf 2 des kanonischen Rechts" nach, berichtete Radio Vatikan. Dieser Paragraph sieht den Ruhestand eines Geistlichen wegen Krankheit oder "anderer schwerwiegender Gründe" vor.

Sämtliche Vorwürfe gegen ihn hatte der 69-Jährige Geistliche in der Öffentlichkeit zunächst stets empört zurückgewiesen. Mixa, der sich zur Zeit in der Schweiz aufhalten soll, ließ nun über seinen Augsburger Anwalt erklären, er werde mit der Staatsanwaltschaft eng zusammenarbeiten, um die jüngsten Missbrauchsvorwürfe aufzuklären.

"Super-Gau" für das Bistum

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) äußerte sich bisher nicht zu den Vorermittlungen. Ein DBK-Sprecher sagte in Bonn lediglich: "Es gibt von uns keine Stellungnahme." Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, Helmut Mangold, sagte der Nachrichtenagentur DPA, er sei schockiert. Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, wäre das der "Super-Gau" für das Bistum.

Der Sprecher der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, nannte das Bekanntwerden staatsanwaltschaftlicher Vorermittlungen gegen Mixa "eine schockierende Nachricht" für alle deutschen Katholiken. Der Fall Mixa sei längst keine Augsburger Angelegenheit mehr, sondern werfe dunkle Schatten über die gesamte katholische Kirche in Deutschland.

DPA/AFP/APN / DPA