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Erdbeben in Italien: Retter geben die Hoffnung auf

Die Retter lassen in ihren Bemühungen nicht nach, doch die Hoffnung, in den Trümmern von L'Aquila noch auf Überlebende zu stoßen, schwindet. Nach jüngsten Angaben sind 274 Menschen bei dem verheerenden Erdstoß ums Leben gekommen. Bei all dem Leid müssen sich die Überlebenden nun auch noch gegen Plünderer wehren.

Nach Angaben von Donnerstagmorgen kamen mindestens 274 Menschen durch die schweren Erdstöße vom Wochenanfang in den Abruzzen ums Leben. Das Beben hatte am Montag in der Abruzzen- Hauptstadt L'Aquila und in der Umgebung Zehntausende von Häusern zerstört oder beschädigt. Wie viele Menschen noch unter den Trümmern liegen, ist unklar. Bis Ostern wird nach Verschütteten gesucht, hatte Innenminister Roberto Maroni am Mittwoch erklärt.

Inzwischen haben die Menschen damit begonnen, die ersten Todesopfer beizusetzen. In Loreto Aprutino, 45 Kilometer von der zu großen Teilen zerstörten Stadt L'Aquila entfernt, versammelten sich Angehörige und Freunde zur Beerdigung des 24-jährigen Giuseppe Chiavaroli, eines Fußballspielers in der zweiten Mannschaft des AC Florenz. Chiavarolis Mitspieler trugen den mit seinem Trikot bedeckten Sarg unter dem Klang der Kirchenglocken zum Grab.

In L'Aquila und Umgebung suchten rund 8500 Rettungskräfte unablässig weiter nach Überlebenden, während sieben schwere Nachbeben die Bergregion um die schwer zerstörte Regionalhauptstadt der Abruzzen erschütterten. "Es gibt hier keine Überlebenden mehr", sagte der spanische Hundeführer Pedro Frutos, der in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in L'Aquila stand: "Wir setzen die Hunde ein, um nach Leichen zu suchen."

Unterdessen ist es in den betroffenen Ortschaften zunehmend zu Plünderungen gekommen. Die Regierung bereite für solche Fälle eine Verschärfung der Strafen vor, kündigte Ministerpräsident Silvio Berlusconi an. In der Ortschaft Onna wurden nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Ansa zwei Personen verhaftet. Sie sollen geplünderte Waren im Wert von 80.000 Euro bei sich gehabt haben. Innenminister Roberto Maroni kündigte verstärkte Polizeipatrouillen an.

Berlusconi sagte in L'Aquila, unter den mehr als 270 Toten seien 16 Kinder. Neun Tote müssten noch identifiziert werden. Elf Menschen wurden noch vermisst. Nach Regierungsangaben wurden bei dem Beben am Montag fast 1200 Menschen verletzt. Von den in Krankenhäusern behandelten Verletzten befinden sich etwa 100 in ernstem Zustand.

Durch die Katastrophe verloren fast 18.000 Bewohner der Region ihr Zuhause, die Erdstöße machten die Ortschaften Onna, Villa Sant'Angelo und Borgo di Castelnuevo dem Erdboden gleich. Die meisten heimatlos gewordenen Überlebenden fanden Unterschlupf in Zeltlagern. Gerade ihnen stieß eine flapsige Bemerkung von Ministerpräsident Berlusconi übel auf. "Man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende", riet der Politiker den obdachlos gewordenen Opfern der Katastrophe.

Ansa zufolge ist für Karfreitag ein offizielles Begräbnis für die Opfer der Katastrophe geplant, auch eine Vatikan-Delegation soll zu einem Trauergottesdienst anreisen. Papst Benedikt XVI. selbst will "so bald wie möglich" in die Erdbebenregion reisen. Nach Angaben eines Vatikansprechers wird dies aber frühestens übernächste Woche der Fall sein.

Italien hofft nach dem Erdbeben in den Abruzzen auf finanzielle Unterstützung der EU. Die italienische Regierung habe Interesse an Mitteln aus dem EU-Solidaritätsfonds signalisiert, verlautete am Mittwoch aus Kommissionskreisen in Brüssel. Über eine konkrete Summe könne aber erst gesprochen werden, wenn der durch das Erdbeben verursachte Schaden ermittelt sei.

Allein die Versicherungsschäden durch das Beben könnten sich auf bis zu 400 Millionen Euro belaufen, erklärte das auf Risikoschätzungen spezialisierte Unternehmen AIR Worldwide. Die Schätzung umfasse Schäden an privaten, geschäftlichen und öffentlichen Gebäuden, nicht aber den Schaden durch den Ausfall des Geschäftsbetriebs für Unternehmen. Der Gesamtschaden könnte sich laut AIR auf zwei bis drei Milliarden Euro summieren, davon sei aber nur ein geringer Teil versichert.

Auch von anderen Seiten kamen Hilfsangebote: So wollen Italiens Profi-Fußballer den Erdbebenopfern in den Abruzzen helfen und in Gedenken an die Toten am Freitag den Ball ruhen lassen. Der italienische Fußballverband kündigte außerdem ein Länderspiel in den Abruzzen an. Die Einnahmen sollen der Erdbeben- Region zur Verfügung gestellt werden.

Auch Popstar Madonna will sich in die Schlange der Helfenden einreihen. Sie wolle die Opfer mit einer "ansehnlichen Summe" unterstützen", erklärte ihre Sprecherin Liz Rosenberg Einen konkreten Betrag nannte sie aber nicht. Madonnas Großeltern väterlicherseits stammen aus Pacentro, das rund 100 Kilometer südlich von L'Aquila liegt.

AFP/DPA/AP / AP / DPA